Mit uns hat noch niemand von der Kita gesprochen. Romy und Joe Winter verlieren ihre Bleibe. Tanner traf sie …

Verdrängung ist nicht nur ein Problem im innerstädtischen Raum, sondern mittlerweile auch am Stadtrand. Der zu hundert Prozent schwerbehinderte Joe Winter, bekannt als Kopf der seit Jahrzehnten aufspielenden Joe`s Company – muss jetzt sein liebgewordenes Heim verlassen, weil ein Verein alternativer Eltern eine Kita und eine Schule eröffnen möchte. Nur kommt im Verein – so scheint es nach Aussagen der Betroffenen – niemand auf die Idee, mit den Bewohnern des Geländes zu reden.

Wir hoffen auf Kompromisse und lassen zuerst Romy und Joe zu Wort kommen:

Volly Tanner: Guten Tag, ihr Lieben. Schön, euch zu treffen. Dir, lieber Joe, hatte ja der Krebs letztes Jahr zum zweiten Mal die Bühne weggenommen. Wie geht es dir denn derzeit gesundheitlich?

Joe Winter: Hallo Volly, Danke, dass wir heute mit dir reden können! Ja, in der Tat, zum zweiten Mal hab ich diesen Mist am Hals. Das erste Mal, 2012, hatte mich schon mächtig aus der Bahn geworfen. Allerdings konnte ich mich wieder ins Arbeitsleben zurückkämpfen. Diesmal ist der Eingriff noch etwas härter gewesen. Erst die Chemo, die mich richtig umgehauen hat. Monatelang Krankenhaus mit nicht enden wollenden Nebenwirkungen der Chemo – ich will da gar nicht weiter ins Detail gehen. Mit dem Wissen von heute denke ich, dass die wenigsten Menschen am Krebs selbst sterben, sondern an den Nach- und Nebenwirkungen der Chemo. Es war einfach riesengroßer Mist. Anschließende Operationen … naja, ich habe es geschafft und: auch diesmal habe ich nicht vor, mich hängen zu lassen. Derzeit bin ich aller zwei drei Tage bei irgendwelchen Behandlungen, wie Schmerztherapie, Physio, Schluckbehandlung, Logopädie, Nachsorge, entsprechende Kontrollen, usw.

Ich bin also noch mittendrin, aber ich denke, die schlimmsten Behandlungen hinter mich gebracht zu haben. Tägliche Schmerzen bekämpfe ich unter Aufsicht der UNI-Schmerzambulanz mit entsprechenden morphinen Mittelchen. Diese konnte ich aber schon drastisch reduzieren. Nervig ist die Tatsache, dass ich nicht normal essen kann. Die Operationen in Mund, Kiefer und Hals werden mich bestenfalls noch Jahre beschäftigen. Momentan kann ich ausschließlich nur flüssige Nahrung aufnehmen. Und auch das nur langsam und voll konzentriert, damit es nicht in die „falsche Kehle“ läuft. Die Kau- und Schluckmechanismen sind zerstört. Dafür erhalte ich jeden Monat eine Lieferung hochkalorischer Kost in Form von Trinknahrung. Also wird selbst ein Tagesausflug zum Planungsmarathon, damit ich mich ernähren kann. Ich will nicht jammern, kämpfe und trainiere das alles weiter und möchte wieder oder weiterhin als Musiker mein Geld verdienen. Auf das Sozialamt will ich nicht, wenn es sich vermeiden lässt. Diese Option würde nämlich auch bedeuten, dass ich all meine Instrumente, Boxen, Fahrzeug usw. verkaufen müsste, bevor der Staat hilft. Damit wäre aber die Chance verwirkt, jemals wieder selbst-(eigen)ständig auf der Bühne zu stehen und die Rückkehr in mein (Traum-) Berufsleben zu schaffen. Ich will arbeiten … ich liebe meinen Job (und wie viele Menschen können das heute noch von sich behaupten) und dieses Gefühl, auf der Bühne zu stehen und die Menschen zu unterhalten.

Ich kann sagen, dass ich mit diesem Beruf meinen Traum lebe. Nur, wenn es gar nicht mehr geht, würde ich diesen aufgeben. Außerdem hängen ja auch noch meine Mitmusikanten dran. Die müssten sich auch einen neuen Job suchen.

Joe während der Chemo – mit Romy im Arm c/o privat

Letztes Jahr gab es ja die große Unterstützershow im ANKER, gleichzeitig ein Jubiläum von Joe´s Company. Wie war denn das Ergebnis? Euer Moderatore, der Elia van Scirouvsky, erzählte mir, dass es ein fantastischer Abend war.

Joe: Ich war ja zu diesem Zeitpunkt stationär im Krankenhaus, wenige Tage nach meiner großen OP. Parallel organisierte meine Frau Romy (die mich seit Jahren unermüdlich unterstützt) zusammen mit dem Anker selbst und befreundeten Bands dieses „Benefizkonzert“ im Anker. Ursprünglich sollte es die 25-Jahre Joe’s Company-Party werden. Der Krebs hat mir ein Schnippchen geschlagen. Dabei wollte ich gar kein Haustier haben (grins). Die finanziell prekäre Situation um die Joe-Familie hat sich in den Musikerkreisen rumgesprochen. Die Hilfsbereitschaft war riesig. Mit dem Hintergedanken, dass so etwas jeden treffen kann, rückte die Musiker-Community ein Stück zusammen. Schnell fanden sich Bands, die den Abend füllten. Auch unter den Fans sprach es sich herum, dass für den kranken Joe was auf die Beine gestellt wird, so füllte sich der Anker und es war eine tolle Atmosphäre. Es kam eine für mich/uns finanzielle Unterstützung zusammen, die uns für ein paar Monate die Miete sicherte. Davon abgesehen, war für mich die größte Freude, dass der Klinikchef mir tatsächlich erlaubt hat, für ein paar Stunden das Krankenhaus zu verlassen um bei „meinem“ Konzert zumindest kurzzeitig dabei sein zu können. Unter Auflagen von ein paar Sicherheitsmaßnahmen konnte ich sogar für 15 min auf die Bühne. In meinem Zustand eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, überhaupt das Krankenhaus zu verlassen, mit offenem Luftröhrenschnitt, Schläuchen aus Nase und offenen Wunden … irre, aber das hat mir psychisch ganz viel Kraft und Energie gegeben. Für mich war also diese Veranstaltung ein voller Erfolg! Von Herzen nochmal DANKE an alle Ärzte und Krankenschwestern, Musiker, Techniker, dem Anker selbst, unserer großartigen Gemeinschaft aus Familie und Freunden, natürlich den Menschen, die da waren um mich/uns finanziell zu unterstützen und: nicht zuletzt, an meine Romy.

Auch während der Chemo ist Liebe spürbar. Eine Familie wie eine Festung. c/o privat

Romy: Ach mein Süßer … für dich würde ich bis ans Ende der Welt gehen, um alles möglich zu machen, dass es dir gut geht. Klingt übrigens gut, der neue Titel „meine Frau“.

Wie du siehst Volly, gibt es zwischen Krankheit, Freundschaft, Hilfsbereitschaft, Musik, Genesung auch noch Raum für Romantik. So bin ich nun seit Juni offiziell Frau Winter.

Zu dem Konzert hat Joe ja schon so ziemlich viel gesagt. Auch für mich war es natürlich zwischen meinem Job, den Kindern, dem Haushalt und dem täglichen Weg zum Krankenbett ziemlich hart. Und das Schlimmste ist, zuschauen zu müssen, wie sich eine geliebte Person quält und man es ihr nicht abnehmen kann. Ich selbst bin ja durch die Beziehung mit Joe zur Musik gekommen, wie die Jungfrau zum Kinde. Ich musste mich vor 8 Jahren schon da rein fitzen, da Joe von einem auf den anderen Tag nicht mehr sprechen konnte. Über die Jahre konnte ich natürlich vieles lernen. Bis leider zum zweiten Mal mein Einsatz erforderlich war und ich offiziell das Management von JC übernommen habe. Das Konzert im Anker zu organisieren, war für mich sozusagen mein Meisterstück. Sehr große Unterstützung bekam ich da von Polo (FOA), der mir geduldig Tipps und Kniffe verraten hat, wie ich mich da durch beisse. Von dem Abend selbst weiß ich leider gar nicht viel. Die Anspannung war einfach zu groß. Das Einzige, was mir in meiner Erinnerung geblieben ist, ist diese Atmosphäre, diese grandiose Stimmung auf der Bühne, Backstage und bei den Gästen, welche den Saal hat kochen lassen. Auch die Sorge, dass Joe sich nicht selbst überfordert mit seiner Anwesenheit, war riesig. Das wäre für mich persönlich das größte Drama gewesen, wenn es ihn durch diese Aktion, die ja der Prof. Lethaus selbst vorgeschlagen und erlaubt hat, gefährdet hätte. Aber während ich mich völlig platt den nächsten Tag in die Klinik gequält habe, saß Joe auf der Bettkante, baumelte fröhlich mit seinen Froschbeinchen und war total energiegeladen und super gut drauf. Ihm hat der Abend auf jeden Fall eine ordentliche Portion Kraft für die weitere Genesung gegeben.

Ich selbst bin nach wie vor sehr tief emotional berührt, wie großartig die erweiterte Leipziger Musikerszene zusammenhält.

Aber immer wenn Joe Zeit hat, versucht er aus den Filmaufnahmen des Abends einen Zusammenschnitt zu machen. So kann man irgendwann den Abend Revue passieren lassen.

Im Vorderfeld Joe Winter. Das Blid ist relativ frisch, die Haare wachsen nach seiner letzten Krebstherapie nach. Bild: privat

Schon damals habt ihr mir erzählt, dass es in eurer Wohnecke – ihr lebt über dem ehemaligen Möbelhaus Waldmeister, etwas Gerangel gibt. Ganz früher war da eine beliebte Ausflugsgaststätte drin und letztes Jahr erzählte die Gerüchteküche, dass da auch wieder eine reinkäme. Nun wird es ein Kindergarten, so wie es aussieht. Wer sind denn da die Betreiber? Haben die schon mal mit euch geredet? So ganz normale Kontaktaufnahme?

Romy & Joe: Ja, es gibt da verschiedene Gerüchte. Nicht zuletzt wahrscheinlich deswegen, weil der neue Hausbesitzer wohl ziemlich planlos an die Sache rangegangen ist. Seine erste Aktion war Mieterhöhung (die im Rahmen der Zulässigkeit auch in Ordnung war) und Kündigung in einem Schreiben an alle Mieter. Romy hat es dann gleich unserem Anwalt weitergeleitet, da wir mit der Situation durch meine Krankheit und echt anstrengenden Behandlungen, der Ungewissheit ob und wie ich das überlebe, völlig überfordert waren. Als nächstes lasen wir in einschlägigen Immobilienportalen, dass neue Betreiber für eine Gaststätte im alten Möbelhaus gesucht werden. Dann erzählte der Bauleiter selbst von einem Kindergarten, dann von einer Grundschule und nun soll es wohl eine Kombi aus Beidem werden. Laut Internetauftritt der „gml-leipzig.org“ soll diese nächstes Jahr eröffnet werden. Wir haben noch nicht mal eine neue und rechtskräftige Kündigung. Wir wissen auch nicht, wer da der Interessent ist. Bei uns hat sich niemals jemand persönlich vorgestellt, noch wurden wir mal genau über mögliche Vorhaben informiert. Ich wohne seit 18 Jahren mit meiner Tochter in dieser Wohnung, wobei sie seit kurzem eigene Wege geht. Vor 10 Jahren zog Romy mit ihrem Sohn dazu. Hier leben, lieben und arbeiten wir. Mein Büro und Studio befindet sich im Wohnraum, mein Lager für sämtliche Ton und Lichttechnik liegt schön geschützt direkt bei der Wohnung. Fakt ist, dass uns der neue Vermieter unbedingt raus haben will, auch wenn das Gesetz eigentlich auf unserer Seite ist und Wohnraum auch Wohnraum bleiben sollte. Die Lebensbedingungen werden immer unangenehmer. Umbaumaßnahmen haben wir erwartet, aber das kann man natürlich auch so gestalten dass es nervt. 6 Tage von Früh an extremer Baulärm, kaltes Wasser, Stromausfälle, usw… Das Vermieterziel ist offensichtlich. Ich empfehle allen, mal einen Spaziergang um den Waldmeister und mal einen Blick in die Fallgruben zu werfen. Kinder bitte an die Leine nehmen. Es könnte gefährlich werden. Unser Hauseingang und unsere Garagen sind hinten im Hof … jedoch kaum noch mit dem Auto zu erreichen.

Joe ist zu 100 Prozent schwerbehindert, auch einer eurer Nachbarn, die raus sollen, ist schwerbehindert, zu 70 Prozent. Gibt es vom Vermieter oder den neuen Betreibern irgendwelche Lösungsansätze für euch? Wenn ja welche?

Romy & Joe: Die einzige Kontaktperson für uns ist der Bauleiter. Die Situation ist sehr undurchsichtig. Wir wissen eigentlich gar nicht, wem das Objekt wirklich gehört. Wir haben verschiedene Vermutungen dazu. Allerdings ist das ja schon eigenartig, wie der Bauleiter uns erklärt, dass ER dieses und jenes vorhat.

Wir haben versucht, ihm zu erklären, dass es eine Katastrophe wäre, wenn wir jetzt raus müssten. Auf unser Bitten, Rücksicht zu nehmen auf die schweren Lebenssituationen der Mieter meinte der Bauleiter: „Ihr müsst auch mich verstehen, ich habe hier investiert“. Was dann aber die Frage aufwirft, warum uns ein Bauleiter sagt, was ER möchte und dass ER investiert hat. Lösungsansätze seinerseits für uns gibt es keine. Wir sollen einfach ausziehen.

Wie kann man euch denn da helfen?

Romy & Joe: Im Grunde kämpfen wir derzeit gegen drei Probleme, die eben die Wohnsituation bzw. den möglichen Umzug nicht so einfach gestalten: (1) Gesundheit! Da kann uns niemand helfen. Aber dahingehend bin ich auf einem guten Weg. Wir müssen nur diese Zeit durchhalten, vor allem finanziell, um nicht sozial abzusteigen. Davon ausgehend, dass der Krebs nicht wieder kommt, und Corona uns nicht weitere Steine in den Weg legt, rechnen wir noch zirka ein, tendenziell zwei Jahre, dann müsste ich mich wieder gefangen haben und die Band wieder laufen. Was wenige wissen, ich biete außer meiner Band auch Studioaufnahmen sowie Filmschnitt an. Da die Band immer gut lief, habe ich das nie groß beworben. Allerdings habe ich jetzt durch meinen Ausfall als Sänger die Gelegenheit, das etwas mehr zu forcieren. Was uns zum zweiten Problem bringt: (2) Die Finanzen. Das Haupteinkommen der Familie ist Joe’s Company und damit ausgefallen. Romy hat ihren Job der Familie angepasst, um mir den Rücken frei zu halten und mich auch in Technik- und Büroangelgenheiten zu unterstützen. Allerdings ist auch sie durch Corona auf Kurzarbeit. Eine Familie mit zwei Kindern ist nicht billig. Wie erwähnt, der Staat fordert den Verkauf sämtlichen Besitzes, bevor er mit Sozialhilfe hilft, inklusive aller Arbeitsmittel (Verstärker, Boxen, Gitarren, Transporter, usw.), was natürlich einen Wiedereinstieg ins normale Arbeitsleben in Gänze verhindern würde. Das wollen wir unbedingt vermeiden. Deswegen sind wir derzeit auf Hilfe angewiesen, werden von lieben Menschen unterstützt. Es fällt uns immer noch schwer, das einfach so anzunehmen. Das Benefizkonzert letztes Jahr zielte ja in diese Richtung, hat uns sehr geholfen, ist aber natürlich nicht ausreichend, um die ganze Zeit zu überbrücken, da nun Corona uns Beiden einen Strich durch das Arbeitsleben macht. Wichtig wär, dass endlich die Veranstaltungen weiter gehen oder besser gesagt wieder beginnen. (3) Das Wohnungs- und Lagerproblem: Recht haben und Recht bekommen stehen ja bekanntlich auf zwei verschiedenen Blättern. Es ist abzusehen, dass wir in unserem Zuhause nicht mehr froh werden. Deswegen suchen wir nun bezahlbaren Wohnraum. Wir brauchen 3,5 bis 4 Räume. Durch unsere Wohnung im Waldmeister sind wir sehr verwöhnt. Ich kann an diesem Ort wohnen und arbeiten perfekt miteinander kombinieren Als Berufssänger/Musiker würde ich gern nach meiner Genesung wieder in meinem Beruf arbeiten. Ich könnte durch meine Krankheit und den Grad meiner Behinderung von 100% einfach alles an den Nagel hängen und dem Staat auf der Tasche liegen. So sind wir beide allerdings nicht erzogen und dafür liebe ich meinen Beruf auch einfach zu sehr. Dazu muss ich immer wieder üben, gerade auch im Zuge meiner logopädischen Übungen. Gesang und Gitarre können schon anstrengend werden, wenn man unfreiwillig zuhören muss. Natürlich will ich eventuelle Nachbarn nicht stören, aber üben muss halt sein. Auch mache ich Studioaufnahmen, habe somit auch fremde Musiker zum Einsingen und einspielen verschiedener Instrumente da. Bisher war das kein Problem, da unser einziger direkter Nachbar seinen Wohn/Schlafraum weit genug von meinem Büro weg hat. Des Weiteren benötigen wir eine Garage/Lager für meine Musiktechnik. Möglichst in der Nähe. Wenn ich mir die Standard Garagenhöfe in Böhlitz anschaue, wo ständig eingebrochen wird, bekomme ich Angst. Das Rundumpaket unserer derzeitigen Wohnung Büro mit Lager kann man durchaus mit einem Eigenheim vergleichen. Alles in allem müssten wir eigentlich in einem Eigenheim mit Garage leben. Die Grundstückspreise sind ja auch jenseits von Gut und Böse. So was zu kaufen ist für uns persönlich finanziell nicht denkbar. Aber vielleicht Mieten oder Pachten…?

Unser Jüngster geht in die Böhlitzer Oberschule. Das war sein sehnlichster Wunsch nach einigen Schnuppertagen an anderen weiterführenden Schulen. Eigentlich wurde er da schon abgelehnt, da diese kleine, zweizügige OS voll war. Nur durch lange Gespräche mit der ehemaligen Direktorin, sozusagen „Nackig machen unserer Situation in alle Richtungen“, konnten wir seinem Wunsch nachkommen. Ungern würden wir ihn wegen eines Umzuges in eine entfernte Gegend da rausreißen wollen. Auch ist die Rechnung, dass eine Stunde Schulweg pro Strecke machbar ist, das doch eigentlich, wenn wir mal ehrlich sind, eine Zumutung. Er ist sehr sensibel, leidet sehr unter dem erneuten Krankheitsschicksal meinerseits, damit verbundenen Änderungen in Alltagsabläufen, Verlustangst. Zum Glück hat er sich gut in seiner Schule eingefunden. Ein Umzug würde einen Neustart der Probleme bedeuten. Auch aus diesem Grund wollen wir gern im Raum Böhlitz-Ehrenberg, Gundorf, Burghausen, eben in Schul-erreichbarer Nähe bleiben. Vielleicht gibt es ja irgendwo in dieser Gegend jemanden, der uns Wohnraum vermieten/verpachten kann. Vielleicht gibt es ältere Herrschaften in einem zu groß gewordenem Haus/ Grundstück. Sie hätten natürlich dann auch gewisse Hilfe mit Familienanschluss. Eine Variante ist auch, nur ein Grundstück/Land, zur Pacht oder Mietkauf oder so was. Wir hätten Möglichkeiten dort mit wenig Aufwand in Eigeninitiative eine Wohnvariante und/oder Lager-Räumlichkeiten selbst drauf zu stellen. Gibt es da jemanden, der jemanden kennt…?

Joe auf dem Weg der Besserung – mit Sohnemann und Romy – c/o privat

Verstanden. Ihr sucht dringendst Räume. Schließlich ist es – auch durch Joe und seine Heilungschancen, nicht sinnstiftend, alle Rechtswege zu bestreiten. Wie sollten diese Räume denn aussehen?

Romy & Joe: Wie schon erwähnt, wir würden als Wohnung 3,5 bis 4 Räume (+ Küche und Bad natürlich) benötigen. Die qm spielen da eine untergeordnete Rolle. Es muss bezahlbar sein.

Zusätzlich benötigen wir dringend das Lager für die Technik. Die Größe einer normalen Garage ist da ausreichend. Es sollte aber halbwegs einbruchsicher sein und im Optimalfall nah am Wohnraum.

Allerdings sind wir durch die vorher genannten Umstände eben keine normale Familie mit normalen Gewohnheiten. Es ist fraglich, ob wir kompatibel mit einer normalen Wohnung und vielen Nachbarn sind. Wir wollen ja nicht gleich den nächsten Stress, weil sich die Nachbarn gestört fühlen. Musik ist aber eben nicht leise. Darum geht die Vorstellung eher in ein kleines Haus. Die Möglichkeit, einen privaten Kredit zu bekommen, ist vorhanden.

Joe in seiner Heimat. Verdrängt ihn nicht. Menschen brauchen Wurzeln. Auch die Söhne. c/o privat

Das ist natürlich das Optimum. Bis wohin könntet ihr denn gehen?

Romy & Joe: Natürlich ist es ein Wunsch, halbwegs in der Gegend zu bleiben. Wenn sich eine Möglichkeit weiter Außerhalb, oder in einer anderen Leipziger Ecke auftut, würden wir diese wahrnehmen, auch wenn es eine Umschulung bedeutet. Allerdings ist eben immer zu beachten, dass Lucien so selbstständig wie möglich zu Schule, Training und Schlagzeugunterricht kommen sollte. Das heißt, es müsste die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel in der Nähe sein, die nicht nur zwei Mal am Tag fahren.

Und wie können Menschen, die helfen wollen und können, euch erreichen?

Romy & Joe: Zu erreichen sind wir entweder über das Romy-Handy: 0176-24999592, oder per Mail: joescompany@arcor.de

Bild vom Ist-Zustand – 06.08.2020 – Wasser kalt, Baustelle. c/o privat

Ich finde ja faszinierend, dass ein Kindergartenprojekt, welches für sich in Anspruch nimmt, eher alternativ zu sein und zukunftsgewandt, da keine Kommunikation sucht, sondern einfach darauf vertraut, dass der Vermieter schon die Vormieter kündigt, rausschmeißt sozusagen. Wärt ihr überhaupt offen für solche Gespräche? Vielleicht gäbe es ja eine Möglichkeit, beiderseits Kompromisse einzugehen …

Romy & Joe: Natürlich wären wir offen für Gespräche, darauf warten wir ja schon seit einem Jahr. Gerne arrangieren wir uns mit einer Kindereinrichtung im Haus. Das Waldmeistergebäude ist eigentlich groß genug. Sicher würden sich Lösungen finden lassen. Vielleicht sogar wie es früher üblich war, wie so eine Art Hausmeisterwohnung und wir würden da gewisse Tätigkeiten dahingehend übernehmen. Wir sind beide handwerklich begabt. Romy ist ausgebildete Raumausstatterin, hat bis zur Geburt von Lucien auch selbstständig in diesem Beruf gearbeitet. Auch wäre vorstellbar, musikalische Projekte anzubieten. Ideen haben wir viele. Gefragt hat uns aber bisher leider niemand. Wir haben eigentlich nur einen Herzenswunsch, was vielleicht auch jeder nachvollziehen kann: in unserem Zuhause bleiben. Nicht aus Prinzip, weil 18 Jahre Gewohnheit bedeuten, es hängen eben viele Erinnerungen dran. Sind es die ersten Worte und Schritte meiner Tochter, die glücklichen Momente beider Kinder und natürlich auch von uns, die Chance in 10 Schritten einfach im Wald spielen zu können, unsere wundervolle Hausgemeinschaft- also die Verbleibenden davon, würden genauso mit ein Auge auf das Objekt werfen und mit anfassen. Und nicht zuletzt, weil mir und uns momentan einfach die Kraft und auch das Geld fehlt für so ein riesen Projekt wie einen Umzug, bloß weil da eine Idee geboren wurde… wo eigentlich gar keiner so richtig weiß, ob und wie es wirklich werden soll. Im Internetauftritt heißt es ja nur: wir planen … Auch wissen wir, dass die ganzen Auflagen so einer Kindereinrichtung gar nicht so einfach umzusetzen sind. Darum haben wir auch erst einmal abgewartet und zugesehen. Aber am Ende steht das Problem, dass die eben auch unsere Wohnung wollen.

Schlußendlich läuft es aber früher oder später darauf hinaus, eine Bleibe für euch zu finden, in der Joe arbeiten und genesen kann. Hier könnt ihr noch einmal einen Aufruf starten:

Romy & Joe: Okay, Danke lieber Volly! Du hast es schon schön formuliert: Kennt jemand jemanden, der uns eine bezahlbare Bleibe geben kann, wo ich eben arbeiten und genesen kann, nebst einer Variante meine Technik unter zu stellen. Und wo wir uns als Familie auf das wesentliche konzentrieren können und nicht ständig in der Angst leben müssen, den nächsten Umzug zu planen.

Wir drücken euch alle Daumen.

Romy & Joe: Danke

Die Internetseite von Joe´s Company:

https://www.joescompany.de/

Bilder: alle privat

Die Internetseite des KITAanbieters, um den es geht im Text (wir werden den Betreffenden natürlich ein Fragenpaket zukommen lassen, damit auch die andere Seite die Möglichkeit hat, sich zu äußern. Wobei wir von ganzem Herzen hoffen, dass sich ein K0ompromiss schließen lässt)

Übersicht

 

Lieber Volly:

Danke für diese Chance, die sich eventuell damit für uns auftut. Du weißt ja nun, was wir so brauchen. Es hat schon was Demütigendes nach Hilfe zu betteln, wenn man eigentlich gut im Leben stand. Ach so, Lucien möchte gern mit benannt werden. Auch ist das mit seinem Vater abgesprochen und erlaubt. (Romy & Joe)

 

UPDATE: Die Verantwortlichen des Vereins Gleichwürdig. Miteinander. Lernen e.V. haben sich mittlerweile telefonisch und auch per Mail gemeldet (12.08.2020) und versprechen, nach der Sommerpause (derzeit sind viele Menschen des Teams im Urlaub und in den Ferien) detailliert zu antworten. Wir bleiben neugierig. Volly Tanner

 

UPDATE (11.09.2020):

UPDATE ANTWORTEN AUF MEINE FRAGEN

Am 06.08.2020 fragte ich – wie schon weiter oben erörtert – die Aktiven des Vereins Gleichwürdig.Miteinander.Lernen e.V. mit folgenden Nachfragen an:

Volly Tanner: Hat irgendwer von Euch die Aufgabe gehabt, mit den im neuen Gelände der GML lebenden Menschen, zu sprechen?

Volly Tanner: Wenn ja, wann hat er dies mit wem getan?

Volly Tanner: Wenn nein, warum nicht?

Volly Tanner: Habt Ihr mit den Menschen vor Ort – auch rund um das Gelände ist eine Siedlung – über eure Pläne gesprochen? Wenn nein, warum nicht, wenn ja, wann und wo?

Volly Tanner. Wie soll das Parkplatzproblem gelöst werden, wenn morgens und nachmittags die Eltern kommen, um ihre Kinder abzuholen?

Volly Tanner: Welche Bauanträge wurden wann gestellt und von wem bewilligt?

Volly Tanner: Welche Vorschläge oder Ideen habt ihr, die die Verdrängung alteingesessenmer Bewohner durch euer Konzept unterbinden zu können?

Volly Tanner: Welche Kompromissvorschläge habt ihr???

Mit dem Datum 06.09.2020 bekam ich ein schriftliches Statement, welches ich natürlich veröffentliche:

Hallo an alle,
ganz erschrocken haben wir – wir, das ist der Verein Gleichwürdig. Miteinander. Lernen. e.V. – mitten in der Sommerpause Vollys Artikel und damit die Situation von Joe Winter und seiner Familie mitbekommen, die uns natürlich überhaupt nicht kalt lässt – im Gegenteil.

Hier nun eine kurze Erläuterung unsererseits dazu.

Wir haben als Verein das Ziel, Bildungseinrichtungen für Kinder und Erwachsene zu gründen, in denen Bildung innovativ gedacht wird. Wir gründen aber nicht primär für die eigenen Kinder, so klingt es im Artikel bzw. den sozialen Netzwerken ein bisschen, sondern vor allem, um modellhaft neue Wege auszuprobieren und so zu Veränderungen im Regelschul- bzw. Bildungssystem beizutragen. Z.B. wollen wir erproben, wie man Kinder von Anfang an stärker beteiligen kann. Viele von uns haben Kinder, die bereits andere Kitas bzw. Schulen besuchen, die schon älter sind oder haben gar keine Kinder. Und wir kommen auch nicht aus Connewitz ;-), sondern aus der ganzen Stadt und haben ganz unterschiedliche Hintergründe. Wir gründen keine elitäre Privatschule. Wir wollen sehr gern auch Familien aus der Nachbarschaft ansprechen. Stadtteilarbeit und Sozialraumorientierung sind zentrale Bestandteile unseres Konzepts. Wir bemühen uns außerdem um Freiplätze für Familien, die sich kein Schulgeld für eine freie Schule leisten können, was wir im übrigen so niedrig halten wollen, wie es irgendwie geht. Die Höhe des Schulgelds wollen wir über Bietrunden festlegen: Jede Familie zahlt im Idealfall so viel, wie sie zahlen kann. (Ganz ohne Schulgeld geht es leider in Deutschland nicht, da freie Schulen im Gegensatz zu Regelschulen nicht 100% der Zuschüsse bekommen.) Vor allem wollen wir Räume schaffen, in denen Erwachsene und Kinder gleichwürdig, in respektvollem Miteinander, lernen können.

Wir haben die Anzeige für die Anmietung des Gebäudes, in dem Joe Winter und seine Familie wohnt, nach jahrelanger Suche nach Räumlichkeiten für unser Projekt – wir suchen intensiv nach einem Ort bzw. Räumlichkeiten seit 2016 – auf einem Immobilienportal im Internet entdeckt und haben uns daraufhin mit dem neuen Eigentümer getroffen. Der erzählte uns, dass noch Menschen in dem Haus wohnen, diesen bereits gekündigt sei und sie nach und nach ausziehen werden. Das war die Info, die wir bekommen haben.

Als kleiner Verein hatten wir eine recht lange Verhandlungsphase mit dem Eigentümer bzw. seinem Vertreter hier in Leipzig. Es war sehr lang – bis vor kurzem – gar nicht klar, ob er sich wirklich auf uns als Mieter*innen und damit dieses Bildungsprojekt einlassen möchte, sodass wir auch keine großen Forderungen unsererseits stellen konnten. Die Alternative zu uns als zukünftige Nutzende des alten „Etablissements Waldmeister“ wäre davon abgesehen auch nicht der Status Quo gewesen, sondern vermutlich eine Durchsanierung und entsprechende Neuvermietung. Dass er das Gebäude anders nutzen möchte und den Mieter*innen kündigt, stand für den Eigentümer schon fest, bevor wir überhaupt ins Spiel gekommen sind.

Weil noch gar nicht 100-prozentig klar war, ob es mit unserem Projekt an dem Standort überhaupt etwas wird, haben wir auch noch keine Öffentlichkeits- bzw. Vernetzungsarbeit im Stadtteil machen können. Die Info-Veranstaltung, die wir im Juli für Schulinteressierte organisiert haben, hätten wir sehr gern im Stadtteil gemacht und haben auch Vereine usw. in Böhlitz-Ehrenberg angefragt. Aufgrund der Corona-Hygieneauflagen ging das an den Orten aber leider nicht. Das LOFFT war der einzige Veranstaltungsort, der uns überhaupt zugesagt hatte und finanzierbar war. Geplant war, mit einer kleinen Gruppe Kinder schon in diesem Jahr (2020) in einem Interim anzufangen. Die Info-Veranstaltung war für die Familien gedacht, die sich auf diese Übergangslösung einlassen können und wollen. Wie auch immer: Aus dem KleinSchulstart 2020 wurde nichts. Wir wollen nun gern nächstes Jahr im September mit Kita und Schule im umgebauten Gebäude starten.

So eine Kita- und Schulgründung ist ein sehr, sehr komplexes Vorhaben mit gefühlten 10.000 Arbeitsschritten, Behörden, usw. Wir leisten das allesamt ehrenamtlich – neben unseren Familien, Jobs und Ausbildungen, weil wir etwas in Sachen Bildung bewegen wollen. Wir haben die Arbeit im Stadtteil immer mitgedacht und denken sie nach wie vor mit. Es war im Zeitplan aber schlicht noch nicht dran, weil es behördenseitig sehr viel zu klären gibt, bevor wir sicher sein können, dass wir dort überhaupt starten können. Vorher macht eine umfangreiche Stadtteilarbeit aus unserer Sicht keinen großen Sinn.

Im Moment wird der Umbau des Gebäudes für Kita- und Schulnutzung von einem Architekturbüro gerade erst geplant. Die Pläne müssen dann von verschiedenen Behörden abgesegnet werden, dann würde der Umbau entsprechend der Planung beginnen. Das letzte Wort hat auch hier der Eigentümer.

Das wichtigste zum Schluss: Wir sind mit Joe und Romy Winter in Kontakt, werden uns mit ihnen treffen und besprechen. Wir müssen aber auch sagen: Wir sind „nur“ die potenziellen Nachmieter*innen und haben keine Entscheidungsbefugnisse, was die Mietsituation in dem Gebäude angeht.

Wir hoffen jedenfalls, dass sich für Joe und seine Familie und auch die anderen Mieter*innen gute Lösungen finden lassen und unterstützen dabei, so gut wir können.

Wer sich näher für unsere Arbeit als Gleichwürdig. Miteinander. Lernen. e.V. interessiert, kann sich gern selbst unter www.gml-leipzig.org ein Bild machen und uns gerne via Mail kontaktieren.

Da dem Statement kein Name des Statementgebenden zugrunde lag, fragte ich weiter an:

Ich veröffentliche in der Regel keine Statements aus der Anonymität – ich denke, ein paar Klarnamen wären sehr hilfreich. Im Beitrag erwähnt ihr, dass ihr mit den Winters im Kontakt seid – ist das wirklich wahr? Wann hat wer von euch Kontakt aufgenommen???

Daraufhin antwortete am 06.09.2020 Victoria Jankowicz:

Hi Volly, ja natürlich haben wir Kontakt aufgenommen – konkret Markus vom Kreis Öffentlichkeitsarbeit, um genau zu sein. Soll ich dir die Korrespondenz jetzt als Beweis schicken? *wo ist der irritiert guckende Smiley?* Find das Misstrauen uns gegenüber irgendwie etwas merkwürdig. Gibt es dafür irgendwie einen tieferliegenden Grund? Das würde ich gern
verstehen. Nach einem Termin für ein Treffen mit Joe und Romy wird gerade geschaut,
Joe meinte, er ist flexibel.

Der weitere Kontakt, in dem ich meinen Ansatz, journalistisch nachzufragen und Klarnamen zu veröffentlichen, erläuterte, war dann auf privater Ebene und hat nichts mit dem Fall zu tun. Ich hoffe, dass Kommunikation im Miteinander nicht nur eine Floskel ist, sondern gerade von Trägern, die die Welt ja auch mit einem Konzept – siehe Statement „Wir gründen aber nicht primär für die eigenen Kinder, so klingt es im Artikel bzw. den sozialen Netzwerken ein bisschen, sondern vor allem, um modellhaft neue Wege auszuprobieren und so zu Veränderungen im Regelschul- bzw. Bildungssystem beizutragen. Z.B. wollen wir erproben, wie man Kinder von Anfang an stärker beteiligen kann.“ bereichern wollen, in real praktiziert wird.

Falls es neue Entwicklungen gibt, melde ich mich wieder.

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