Tanner trifft die Priesterin Martina Bártova: Es ist die Zeit von Zuversicht und neuen Anfängen.

Hier auf Tanners WALDENblog unterhält sich der Volly gern mal mit Menschen. Und da die Welt schlingert und viele Menschen nicht mehr ein noch aus wissen und sich dabei an eigenartigen konsumistischen Strukturen festkrallen, versucht der Tanner andere Türe zu öffnen. Martina Bártova, in Tschechien geboren und derzeit in Leipzig lebende Priesterin steht ihm dabei zur Seite und erklärt und erzählt und lässt mitfühlen; zum Beispiel beim Thema Imbolc:

Volly Tanner: Guten Tag, Martina Bartova. Meine Familie und ich durften am Tag vor Imbolc mit Dir zusammen Rituale in der Auwaldstation in Lützschena-Stahmeln feiern. Dabei erfuhren wir, was es mit Imbolc auf sich hat. Unsre Leserschaften jedoch stehen im blauen Dunst. Kannst Du bitte nochmal den gerade am Bildschirm Hockenden erklären, was es mit Imbolc auf sich hat?

Martina Bártova: Imbolc ist eins von acht keltischen Festen, die wir im Rahmen vom Jahreskreis feiern können. Der Name bedeutet: „Anlegen der Schafe zum Saugen“. Es ist ein Fest, das uns vom Winter trennt und auf den Frühling vorbereitet. Es wird am 1. Februar gefeiert. Die Erde wacht aus dem Winterschlaf auf. Die Tage sind schon länger und unter der Erde beginnen die ersten Samen zu wachsen. Die Natur hat jetzt wieder die Kraft und Energie, die Säfte in den Bäumen fließen zu lassen. Die Schafe bekommen die ersten Lämmchen und das bedeutet, dass das Leben weiter geht. Es ist die Zeit, sich vom Winter zu reinigen und sich damit auch vom Alten in unserem Leben zu verabschieden und uns auf den Frühling (das Neue) vorzubereiten. Es ist die Zeit von Zuversicht und neuen Anfängen.

Martina Bártova bringt das Licht unter die Menschen.

Martina Bártova bringt das Licht unter die Menschen.

Volly Tanner: Dabei haben wir von Brigid das Licht bekommen. Wer ist denn diese Brigid eigentlich?

Martina Bártova: Brigid ist eine irische Göttin. Sie ist die Patronin von Imbolc. Sie ist wie eine entspannte und ausgeschlafene Jungfrau, die nach dem langen Winterschlaf wieder aufwacht und mit ihrer Kraft die Natur von der Wintermacht löst. Ihr Name kommt vom Wort „bright“ – hell und bedeutet „die Strahlende“. Ganz oft wird sie als Jungfrau dargestellt, die aus dem Feuer, während der Imbolcnacht, herauskommt. Sie ist die Göttin des Feuers und ihr gehört die heilige Flamme. Sie kommt aus dem Feuer mit ihrem Stock und schlägt damit in die harte Erde, um die Samen zu erwecken. Sie ist die Patronin der Schmiede, die Schutzherrin der Heilkunde und die weiße Muse. Ihr Symbol ist das Brigidskreuz. Ihre Farbe ist weiß.

Volly Tanner: Du sprachst auch davon, dass Du – wenn ich mich richtig erinnere – in eine Priesterinnen-Schule gegangen bist. Kannst Du uns da Näheres erzählen? Wo war das denn? Was hast Du dort erfahren und wie lange ging das?

Martina Bártova: Ich habe im Jahr 2014 eine Ausbildung als Priesterin in Tschechien gemacht. Die Ausbildung dauerte fast ein Jahr und wurde von einer Frau, die schon lange Zeit Frauenkreise geführt hat und sich mit alten Wissen und Geschichten über tschechische Göttinnen auskennt, und von einer Priesterin aus Avalon/England geleitet. Während dieser Zeit habe ich mich mit dem alten Wissen und den Traditionen meiner Vorfahrinnen verbunden und die Zyklen der Natur (Jahreskreis) in meinen Körper erlebt. Dabei haben mir die Archetypen der Göttinnen geholfen, die mir den Weg zu der Vielfältigkeit meiner weiblichen Energie gezeigt haben. Durch die Ritualarbeit konnte ich mich mit Natur und Kosmos verbinden, um das Leben im Ganzen zu feiern und zu ehren. Ich begann das Leben voll zu spüren. Ich begann dankbar zu sein, Leidenschaft fühlen und Sachen mit vollem Herzen zu machen. Ich begann in Verbindung mit mir selbst zu sein und meine eigene Kreativität und von mir erfahrene Geschenke zu leben.

Die alte Tradition der Göttinnen ist in tiefer Verbindung mit Natur und Natürlichkeit, weil die Natur in direkter Verbindung mit der Göttin ist. Eine Priesterin ist eine Frau, die bewusst den Prinzipien des Lebens dient. Als Priesterin kann ich jetzt Menschen bei Ritualen (z.B. Übergangsritualen – Hochzeit, Geburt, etc.) und bei saisonale Festen begleiten und unterstützen und mit ihnen die Lebensprozesse feiern.

Volly Tanner: Wie kam es, dass Du Dich den alten polytheistischen Religionen zugewandt hast?

Martina Bártova: Ich bin dazu durch persönliche Entwicklung gekommen. Ich wollte viel über mich wissen. Deswegen habe ich schon viele Workshops und Seminaren besucht. Dieser Weg ging Hand im Hand mit meiner spirituellen Entwicklung. Obwohl ich als kleines Mädchen in die Kirche gegangen bin, habe ich nie eine richtige Verbindung zu Gott gehabt. Beim Gottesdienst habe ich mehr gelacht und die Essenz gar nicht gespürt. Alles war für mich leer. Jemand, der mir erzählt hat, was ich kann und was ich nicht kann… – das war nichts für mich. Trotzdem fühlte ich, dass hier einfach einige Energien sind, die zu uns sprechen und uns führen. 2007 habe ich dann auch einige Schamanen besucht und bemerkt, dass sie mir aus der Seele sprechen, dass diese Richtung mehr für mich ist und mich berührt. Danach hatte ich viele Bücher gelesen und mehr den Energien des Universums vertraut. Als ich 2014 den Jahreskreis und die Archetypen der Göttinnen entdeckte, hat alles einen Sinn ergeben. Es fühlt sich ganz natürlich an, an natürliche Sachen zu glauben. Erst jetzt fühle ich, was es bedeutet, an etwas zu glauben und welch große Bedeutung es in meinem Leben hat. Ich glaube an die kosmischen Gesetze und die Verbindung mit der göttlichen Energie in uns und um uns. Es ist etwas ganz Natürliches.

Volly Tanner: Wir haben zusammen geräuchert (was war das denn genau?) und Mutter Erde etwas zurückgegeben. Warum sind solche Rituale so wichtig in der heutigen Zeit? Was denkst Du?

Martina Bártova: Das Räuchern war mit dem Element Luft verbunden, welches uns gut helfen kann, um Sachen loszulassen. Wir haben uns vom Winter durch das Räuchern verabschiedet. Die Räuchermischung war für das Samheinfest, welches die dunkelste Zeit des Jahres repräsentiert und den Archetypen des Todes bringt. Der Mutter Erde haben wir dann die Opfer gegeben, als Dank für ihre Fruchtbarkeit. Alles in unserem Leben kommt von der Erde und wird später an die Erde zurück gegeben. Die Mutter Erde gibt uns die Ernte, d.h. sie gibt uns das Essen. Dank ihr Leben wir. Deswegen ist es wichtig, uns für die Reichtümer von ihr bei ihr zu bedanken.

Viele Sachen sind für uns selbstverständlich. Wenn man beginnt, solche kleinen Rituale zu machen, beginnt man, bewusster zu leben und die Dinge nicht mehr als selbstverständlich hinzunehmen. Vielleicht mehr Dankbarkeit zu spüren, für das, was man hat. Oder einfach klar ja und nein zu sagen zu dem, was man braucht oder nicht mehr braucht. Man kann dann mehr seine eigenes Leben führen.

Volly Tanner: Und wie kam es, dass wir uns in der Auwaldstation trafen? Sollen die nächsten Jahreskreisrituale auch dort stattfinden?

Martina Bártova: Der nächste Termin und Platz ist leider noch nicht abgesprochen. Wahrscheinlich wird es wieder in der Auwaldstation stattfinden. Aber sicher ist es nicht. Meine Absicht ist jetzt, jedes Fest mit Leuten zusammen zu feiern und die Feste des Jahreskreises in unser Leben wiederzubringen.

Wenn jemand Interesse hat dabei zu sein, dann kann ich ihm gerne die Einladungsinformationen zuschicken. Meldet Euch bitte: Meine Emailadresse ist: bartovamartina@seznam.cz

Volly Tanner: Danke, Martina, für Deine Antworten – und ich denke, wir sollte öfter mal über diese Themen sprechen und nachdenken.

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