Volly Tanner trifft André Herzberg: Wir werden hoffentlich aneinander ein bisschen weiser

erschien schon im BLITZ! STADTMAGAZIN:

 

Pankow kommen nach Halle und Leipzig. Und haben ein neues Album im Gepäck. Volly Tanner ließ es sich natürlich nicht nehmen, dem Frontier der Kapelle, André Herzberg, dazu auf den Pelz zu fühlen:

Endlich. Endlich wieder Pankow. Da dürfte es so Einige geben, die erleichtert aufatmen. gibt’s auf der neuen Tour den guten alten Rock an Roll oder wird’s behäbiger, weil ergrauter?

Erst mal darf es uns selber nicht langweilen, das ist das Wichtigste, sonst langweilt es auch unser Publikum, wir verändern immer wieder alte Lieder, spielen sie in neuen Arrangements und die Neuen leben vom Herzklopfen, ob Strophe und Refrain richtig in der Reihenfolge kommen, also – das kann ich Dir sagen – nirgendwo Routine.

André Herzberg - ein streitbarer Poet & Sänger - Legende & Aufbruch.

André Herzberg – ein streitbarer Poet & Sänger – Legende & Aufbruch.

Pankow hatte und hat immer den Charme der Rebellion in sich getragen. Ist André Herzberg immer noch wütend?

Eigentlich bin ich sehr bürgerlich, im Herzen. Ich wohne in einer guten Wohngegend. Die Leute hier sind meist aus den westlichen Ländern, oft mit Kindern, man sagt höflich „Hallo!“ zueinander. Die Eltern arbeiten alle zusammen für das Wohl der Kinder – so weit die Fassade. Ich gehe 1 x die Woche in eine Psychogruppe, da siehst du dieselben (meist älteren) Leute. Da kommt schon einiges hoch an Hass, an Trauer, an verpfuschtem Leben. Das sind meine Themen, hier finde ich mich wieder, natürlich immer unter dem Blickwinkel meiner ostdeutschen Biografie. Einmal bin ich ausgerastet. Bei einer gemütlichen Feier meiner alten Plattenfirma kam der alte Ostchef, inzwischen Immobilienhändler, damals gefürchteter und einziger Entscheider über ja oder nein einer Plattenproduktion. Ich erinnerte mich an sein nein zu „Paule Panke“, unser erstes Projekt. Ich sah in die gleichmütigen Gesichter meiner einstigen Ostkollegen, niemand schien ein Problem mit ihm zu haben. Dann sah ich die Torte mit der Aufschrift „50 Jahre Amiga“, sie zerbrach an seinem Gesicht in drei Teile. Ich verbeugte mich noch mit einem Diener und sagte: „Schönen Dank für die gute Zusammenarbeit.“. Gemeint waren aber auch all die lieben Kollegen, die das für eine dumme Kinderei hielten, denen es bis heute am Arsch vorbei geht, dass man Kollegen einfach aus der DDR rausgeschmissen hat. Es gab unter Künstlern keine Solidarität.

Am 30.11. seid ihr in Halle zugange und am 08.12 in Leipzig. Zwei von 15 Muggen. Könnt ihr davon Euer Leben fristen? – Bestimmt gibt es ja auch Berge von Seitenprojekten, die einfach mal der Relevanz nach erwähnt werden sollten (Zum Beispiel Dein Hörbuch „Das kalte Herz“). Hier hast Du alle Möglichkeit und allen Platz der Welt:


Dieses Jahr war (nach langer Zeit) ein gutes Ökonomisches. Nach der Tour mit Pankow spiele ich im Januar mit den 3 Highligen (zusammen mit Zöllner und Dirk Michaelis), dann mein Hörspiel beim Deutschlandsender Kultur… – dann ist mein Konto voll. Man lädt mich ein, man schenkt mir Aufmerksamkeit. Im Herbst nächsten Jahres spielt Pankow ein paar Ostrock Konzerte. Ich kann mich im Moment nicht beklagen, „unberufen“ zu sein, wie mein Onkel immer sagte.

Eine Frage, die sich Vielen stellt. Wie gestaltet sich eigentlich die Zusammenarbeit mittlerweile im Team Ehle/Herzberg? Da gab es ja auch Verwerfungen….

Zum neuen Album hat Jürgen wieder viel mehr Lieder beigetragen, darunter den Titelsong, wir haben uns (wie immer) gerieben, aber irgendwann den gültigen Kompromiss für Album und Tour gefunden. Wir sind zwei ältere Herren, werden aneinander hoffentlich ein bisschen weiser und halten es noch mal 30 Jahre miteinander aus.

Besonders freue ich mich ja auf Ingo (York) Griese, der einstmals bei Rockhaus und nach vielen faszinierenden Stationen nun bei Euch basst. Eine Heimkehr auch irgendwie. So wie ja auch Pankows Rückkehr in die Herzen. Was aber ist neu am „Neuen Tag“ in Pankow?

Hörer sagen, es wäre bluesiger, härter, ohne Spuren von modischem Schnickschnack. Ja, und die Texte, da könnte man sagen, die sind öfter rückgeschaut.

Gibt’s eigentlich auch Supportbands bei den Gigs?

Support macht „The Baby Universal“, leider nicht in Halle, wo die herkommen. Eine wirklich gute Band, so zwischen Cure und weiß ich nicht.

Die Neuer Tag Tour geht ja nur durch den Osten. Gab es keine Interessenbekundungen jenseits der fünf frischeren Länder? Oder ist das ganze Ost/West-Ding sowieso gegessen. Ich meine, Michy Reincke ist ja auch mehr ein Nordlandtourer und im Süden eher nicht so eine Nummer – gibt’s da überhaupt Grenzziehungen euerseits noch?


Unsere Grenzziehung heißt, wir fahren dahin, wo man uns viel Geld anbietet für´s spielen, das ist (seit der Maueröffnung) der Osten. So ist das eben einfach mal.

Danke für das interessante Gespräch….

http://www.electrocadero.de/pankow/

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