Tanner trifft den Buchhandlung-Seitenblick-Mitinhaber und Preisträger des Deutschen Buchhandlungspreis Ansgar Weber: Untergang des Lesens ist, glauben wir, erst einmal Unsinn.

Gegenüber vom Olea am Lindenauer Markt in Leipzig residiert Ansgar Weber nebst Gattin in einem Bücher-El-Dorado. Dieses ist sogar seine und heißt Seitenblick. Nun hat er einen großen Preis eingeheimst und das Preisgeld sinnvoll genutzt. Der Volly sprang mal schnell rüber und hakte ein:

Guten Tag, ihr beiden Seitenblicker. Hier am Lindenauer Markt wagt ihr ja den Blick neben die literarischen Bestseller, wobei – das muss man ja auch sagen, der Ritt auf den Bestsellerlisten finanziell lukrativer wäre, als euer Weg. Nun habt ihr für eure Art Buchhandlung zu sein den Deutschen Buchhandlungspreis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels eingeheimst. Glückwunsch. Was hat Euch eigentlich einst ins Buchhandeln getrieben?

Man nehme: Zwei Geisteswissenschaftler mit dem Wunsch, sich in Leipzig eine Existenz aufzubauen und dem Traum von einer Buchhandlung, eine kreuzer-Anzeige des Lindenauer Stadtteilvereins, die nach einem Buchhändler für den Lindenauer Markt suchte, einen Ort und Stadtteil mit Bewegung und viel Potenzial und so nahm die Idee langsam konkrete Formen an.

Ansgar im Hintergrund. Fritz im Vordergrund.

Ansgar im Hintergrund. Fritz im Vordergrund.

Gibts Geld für den Preis? Oder geht es nur um die Aufmerksamkeit?

Beides. Mit dem Deutschen Buchhandlungspreis werden inhabergeführte Buchhandlungen mit Sitz in Deutschland ausgezeichnet, die ein literarisches Sortiment, ein leseförderndes oder kulturelles Veranstaltungsprogramm anbieten und deren durchschnittlicher Jahresumsatz in den vergangenen drei Jahren unter einer Million Euro lag. Es gibt drei Gütesiegel verbunden mit einem Preisgeld zwischen 7.000 und 25.000 Euro. Zusätzlich wurde 2016 ein undotiertes Gütesiegel an Buchhandlungen vergeben, deren Jahresumsatz in den vergangenen drei Jahren über einer Million Euro lag.

Mit dem Preisgeld in Höhe von 7.000 Euro haben wir u.a. die Publikation zu Fritz Rudolf Fries finanziert.

Wer ist denn euer Publikum im Seitenblick? Der normale Perry-Rhodan-oder-Landser-Heftchen-Konsument wird ja bei euch nicht wirklich fündig. Und wie sortiert ihr eigentlich, was ihr ins Sortiment aufnehmt?

Unser Publikum ist nach wie vor sehr gemischt und das freut uns. Wir haben viele Familien, aber auch ältere Herrschaften und ein generell recht aufgeschlossenes, neugieriges Publikum. Tja, wie suchen wir aus? Einerseits haben wir natürlich langsam Erfahrungswerte, wir wissen oder ahnen zumindest, was unsere Kunden so mögen. Dazu kommen dann die vielen einzelnen Titel, die uns ansprechen, begeistern, die wir für wichtig halten, für die wir uns ins Zeug legen. Und auch bei diesen Titeln gibts oft eine gute Schnittmenge mit dem, was auch den Leuten gefällt.

Am 23.01.2017 feiert ihr 19 Uhr den Preis mit der Geburt des Buches „Inventar der Vorstadt. Fritz Rudolf Fries in Leutzsch“. Für das Buch zeichnet ihr auch als HerausgeberTeam verantwortlich. Warum Fries? Was treibt euch da?

Wir haben uns von Anfang für die lokale Literaturgeschichte interessiert und da schon die verschiedensten Veranstaltungen gemacht. Bei Fries wussten wir von einem Bezug zum Leipziger Westen und als wir dann merkten, da gibts ganz viel zu entdecken, auch einen tollen Autor und noch einige seiner Verwandten kennen lernten, da kam Eines zum Anderen.

Roland Beer hat die Bilder zugesteuert. Wie kam es zur Zusammenarbeit?

Er ist ein guter Freund, allzeit zu schönen Schandtaten bereit und, nicht das Unwichtigste, ein sehr guter Fotograf.

Ihr straft mit eurer Arbeit ja das Unkentum zum Buchmarkt Lügen. Woran, glaubt ihr, liegt es, dass soviele Buchmenschen so gerne den Teufel an die Wand malen und vom Untergang des Lesens schwadronieren?

Untergang des Lesens ist, glauben wir, erst einmal Unsinn. Dann ist Pessimismus vielen Menschen eigen, nicht nur Buchmenschen. Gelesen wird aber wohl noch lange, nur wie das in näherer oder fernerer Zukunft aussehen wird, das ist eine andere Frage. Wir sind da einerseits aufgeschlossen, andererseits aber schon Verfechter des handgreiflichen Buches und glauben auch recht unverrückt an dessen Qualitäten.

Danke für eure antworten. Und wir sehen uns am 23.01. ganz bestimmt, ich freue mich mit euch.

http://www.seitenblick-leipzig.de/buchladen.html

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