Das letzte Wort hat … … Daniela Krien

erschien schon im FRIZZ Stadtmagazin für Leipzig:

Das letzte Wort in diesem Monat hat die Leipziger Schriftstellerin Daniela Krien, die gerade mit ihrem im Graf-Verlag erschienenem Roman „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ die Bestsellerlisten stürmt. Das Feuilleton ist des Lobes voll – und es hat Recht:

Frau Krien, vollenden Sie bitte diesen Satz: An Leipzig hat mich in letzter Zeit besonders aufgeregt, dass …

Tatsächlich muss ich erst nachdenken, was beweist, dass ich mich selten über meine Stadt aufrege. Angesichts der Weltlage fällt es mir ohnehin schwer, mich über Alltagsproblemchen so furchtbar zu ärgern. Aber wer nach Aufregern sucht, findet auch welche. Also: Spontan fallen mir die absurd hohen Preise der Leipziger Verkehrsbetriebe ein. Selbst in Paris kommt man günstiger von A nach B. Und wenn wir schon bei der Fortbewegung sind: Ich besitze kein Auto, fahre also fast alles mit dem Rad und vermisse auf vielen Leipziger Straßen noch immer Radwege. Dass so wenig Geld in Kindertagesstätten fließt, finde ich bedenklich. Es gibt zu wenig Plätze, zu wenig Ausstattung, die Betreuer verdienen beschämend wenig Geld.

Aber ich bin Schriftstellerin und keine Politikerin, und in einer Demokratie lebend, wähle ich Volksvertreter, die sich mit diesen Dingen beschäftigen sollen. Manchmal tun sie es sogar.

Daniela Krien am Fenster

Daniela Krien am Fenster

Was muss sich ändern?

Allgemein muss sich das Bewusstsein der Menschen ändern, ich schließe mich da nicht aus. Ich könnte jetzt sagen, Kindergartenerzieher müssten soundsoviel verdienen, Radwege müssen her, usw. Dahinter stecken jedoch größere Probleme: das ökologische Bewusstsein muss geschult werden, wir alle müssen wesentlich verantwortungsvoller mit Ressourcen und Mitmenschen umgehen. Wir dürfen uns nicht nur um unser eigenes Klein-Klein kümmern, sondern müssen uns fragen: Welche Welt wollen wir den zukünftigen Generationen hinterlassen? Wir alle müssen uns ändern – bescheidener werden, mitfühlender, weniger egozentriert.

Wie würden Sie Leipzig beschreiben, für den, der die Stadt nicht kennt?

Ich würde wahrscheinlich schwärmen: Eine Großstadt ohne die für die Großstadt typische Anonymität. Große kulturelle Vielfalt neben liebenswerter Provinzialität. Eine Stadt, die man sich zu Fuß und per Rad schnell aneignet, die kurze Wege, viel Grün und moderate Mietpreise bietet. Eine kinderreiche und lebendige Stadt.

Welcher Ort ist Ihnen der liebste in der Stadt?

Auf einen möchte ich mich nicht festlegen; es hängt davon ab, was ich vorhabe. Wenn ich mit den Kindern spazieren gehe: der Auwald und das Rosental mit der Großen Wiese und dem Zooschaufenster. Wenn ich an einem warmen Sommerabend Lust auf nette Menschen und Sonnenuntergang habe: der Richard-Wagner-Hain am Elsterflutbecken, wo es an der Bio-Imbissbude Zierlich-Manierlich alle möglichen Leckereien gibt und wo ich häufig auf bekannte Gesichter treffe. Wenn ich bei einem guten Kaffee und einem Stück Kuchen in Ruhe die Zeitung lesen will: das Café Maître oder das Café/Restaurant Telegraph. Aber die Stadt und ich stehen nicht still und die Lieblingsplätze wechseln hin und wieder.

Wenn Sie in die Zukunft schauen, welche Pläne und Visionen haben Sie?

Jetzt, ganz aktuell, habe ich den Plan, an meinem neuen Buch zu arbeiten. Dank eines Stipendiums der Sächsischen Kulturstiftung bin ich für sechs Monate von der Sorge ums Einkommen befreit und kann mich also aufs Wesentliche konzentrieren. Viel weiter denke ich derzeit nicht. Mit zwei Kindern, die gern mal sorgfältig ausgearbeitete Pläne durchkreuzen, habe ich eines Tages beschlossen, mich im Persönlichen nur auf die Gegenwart und sehr nahe Zukunft auszurichten.

Aber eines weiß ich: ich möchte mein Leben lesend, schreibend und im ständigen Austausch mit vielseitig interessierten Menschen verbringen.

Worauf freuen Sie sich in der nächsten Zeit besonders?

Auf den Frühling. Auf die frischen, zartgrünen Bärlauchblätter im Auwald, auf viel Bewegung draußen, darauf, mit den Kindern wieder Softeis in unserem Eisladen auf der Waldstraße essen zu gehen und im April auf eine kleine Lesereise nach Bordeaux mit Abstecher über Paris.

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