Das zweite Kind ist schon in Arbeit – literarisch gesehen. (Interview NICKY FEE)

dieser Beitrag erschien auch in der Leipziger Internetzeitung

Jungsein in Deutschland 2011. In den bevorzugten Medien ballern sich Jungspunde mit Irrsinn und Chemie voll und ab, Mittelmaß wird zum Gleichschritt und Uniform zur Selbststilisierung bemüht. Da freut es, junge Menschen bei sinnvollen Betätigungen zu erwischen – zum Beispiel dem heißen Spiel in der Welt der Literatur. Nicky Fee lebt am Rande der Stadt in einer kleineren Stadt und macht genau dieses. Und hat ihr erstes Buch draußen. Und muss erst einmal Einiges richtig stellen. Nun gut, Volly Tanner lauscht:

 nF by arzt

High Nicky. Schön, Dich interviewen zu dürfen. Schließlich fallen selten Schatten von Borna über unser Leipzig. Klar, manchmal kommt Borna auch in Leipzig in die Presse: jedoch nur, wenn Nazihumpen Gedenkstätten planen. Aber es gibt auch Erfreuliches. Dich – zum Beispiel – und Dein erstes Buch: „Auf der Seite der Schatten“. Klingt nach Fantasy. Ist Fantasy? Worum geht’s?

Die Freude ist ganz meinerseits. Ich hoffe doch, dass es in Borna vielleicht irgendwann eine sinnvollere Gedenkstätte geben wird, für mich zum Beispiel (Eine kleine Fee wäre ganz nett). Möglicherweise in 80 Jahren.
Auch wenn mein Buch ins Genre Fantasy eingeordnet wird, würde ich es nicht als solches ansehen. Bei mir stehen die Gefühle meiner Hauptperson im Vordergrund, wie sie auf bestimmte Situationen reagiert, wie sich ihr Geist und ihr Denken im Laufe der Zeit verändern. Genau genommen ist es ein dramatischer Liebesroman mit kleinen Fantasyelementen. Im Vordergrund steht die – sagen wir mal – Liebesbeziehung zwischen Crystall, die in der Lichtwelt lebt, und Olif, der Angehöriger einer Art Sekte namens „Die Schattenwesen“ ist. Überraschend wird sie im Kreise dieser Leute aufgenommen und darf mit ihrem „Freund“ zusammen sein, was die Gesetze vorher verboten haben, doch Olif ist nicht der, der er zu sein scheint. Er ist egoistisch und will sie nur für sich haben, für sich und sein Vergnügen. Wie es Crystall dabei geht, ist ihm schlichtweg egal. So kommt es auch, dass er ihr den Umgang mit einem jungen Mann namens Juna verbietet. Nur gegen Geld dürfen die Beiden sich sehen, dabei sind sie in Wirklichkeit Seelenverwandte. Durch eine Gesetzeslücke gelingt es den Beiden schließlich, doch zueinander zu finden, was Olif natürlich gar nicht passt. Was weiter passiert, kann man im Buch sehr gut nachlesen. Tatsache ist: Es passiert sehr viel und es darf auch geweint und mitgelitten werden.

Beim Reinblättern in Dein Buch stellt sich sofort eine Frage. Gab es ein Lektorat vom Verlag aus? Und wenn ja, wie gestaltete sich dieses?

Der Engelsdorfer Verlag führt kein Lektorat durch, jedoch gibt es eine Liste mit verschiedenen Lektoratsbüros, bei denen ich mir dann Angebote eingeholt habe. Als das Manuskript überarbeitet und korrigiert war, hat der Verlag noch kurz über den Text geschaut, ein paar Änderungsvorschläge gemacht und fertig war das Buch.

Im Netz gibt es auf Youtube den Channel: „Zukünftige Bestsellerautorin“. Dies ist der Deine. Und Du sprichst über Literatur und stellst vor und liest vor. Bleibt Zeit für Party?

 NF by arzt

Der Channel an sich heißt „DasTodesfeechen“, der Teil mit der Bestsellerautorin ist nur die Kanalbeschreibung und Ausdruck dessen, wohin ich gern kommen würde.
Durch meine Ausbildung bin ich am Wochenende meist arbeiten, deswegen habe ich keine Zeit für Party und Weggehen. Ich war auch nie ein Partymensch, also stört mich das nicht sehr, viel lieber verbringe ich meine Abende mit einem guten Buch oder mit meiner Familie.

Am 01.07.11 wird es Deine erste Lesung geben: in der Gaststätte „Glück Auf“ in Borna – in der Deutzener Straße 30. Dort wirst Du auch gerade Köchin. Was geschieht während Deiner Lesung, Deiner Buchrelease? Reine Lesung – anderthalb Stunden Text? Oder gibt es Überraschungen?

Überraschungen habe ich mir noch keine überlegt, aber eine Freundin von mir wird zu diesem Zeitpunkt hochschwanger sein und plant, vorbei zu kommen, also gibt es vielleicht doch welche. Wahrscheinlich werde ich ohnehin zu aufgeregt sein, um ein Wort rauszubekommen, das wird schon. Wenn ich jetzt alles verrate, ist es doch keine Überraschung mehr, oder?

Du hast beim Engelsdorfer Verlag veröffentlicht. Wie kams dazu? Gibt es in Borna nichts Vergleichbares?

In Borna gibt es keinen Verlag für Bücher, deswegen bin ich den Weg über Leipzig gegangen und bin mit der Kooperation zwischen mir und dem Verlag sehr zufrieden. Als junge, neue Autorin ist es schwer, in einem der größeren Verlage Fuß zu fassen, da die meisten gar keine Manuskripte annehmen. Ich habe viele Absagen bekommen, deswegen habe ich mich vorerst für die Veröffentlichung in einem kleinen Verlag entschieden.

Was sagen Deine Freunde zu Deinen Ambitionen – literarisch gesehen? Wird geschmunzelt oder unterstützt?

Die meisten meiner Freunde waren sehr überrascht, dass mein Buch nun endlich draußen ist. Viele haben zwar gewusst, dass ich Bücher schreibe, aber dass ich so weit gehe und sie auch veröffentliche, hat für viele erstaunte Blicke gesorgt (Vor allem von meiner Mutter). Aber alle freuen sich sehr für mich, versuchen mich, so gut es geht, zu unterstützen und animieren mich, weiterzuschreiben.

Dein Erstling entstand über viele Jahre hinweg. Vom Stil her ist dies wirklich interessant zu lesen. Ein Kind braucht neun Monate zum Schlüpfen. Warum hat es so lange gedauert?

In der Zeit, als ich an diesem Buch geschrieben habe, hat sich in meinem Leben Einiges verändert und getan, vor allem ich selbst. Es gab viele Rückschläge, die dazu geführt haben, dass ich monatelang gar nicht geschrieben habe, weil es mir einfach zu viel wurde. Wenn es mir dann besser ging, habe ich wieder ein paar Seiten dazu gedichtet und so weiter und da mich niemand gedrängt hat, das Werk zu vollenden, habe ich mir alle Zeit genommen, die ich eben brauchte. Als ich mit dem ersten Teil angefangen hatte, wusste ich noch gar nicht, dass ich dieses Buch je in meinem Leben herausbringen würde, der Wunsch dazu kam erst sehr viel später. Jetzt ist das Kind ja endlich geschlüpft und das zweite ist schon in Arbeit, literarisch gesehen natürlich.

Gibt es Netzwerke für Dich? Ich meine im literarischen Bereich. Menschen, mit denen Du dich austauschst? Menschen, die Dich literarisch beeinflussen?

Es gibt Menschen, die mir bei kleinen Entscheidungen mit Rat und Tat zur Seite stehen, das sind aber vor allem Freunde von mir, die nicht selbst schreiben. Mittlerweile unterhalte ich mich auch mit ein paar Autoren, aber beeinflussen lasse ich mich durch niemanden. Wir unterhalten uns einfach über unsere neuesten Ideen, deren Umsetzung und so weiter. Die wenigen Leute, die ab und an eine Leseprobe von neuen Büchern von mir bekommen, schlagen dann aber auch mal mit der Faust auf den Tisch und sagen mir, was ich besser oder anders machen sollte.

Wie geht es jetzt aber weiter mit der Vermarktung Deines Erstlings? Lesetournee? Interviewterminwochen? Erzähl mal, wie Du dir das vorgestellt hast. Kommt Unterstützung vom Verlag?

Nein, die Vermarktung meines Buches übernehme ich allein. Es kostet zwar viel Zeit, aber ich habe, zum Glück, Unterstützung von meinen Freunden und meiner Familie. Sie empfehlen mich weiter und stärken mir den Rücken, das hilft mir sehr. Ich plane demnächst, mich bei ein paar Buchläden in Leipzig vorzustellen und hoffe, dass mein Charme die Leute dort so sehr um den Finger wickelt, dass sie mich und mein Buch unterstützen.

Auf dem Buchmarkt gibt es derzeit einen wahren Tsunami von Fantasy, was unterscheidet Dein Buch generell von den Vielen?

Vor allem die Tatsache, dass es in meinen Augen kein Fantasybuch ist. Man merkt, dass ich sehr viel Herzblut in jede einzelne Seite dieses Werkes gesteckt habe, dass ich mich selbst darin weiterentwickelt habe. Außerdem geht es bei mir nicht um Vampire, derzeit haben wir ja einen großen Zuwachs an blutsaugender Literatur. Ich möchte dem Leser Tränen entlocken und keine sonstigen Körperflüssigkeiten. Abstrakte Monster, Orks und schwertbewaffnete Krieger wird es in meinen Büchern niemals geben, nur Gedankengänge, Gefühle und Menschen wie Du und ich, mit denen sich jeder identifizieren kann. Der Leser wird sich selbst in meinen Charakteren wiederfinden und in jeder Situation mitfühlen und –fiebern.

Danke für das charmante Gespräch, Nicky & wir drücken Dir alle vorhandenen Daumen….

Bei so vielen Daumen kann nichts mehr schiefgehen. Dankeschön und bis bald!

www.nickyfees-welt.de

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter KÜNSTLERINTERVIEWS abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s