Tanner trifft die Fantasy-Autorin und Yogini Amanda Koch: Wer liest denkt selbst!

Abenteuer Fantasy. Abenteuer PopUpStore. Abenteuer D.I.Y.! Wenn soviel Abenteuer zusammenkommt muss der Tanner drin herumwühlen. Und so fördert er natürlich auch so manchen AbenteuerTrüffel zutage. Im Vorfeld der Eröffnung von MALWATANDERES in den Höfen am Brühl zu Leipzig zum Beispiel die fantastische Amanda Koch. Ein Lichtstrahl im Lteraturbetrieb. Mit Tiefgang.

Guten Tag, Amanda. Du trittst Anfang November, genauer am 04.11., in den Höfen am Brühl – deeeeer Einkaufsmeile in der Leipziger Innenstadt – auf. Genauer im PopUpStore MALWATANDERES. Wie kommts?

Der familia Verlag ist Partner des PopUpStore. Zudem befürworten wir eine regionale Zusammenarbeit mit Künstlern, Kunstdesignern und Designern. Einige der Aussteller arbeiten schon eng mit uns zusammen. Nicole Pustelnys Cartoon-Buch „Was man dir vor der Geburt nicht erzählte“ erschien im Verlag und es wird weitere Projekte geben.

Zudem habe ich gerade meinen neuen Roman herausgebracht und der ist nicht nur phantastische Literatur … sondern da steckt viel mehr drin … eben MALWATANDERES in dem Genre.

Amanda Koch ganz hierverwurzelt. Und privat.

Und was liest du da genau?

Ich lese eine Szene aus meinem vierten Roman „Ildathach. Jenseits des Vergessens“. Es ist für mich damit auch in solch einem Rahmen – dem PopUpStore in den Höfen – eine Premiere.

Im Buch geht es ja sehr intensiv zu zum Thema Angst und Sterben. Was hat Dich veranlasst, Dich thematisch dort mit einem Buch einzubringen?

Das ist ein langer Prozess gewesen. Bereits während des Schreibens meiner Wächtertrilogie stellte ich mir Fragen, was Ängste, in dem Falle meine eigenen, eigentlich für eine Bedeutung haben, wie sehr sie mich bestimmen und mich als Mensch ausmachen. Ich wollte das tiefer verstehen. Und so kam ich unweigerlich zur Urangst, die wir wohl alle in uns tragen. Der Angst vor dem Sterben.

Über meine Yogaausbildung veränderte sich meine Perspektive auf bestimmte Fragen im Leben. Das war für mich sehr heilsam. Ich bekam neben dem Verständnis über die körperliche, die geistige und die energetische Ebene mehr und mehr ein Gespür für das Vertrauen, das wir alle ins Leben haben können. Und damit begannen sich auch meine Ängste zu verändern. Je neutraler ich sie betrachtete, hinterfragte und Situationen reflektierte, umso mehr wurde mir ein bestimmtes Muster meiner Reaktionen deutlich. Das half mir mehr über das Funktionieren des menschlichen Geistes zu verstehen und damit auch der Macht von Angst.

Diese Erkenntnisse wollte ich gern über eine Geschichte mitteilen. Denn Sachbücher sind das eine, was dem Leser helfen kann, bewusster und achtsamer zu leben. Doch manchmal brauchen wir als Erwachsene auch einfach nur Geschichten, mit denen wir unser eigenes Leben reflektieren können, um zu uns selbst zu finden.

Ich beschäftige mich viel mit der östlichen Psychologie, dem Buddhismus, der TCM und den alten Schriften, wie dem TAO, und eben auch mit den Mythen der Kelten, weil ich in ihnen unsere Ahnen sehe und sie uns etwas über unsere Wurzeln verraten. Daher möchte ich durch meinen Roman auch den Kreislauf des Lebens wieder in Erinnerung bringen, wenn es um die Frage geht: Was geschieht, wenn wir sterben?

Ich zog einen für mich besonderen keltischen Mythos heran, um die Kraft alter Worte ins Gedächtnis zu rufen. Neben den Religionen können Mythen ebenso eine Quelle auf dem Weg sein, die Wahrheit tief zu spüren. Denn ich glaube, dass all die Religionen, der Buddhismus wie auch die Mythen oder der pagane Glaube, nur eins zum Ziel haben: Uns Menschen zu helfen, das herauszufinden, was im Leben wirklich wichtig ist. Das aber kann uns letztendlich niemand sagen. Das können wir nur fühlen und über bestimmte kulturabhängige Bilder, wie beispielsweise über die Anderswelt oder die Göttin, unseren eigenen Weg finden.

Daher schrieb ich eine Geschichte, in der eine junge Frau mit dem Tod ihrer Mutter umgehen muss, um letztendlich herauszufinden, wer sie wirklich ist.

Dafür hast du ja sogar einen eigenen Verlag gegründet. Den familia Verlag in Leipzig. Wie ist denn da die Ausrichtung? Nur eigene Sachen?

Die Verlagsgründung ging meinem Schreiben voraus. Den familia Verlag gründete ich zusammen mit meinem Mann bereits 2004 und über die Jahre wurde unsere Ausrichtung immer klarer: Es gibt neben den Büchern, Tagebüchern und Ratgebern rund um das Thema Familie auch das Imprint fehu-fantasy. Zuerst veröffentlichten wir nur meine Bücher. Doch dann kamen andere Autoren hinzu. Durch meine eigenen Erfahrungen in der Buchproduktion und als Autorin betreute ich in diesem Jahr intensiv das Debüt unserer Autorin Crissy Catella. Im nächsten Jahr wird es eine weitere Autorin in unserem fehu-Team geben.

Du bist viel in Sachsens Schulen unterwegs – um wie Du sagst: Menschen mit Geschichten stark zu machen. Funktioniert das? Das sächsische Bildungssystem macht Menschen ja nicht unbedingt stark, sondern eher stromlinienförmig – oder sehe ich das zu absolut?

So verallgemeinert kann ich das nicht bestätigen. Mit Sicherheit hat unser sächsisches Bildungssystem eine Reform nötig zum Wohl der Kinder in der Grundschule als auch in den Bildungswegen danach. Für mich als Mutter möchte ich gern den Weg unterstützen, dass unsere Kinder selbstbewusst heranwachsen und da gehört für mich das selbstbestimmte Denken dazu. Das bestärkt mich immer wieder aufs Neue, die Kinder und Jugendlichen zum Lesen zu animieren. Denn im Lesen liegt eine Kraft, die sie wirklich stark machen kann. Sie beginnen zu denken, zu hinterfragen und finden dabei etwas über sich heraus. Wir haben in Leipzig am Haus der ehemaligen LKG dahingehend einen der besten Sprüche: Wer liest, versteht die Welt und denkt selbst.

Zudem ist die mediale Verführung so immens groß. All die verschiedenen Spiele und auch die Macht der Social Media haben für mich ein riesiges Abhängigkeitspotential. Darin verlieren sich die Jugendlichen selbst. Sie reagieren nur auf das, was von außen auf sie einströmt und verlernen dabei auch das eigenständige Denken oder gar die Fähigkeit der Selbstreflexion. Daher bin ich so aktiv und versuche, die Kinder und Jugendlichen zurück zum Lesen zu bringen.

Wirds im MALWATANDERES auch Bücher von Dir über die Weihnachtszeit hinweg zu kaufen geben?

Ja. Als Besonderheit können Leser im Laden signierte Bücher kaufen sowie auch den zum Buch gehörigen Schmuck und noch viele Dinge, die es zu den Büchern gibt.

Zum Buch ILDATHACH gibt es auch ein Schmuckstück zu kaufen, eine Phiole. Machst Du die selber??? Funktioniert das betriebswirtschaftlich?

Den Schmuck mache ich nicht selbst. Das übersteigt mein Können. Ich fand in Thüringen eine wunderbare Künstlerin, die Étaíns Phiole eine Gestalt gab. Katharina Fairytale.

Du bist verheiratet und hast drei Kinder. Dazu bist Du Verlegerin und Vorleserin, Schreiberin und Selbstvermarkterin. Wie machst Du das zeitlich?

Mittlerweile habe ich ein tolles Team um mich herum. Zudem geht wirklich nicht alles gleichzeitig. In den Phasen des Schreibens ziehe ich mich immer zurück. Da brauche ich meine Wochen, in denen es neben der Familie nichts anderes gibt. Sonst würde ich die Tiefgründigkeit meiner Bücher nicht umsetzen können. Auch plane ich die Lesungen und Besuche in den Schulen immer so, dass sie zu den Phasen des Schreibens passen. Und nach jeder Neuerscheinung nehme ich mir Zeit für das Buch, damit es zu seinen Lesern findet.

Ist Fantasy eigentlich immernoch obenauf? Ich bin ja irgendwie in der SF hängengeblieben – und war dann eher von all den Gnomen und Vampiren abgeschreckt. Würdest Du auch noch Fantasy schreiben, wenn sich kein Käufermensch mehr dafür interessiert?

Die Phantastik erlebt auch Höhen und Tiefen. Die Wächter von Avalon sind High und Contemporary Fantasy. Ildathach zählt für mich zur phantastischen Literatur. Ich habe absichtlich dieses Genre gewählt, da ich auf diese Weise die Grenzen der physischen Welt am leichtesten überschreiten kann, ohne dass die Protagonistin in ihren Fähigkeiten als unnormal gilt. Zudem fasziniert mich das Bild der Anderswelt seit meiner Jugend und hat sich auch im Laufe der Jahre in meinem Verständnis gewandelt. Gerade mit der Anderswelt aus den keltischen Mythen und der Vorstellung von Avalon haben wir Bilder vor Augen, um die eigene Betrachtungsperspektive auf das Leben zu verändern. Sie verhelfen zu mehr Bewusstsein und lassen uns einen Blick in das höhere Bewusstsein gewähren. Doch nicht nur das. Durch das Bild der Göttin ist es uns möglich, die Sichtweise aus dem patriarchalischen Denken zu verändern und das kann sehr heilsam sein.

Ich schreibe, weil ich dem Leser zu mehr Bewusstsein und Vertrauen ins Leben verhelfen möchte, ich zeige ihm Wege, wie er das Leben hinterfragen kann und verpacke all die Themen in Geschichten. Mit diesen Themen werden sich Menschen immer beschäftigen.

Ich freue mich auf unseren Auftritt. Danke für die Antworten.

MALWATANDERES im Netz:

https://malwatanderes.jimdo.com/

Amanda Koch im Netz:

http://www.amandakoch.de/

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter KÜNSTLERINTERVIEWS, Portrait abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s