Tanner trifft Steven Kloß, Belegungsmanager Städtische Altenpflegeheime Leipzig gGmbH und sein Physio-Team Alexandra Schneider und Renate Kowalski: Die tägliche Arbeit, die unsere Mitarbeiter leisten, ist meist keine Schlagzeile wert …

Als der Tanner mit Tochter und Kleinkegel das 25. Funkenburgfest im Waldstraßenviertel besuchte, kamen nicht nur Ayleena und Burkhard Jung zum Schnattern, sondern der Tanner auch mit dort Standhabenden ins Gespräch. So zum Beispiel mit diesen im sozialen Bereich aktiven Menschen – die sonst eher selten interviewt werden. Deshalb machts ja der Tanner:

Schön Euch hier zu treffen. Ihr seid bei der SAH (Städtische Altenpflegeheime Leipzig gGmbH) beschäftigt. Was genau macht Ihr denn da den ganzen Tag?

(Steven): Wir kümmern uns um eine Vielzahl von Senioren im Leipziger Stadtgebiet und haben dabei ganz verschiedene Angebote der Hilfestellung, so betreiben wir derzeit knapp 300 barrierefreie Wohnungen, haben 30 Tagespflegeplätze, 1200 stationäre Pflegeplätze (Pflegeheimplätze), 30 Schwerstpflegeplätze, einen Ambulanten Dienst, eine Physiotherapie-Praxis und eine Ergotherapie-Praxis. Wir arbeiten in unterschiedlichen Bereichen.

(Physio-Team): Wir in der Physiotherapie behandeln auf ärztliche Anordnung jeden Menschen von Jung bis Alt. Gern heißt es: „Ich geh wieder zur Massage.“ Allerdings umfasst unser Aufgabengebiet weitaus mehr. Ein Großteil der Behandlungen besteht in der Krankengymnastik und in der Manuellen Therapie – diese ist nach erfolgreicher Weiterbildung des Therapeuten abrechenbar.

Ich (Steven) bin der Belegungsmanager des Unternehmens und berate zum Beispiel die Angehörigen bei der Suche des optimalen Angebots, denn so vielfältig die Wünsche und Bedürfnisse unserer Bewohner sind, so individuell sind unsere Angebote – von der rein barrierefreien Wohnung, bis zur 24h-Versorgung gilt es das passende Modell zu finden. Wir haben aber Mitarbeiter in allen Bereichen; von Altenpflegern, Therapeuten, Gärtnern, Kurierfahrern, Technikern, Verwaltungsmitarbeitern über Köche ist alles bei unseren über 1000 Mitarbeitern vertreten.

Alexandra, Steven & Renate – helfende Hände und charmante Menschen. Zukunft gestalten heißt auch an die Älteren denken. c/o Volly Tanner

Ach, das kleine g vor GmbH steht für gemeinnützig. Was bedeutet das denn eigentlich? Wie kann ein Geschäftsbetrieb denn gemeinnützig sein? Müsst Ihr die Gewinne spenden? Erzählt mal bitte …

(Steven): Grundsätzlich muss eine gGmbH die erwirtschafteten Erträge für gemeinnützige Zwecke verwenden und darf diese nicht an den Gesellschafter ausschütten, es sei denn, dieser setzt diese wiederrum für das Gemeinwohl ein. Unsere gGmbH entstand 2004 aus dem Eigenbetrieb der Städtischen Altenpflegeheime und befindet sich heute noch zu 100 % im städtischen Besitz. Alle Mitarbeiter inklusive unseres Geschäftsführers sind Angestellte dieser gGmbH, unser Aufsichtsrat besteht zu Teilen aus gewählten Mitarbeitern unseres Unternehmens und von den Leipziger Bürgern gewählten Stadtratsmitgliedern. Unser unternehmerisches Ziel ist die optimale Versorgung der Leipziger Senioren, alle Investitionen, die wir tätigen, werden mit der Stadt abgestimmt. Alle Gewinne, die wir erzielen und nicht für unsere gemeinnützige Tätigkeit/Investitionen verwenden, schütten wir an die Stadt Leipzig aus, welche diese dann für die Förderung von einer Vielzahl von gemeinnützigen sozialen und kulturellen Projekten verwendet. In den letzten Jahren konnten wir der Stadt jährlich mehrere tausend Euro im fünfstelligen Bereich weiterreichen. Bei einer regulären GmbH kann der Gesellschafter – meist der Geschäftsführer, frei entscheiden, was er mit diesem Gewinn macht, da liegt im Grunde der Unterschied.

Was ist denn eine Lymphtherapeutin? Und kann man so etwas lernen? Richtig als Beruf?

(Physio-Team): Die Lymphdrainage ist ein Teilgebiet des weiten Behandlungsspektrums der Physiotherapie und wird nach Berufsabschluss im Rahmen einer Weiterbildung erworben. Dabei geht es maßgeblich darum, den Stoffwechsel bei lymphatischen Stauungen in Teilen des Körpers anzuregen und für Entstauung/Linderung zu sorgen.

In Eurem Flyer werden wirklich viele interessante Angebote aufgelistet. Zum Beispiel der Schlingentisch oder Lomi Lomi … Klingt irgendwie, wie … Was hat es denn damit auf sich?

(Physio-Team): All diese Angebote aufzuzählen und zu erklären, wäre sehr müßig. Zumal wir neben der Physiotherapie-Ausbildung auch noch verschiedene Weiterbildungen erworben haben. Prinzipiell unterscheiden wir zwischen Therapie, Wellness und Prävention … Zu deiner Frage: der Schlingentisch ist eine therapeutische Möglichkeit, z. B. Extremitäten in Schlingen zu lagern, um sie schmerzadaptiert und bewegungslimitiert zu bewegen.

Und wie wird das alles finanziert???

(Steven): Die Finanzierung hängt vom jeweiligen Angebot ab, unsere Therapieangebote werden bei einem Rezept von den Krankenkassen finanziert, unsere Wohnungen und spezielle Therapien, welche die Kasse nicht finanziert, werden direkt vom Klienten bzw. Bewohner getragen. Unsere stationären Pflegeplätze oder die ambulanten Hilfestellungen werden wieder anteilig von Pflegekasse und Bewohner bezahlt. Die Höhe der Preise legen wir dabei nicht selbst fest, sondern verhandeln diese mit den Krankenkassen, welche diese aus eigenem Interesse natürlich möglichst überschaubar halten möchten.

Helfende Berufe sind ja nicht selten eher mittelprächtig bezahlte Berufe. Wie ist es mit der Wahrnehmung anderer Menschen Eurem Tun gegenüber?

(Steven): Die öffentliche Meinung der Altenhilfe gegenüber hat in den letzten Jahren ein sehr negatives Bild erhalten, da besonders die Skandale das mediale Bild prägten, zuletzt der Abrechnungsbetrug bei ambulanten Diensten. So stellen wir dies auch bei den Angehörigen und Pflegebedürftigen fest, welche am Anfang meist Ängste mitbringen, diese lösen sich jedoch schnell auf, wenn man denn erst einmal bei uns ankommt. Die tägliche Arbeit, die unsere Mitarbeiter leisten, ist meist keine Schlagzeile wert, wir können daher nur jeden ermutigen, sich selbst ein Bild zu verschaffen und unsere Einrichtungen zu besuchen, denn wir haben nichts zu verbergen und sind stolz auf unsere Leistung. Wenn Sie selbst bei einem Blick hinter die Kulissen ein schlechtes Gefühl haben, dann sollten Sie vielleicht den Anbieter wechseln, denn Pflege und Fürsorge hängt oft mit dem Wohlbefinden und Gefühl der Geborgenheit zusammen. Lassen Sie sich von tollen Broschüren und Werbeauftritten nicht täuschen und vertrauen Sie auf Ihren Instinkt, dass kann ich vielleicht als Tipp für die Angehörigen mitgeben.

Wer sehr viel Geld verdienen will, ist bei uns tatsächlich falsch, auch wenn wir versuchen sukzessive Gehaltssteigerungen zu ermöglichen und es nicht mehr so prekär wie vor 10 Jahren ist, so hängt es dann doch immer am politischen Willen, unsere Leistungen zu honorieren. Auch der Personaleinsatz in unseren Einrichtungen wird, wie die Kostenhöhe, mit den Krankenkassen verhandelt, so dass unser Handlungsspielraum als Unternehmen eher gering ist. Am Hungertuch muss aber auch bei uns keiner nagen, die Entscheidung in einen sozialen Beruf einzusteigen, wird auch eher mit dem Gefühl, das „Richtige zu tun“ getroffen, auch wenn es nur ein Lächeln unserer Bewohner ist, kann dies schon viel aufwiegen.

Danke für Eure Antworten.

(Wir): Wir bedanken uns für dein Interesse an unserer Arbeit.

https://www.sah-leipzig.de/home/

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