Tanner trifft Anne-K. Erdmann, Vorsitzende des Fördervereins 172. Grundschule Leipzig: Gute Raumkonzepte können die „Not“ lindern.

Am 05.02.2018 kam ein Geldregen über den Förderverein der 172. Grundschule Leipzig. Volly Tanner traf Anne-K. Erdmann, Vorsitzende des Vereins und erfragte, wofür das Geld genutzt werden soll. Schließlich ist im Bildungssektor Sachsens allerorten Schmalhans Küchenmeister. Frau Erdmann erläuterte das Konzept „Flexibles Klassenzimmer“. Doch lest selber:

Anfang 2018 war ein guter Beginn des Jahres für das Projekt „Flexibles Klassenzimmer“. Die Sparkasse und die Deutsche Bank gaben Geld. Können Sie sagen, wie das ablief? Wer hat sich da dahintergeklemmt?

Das Jahr 2017 ging super zu Ende. Denn bereits im Dezember 2017 flossen ein Großteil der Spenden. Der Förderverein „trat“ ja der Sparkasse Leipzig schon mindestens zwei Jahre auf den Füßen herum, dass sie uns unterstützen. Immerhin sind wir seit 1990 dort Kunde.

Wir haben das Konzept des flexiblen Klassezimmers als Konzept von Schule und Hort eingereicht und begründet, warum wir dies als Förderverein unbedingt unterstützen wollen. Die Sparkasse hat dies anerkannt und das Raumkonzept mit 2500,00 Euro unterstützt.

Die Deutsche Bank war begeistert von unserem Zirkusprojekt und den Mühen, die wir aufwenden, damit wir mit Erfolg Spenden für den Förderverein sammeln können und dadurch wieder Schule und Hort unterstützen können. Daraufhin hat die Filiale in Grünau ihre jährliche Waffelbäckerei zur Weihnachtszeit genutzt, um Spenden für unseren Förderverein zu sammeln. Das lief so erfolgreich, dass dabei 2000,15 Euro zusammenkamen. Dies wiederum wurde von der Zentrale der Deutschen Bank nochmal um 1000,00 Euro erhöht. Man erkannte das soziale Engagement der Filiale an.

Scheckübergabe in der 172. Grundschule Leipzig. c/o Erdmann

Die Deutsche Bank Filiale in Grünau hat Waffeln gebacken. Machen die das öfter? Und wie kam es, dass eine Leutzscher Grundschule unterstützt wurde?

Ich habe „persönliche“ Verbindung zur Filiale der Deutschen Bank. Die Filiale backt jedes Jahr zur Weihnachtszeit Waffeln und sammelt damit Spenden für gemeinnützige Projekte. Meine Freundin war Zuschauer beim Zirkusspektakel und begeistert, von unserem Engagement für die Schule. Da hat sie ihre Filiale überzeugt, doch unseren Förderverein zu unterstützen.

Können Sie uns ein bißchen etwas zum Thema „Flexibles Klassenzimmer“ sagen? Was soll das denn sein?

Hinter dem Begriff des „flexiblen Klassenzimmers“ verbirgt sich eine neue Raumkonzeption. Anstelle einer üblicherweise fest installierten Tafel an einer Zimmerfront gibt es eine Neustrukturierung des Raumes in eine Lernlandschaft. Diese besteht aus flexibel kombinierbaren Tischen, leicht verschiebbaren Tafelelementen und Projektionsflächen und leicht rollendem Mobiliar. Es ist so möglich, das Konzept der Schule und des Hortes zu unterstützen. Bereits vor einigen Jahren konnte ich ein sachsenweites Projekt, an dem auch drei Leipziger Grundschulen beteiligt waren, begleiten. Hier ging es um gezielte Förderung von Schülern, ohne ihnen den Stempel des sonderpädagogischen Förderbedarfes aufzudrücken. Ein Schwerpunkt war, den Raum als „dritten Pädagogen“ zu nutzen. Raumgestaltung ist ein bedeutender Faktor für eine lernfördernde und motivierende Umgebung. Es geht auch darum, Schulen und Horte zu unterstützen, gemeinsam ihre Konzepte „leben“ zu können. Mich hat das sehr überzeugt und deshalb habe ich es über den Förderverein in die Diskussion gebracht.

Und was kostet sowas? Und warum soviel?

Ich weiß nur, das die komplette Ausstattung schnell an die 10 000 Euro heran reicht. Aber es muss nicht alles neu sein. Das Konzept der Schule und des Hortes ist entscheidend. Gemeinsam muss man überlegen, was wollen wir und wie kann man das erreichen. Was haben wir schon und was brauchen wir neu? Die Ausstattung ist deshalb so teuer, weil sie flexibel ist. Also: der Stuhl kann jeder Größe angepasst werden. Die Tische sind ebenso höhenverstellbar. Das Schienensystem ermöglicht flexible Nutzung verschiedenster Projektionsflächen.

Der Schulträger, die Stadt Leipzig, stellt die Grundausstattung zur Verfügung. Das entspricht für Tische und Stühle ca. 3500,00 Euro. Die stetig steigenden Schülerzahlen bringt die Stadt hier sicher an den Rand ihrer Möglichkeiten. Es muss mit den Ressourcen sicher sehr planvoll umgegangen werden.

Schlußendlich ist das flexible Klassenzimmer ja eine reine Notwehrgeschichte – oder sehe ich das falsch? Kommen dann nicht noch mehr Kinder auf den engen Schulraum? Wäre massenhafter Neubau oder Umnutzung von anderen Gebäuden nicht pädagogisch sinnvoller? Klären Sie uns doch bitte auf.

Ich sehe ja in dem Raumkonzept vielfältige Möglichkeiten, Schule zu entwickeln. Schule zu betrachten hinsichtlich eines guten Raumkonzeptes bedeutet doch Entwicklung. Wie fördere ich alle Schüler, was bedeutet Inklusion? Welches Förderkonzept hat eine Schule? Wie arbeitet sie mit dem Hort als Partner? Erkennt der Hort, welche Aufgaben Schule hat? Hier sind noch ganz viele Meilensteine zu bewegen. Die heterogene Schülerschaft und die Lehrersituation sind sicher große, schwierige Aufgaben für alle Schulen. Dies hat erstmal mit engem Schulraum nicht so viel gemein.

Aller Platz und alles Geld nützt nichts, wenn Schule nicht verändert wird. Die Aufgabe steht vor allen Schulen. Schulen wie die 172. GS haben sich hier auf einen sehr guten Weg gemacht. Deshalb ist es doch gut, wenn man hier unterstützen kann.

Der Neubau/ Anbau ist seitens der Stadt ja für die 172. GS vorgesehen. Aber wann da was beginnt…? Mit Sicherheit ist das gerade eine ganz problematische Situation für die Stadt Leipzig. Kitas, Grundschulen, Oberschulen, Gymnasien, Förderschulen müssen in Größenordnung aus dem Boden wachsen.

Viele der Schulen, welche vor Jahren geschlossen wurden, sind offensichtlich so marode, dass sie nicht mehr nutzbar sind bzw. müssen aufwendig saniert werden.

Also finde ich, dass gute Raumkonzepte die „Not“ lindern können.

Und die Stadt Leipzig? Wie stehen die Verwalter zum Projekt? Gibt es Kontakte? Statements?

Dank Ihnen, Herr Tanner, hatten wir ja die Möglichkeit, dass Prof. Fabian uns Zeit gab, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Er hatte zu dem Gespräch noch die „Chefin“ der Horte und den „Chef“ des AJUFABI geladen. Ich konnte Überzeugungsarbeit leisten, dass sich die Aufwendungen lohnen, um u. a. mit einem Raumkonzept langfristig pädagogische Arbeit, sowohl von Schule als auch von Hort, zu unterstützen.

Es war wichtig aufzuzeigen, dass man den Leuten vor Ort die Möglichkeit gibt zu entscheiden. Zum Beispiel: Hort und Schule können ihren Haushalt auch zusammen „schmeißen“, wenn sie es wünschen, begründen und wollen. Hier muss die Bürokratie weichen. Bisher hat jeder sein Konto (ist auch gut so). Aber man muss die jeweils vorgeschriebenen Anbieter wählen und die sind verschieden. Wenn das Konzept von Schule und Hort aufweist, dass die alt hergebrachte Tafel nicht notwendig ist und eben anderweitig Tafelflächen entstehen, muss das doch Schule/Hort entscheiden können. Bisher hat der Schulträger entschieden und die Tafel wurde angebracht, obwohl die Schule darum bat, das Geld (ca.1000,00 Euro) zum flexiblen System beizusteuern. Ich sehe ein, dass alles nachhaltig sein sollte, es ist immer viel Geld und es gilt gut zu planen. Aber wenn dies der Fall ist, dann kann man auch Flexibilität erwarten.

Das wurde sehr positiv aufgenommen. Die Budgets bleiben aber stabil und können nicht erhöht werden. Da sind eben externe Spender noch gefragt.

Wenn das Schule macht! Sie sind ja auch Vorsitzende des Fördervereins 172. Grundschule. Braucht es eigentlich Elternengagement beim Schulbau? Ich sah vor kurzem einen Trickfilm und da gab es einen Spendenlauf der Eltern, weil das Schuldach kaputt war. Wie weit entlässt man eigentlich staatliche Strukturen aus der Verantwortung? Ist Bildung nicht erstes Ziel von Land und Bund?

Ja, es sollte wohl so sein. Die oberste Verantwortung liegt dort und auch ich wünsche mir, dass Bildung immer oberste Priorität hat. Aber wenn wir helfen können, mit einigen Extras die Schulfreude zu erhöhen und Schule/Hort schöner zu machen, mach ich gerne mit und engagiere mich.

Das Schuldach und jegliche Grundsanierung sollte aber bei dem Schulträger bleiben. Ansonsten wird die Schule, glaube ich, den privaten Status bekommen. Das würde ich nie unterstützen. Ich persönlich möchte, dass alle Kinder egal woher und wie aufgestellt, die nötige Bildung und Förderung in entsprechendem Lernumfeld bekommen.

Aus Ihrer Innensicht – auch als Mitarbeiterin beim LASUB– ist das Bildungsschiff noch zu retten? Welche Entscheidungen müssen her? Wer kann was tun? Und was wäre das Ziel?

Ich kann nur sagen, dass ich in jeglicher Hinsicht alles zu geben versuche. Es wird eine schwierige Zeit in noch einer Reihe von Jahren. Aber ich habe schon so viele Seiteneinsteiger kennengelernt, dass ich immer noch hoffnungsfroh bin. Ganz viele geben alles, um in dem Lehrerdasein anzukommen und bringen auch frischen Wind mit. Wenn ich sie dann noch an solchen Schulen wie der 172. GS unterbringen kann, werden Sie von der Schulleitung und einem Großteil des Lehrerteams sehr unterstützt.

Danke, Frau Erdmann, für Ihre Antworten.

Der Förderverein im Netz:

https://cms.sachsen.schule/gs172l/foerderverein/

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