Tanner trifft Martin Hurttig zum Thema 10. Jahre Leipziger Gitarrenclub e.V.: Von Klassik und Moderne bis hin zur zeitgenössischen Musik.

Tanner trifft den Martin Hurttig hin und wieder, schließlich sind beider Töchter kleine Schauspielerinnen. Bei der KAOS-Kulturwerkstatt. Und so kommt man ins Gespräch und plaudert und schnatter und erfährt Hochinteressantes aus der Lebenswelt des jeweils Anderen. So zum Beispiel, was der Martin da mit dem Leipziger Gitarrenclub e.V. macht:

Guten Tag, Martin Hurttig. Wenn ich auf die Homepage vom Leipziger Gitarrenclub e.V. gehe und dort auf die Adresse schaue, sehe ich, dass dessen Adresse mit Deiner privaten Adresse korespondiert. Heißt das: Du bist der Leipziger Gitarrenclub e.V.? Erzähl mal bitte wer da alles dabei ist und was Du da für eine Rolle spielst – außer Adressgeber …

Oh, glücklicherweise bin ich nicht alleine. Wir sind eine Handvoll Enthusiasten, meist Gitarristen, die versuchen, das kulturelle Leben im Bereich der klassischen Gitarre hier in Leipzig zu bereichern. Ich war nur mal wieder zu langsam bei der Aufgabenverteilung und habe deshalb irgendwann den Vorsitz zugewiesen bekommen. Einer muss ja seine Adresse für die GEMA-Rechnungen hergeben.

Martin Hurttig, der Mann mit dem Vorsitz. c/o MH PR/ Leipziger Gitarrenclub e.V.

2017 ist das zehnte Jahr Eures Bestehens. Glückwunsch. Applaus und Blumen! Dazu findet am 30.09.2017 die „Lange Gitarrennacht im Grassi“ statt – mit Musik rund um Bach. Was bekommt der interessierte Mitmensch denn da geboten?

Vor zehn Jahren hat der Leipziger Gitarrist Martin Steuber angefangen, diese Konzertreihe zu organisieren. Anfangs unregelmäßig im Saal der Stadtbibliothek, später dann im Grassi. Allein ist so etwas auf die Dauer aber nicht zu bewältigen, deshalb haben wir uns 2012 im Verein: dem Leipziger Gitarrenclub, verbündet. Zum einen, um damit bessere Förderung zu erhalten, zum anderen natürlich, um die Aufgaben auf mehr Schultern verteilen zu können.
Die Organisation der „Langen Gitarrennacht“ hat diesmal der Franz Hartmann übernommen, den ihr auch mit seinem Gitarrenquartett hören werdet. Den Schwerpunkt wollten wir diesmal auf unseren guten alten Bach setzen, um den man – aus gutem Grund – einfach nicht herum kommt.
Unser Mitglied und Professor für Gitarre in Halle, Andrzej Mokry, spielt eine Bearbeitung für Gitarren-Solo der ersten Bachschen Violinensonate. Der Lautenist Christoph Sommer spielt Musik aus der Zeit von Bach auf historischen Instrumenten. Ich selbst werde eine kleine Führung im Museum geben und etwas zu den ausgestellten Zupfinstrumenten sagen.
Dann gibt es besagtes Konzert des Leipziger Gitarrenquartetts mit Werken von Schein, Bach, Mendelssohn und am Ende freuen wir uns über Malte Vief auf der Bühne, der mit seinen Heavy Classics ein Erlebnis sein wird.
Alles im Allem also ein dickes Programm und hoffentlich auch ein bisschen Platz für ein Schätzchen. Ich freue mich schon sehr!

Und was kostet das den Besuchermenschen? Gibts auch Förderung aus städtischen Kassen für Eure ehrenamtliche Arbeit?

Von Anfang an war uns der Nachwuchs ein Anliegen, deshalb bekommen jungen Menschen bei uns, bis 16 Jahre, eine Freikarte. Die regulären Karten liegen bei 10 Euro, ermäßigte für Studenten und Leipzigpass etc. 8 Euro. Wir bekommen eine gute Förderung von der Stadt und haben ein paar kleine private Sponsoren, die uns das alles ermöglichen. Trotz allem ist das natürlich alles auf Kante genäht.

Am 22.10. kommt dann Ricardo Gallen und am 26.11. das Duo Wollny/Burkert – jippie: mit meinem ganz persönlichen Menschenstar Michael Wollny. Kannst Du dem Leservolk etwas über die Auftretenden erzählen? Ist ja nicht jeder so firm wie Du.

Das Tolle im Verein ist ja, dass die Leute selbst auch gut vernetzt sind und wir deshalb an so schöne Konzerte kommen. Ricardo Gallen ist Professor in Weimar und hat sich in den letzten Jahren einen Namen mit echten Referenzaufnahmen von Bacheinspielungen auf der Gitarre gemacht. Das wird ein Erlebnis, so etwas mal hautnah zu erleben.
Das Konzert mit Bertram Burkert und Michael Wollny kam auch über Kontakte zum Gitarristen zu Stande und soweit wie ich es mitbekommen habe waren die beiden ganz angetan von dem Cembalo im Saal und wollen nun damit ein Programm gestalten.

Was ist denn eigentlich Eure Ausrichtung beim Leipziger Gitarrenclub e.V.? Dass es um Gitarren geht ist mir schon klar – aber es gibt ja auch Lauten zum Beispiel. Was wollt Ihr?

Die zentrale Aufgabe ist es, eine hochwertige Konzertreihe mit Musik der klassischen Gitarre anzubieten. Wie versuchen dabei, dass breite Spektrum abzubilden. Von Klassik und Moderne bis hin zu zeitgenössischer Musik. Dazu gehören natürlich auch die Ursprünge der Gitarre, die in ihrer jetzigen Form erst Mitte des 19. Jahrhunderts entstand. Viel Musik, die auf der Gitarre gespielt wird, ist älter als diese und wurde ursprünglich für andere Instrumente komponiert. Dies hör- und erlebbar zu machen, ist Aufgabe der historischen Musikpraxis auf z.B. Laute, Theorbe oder Barockgitarre.

Braucht Ihr irgendetwas oder genügt Ihr Euch und Euch das Umfeld? Wie können Menschen guten Willens Eure arbeit unterstützen?

Also, das Einfachste und Schönste ist, einfach zu unseren Konzerten zu kommen. Schickt uns eine Mail, damit Ihr auf den Verteiler kommt und nichts verpasst und genießt die wunderbare Musik! Außerdem freuen wir uns über Menschen, die bei uns mitmachen wollen, neue Impulse und Anregungen geben und bei der Gestaltung des Kulturlebens mit dabei seien wollen. Wer sein geerbtes oder sonstwie ergaunertes Geld loswerden will, kann uns auch gerne sponsorn. Wir würden den Musikern gerne mehr Gage zahlen, die oft weit zu uns anreisen.

Die Konzerte finden im Museum für Musikinstrumente im Grassi statt. Ist das ein guter Veranstaltungsort? Stelle ich mir etwas clean vor! Geht die Akustik? Was ist das für ein Raum?

Na, ich glaube, da hast Du eine falsche Vorstellung. Der Zimeliensaal im Grassi ist ein wunderbarer Saal und hat eine wirklich erstaunlich gute Akustik. Die beste, die ich für unsere Zwecke kenne. Außerdem ist das Ambiente im Musikinstrumentenmuseum natürlich wie gemacht für uns.

Als Selbständiger, der Du ja beruflich bist, ist man zeitlich meist sehr eingespannt, dazu noch Dein Ehrenamt – wie organisierst Du da Familie, Frau und Deine zwei Kinder?

Na, solange der Familienrat mitmacht. Tatsächlich überlegen wir, die Anzahl der Konzerte im nächsten Jahr zu reduzieren, um die Freude an der Sache zu behalten. Sechs Konzerte im Jahr, abzüglich der Ferienzeit im Sommer und Winter, ist eine ganze Menge; da wird die Vor- und Nachbereitung mit allem was so dranhängt schon zum Dauerlauf. Also ganz im Zeitgeschmack: „Downsizing für eine bessere Work-Live-Balance!“

Danke für die Antworten, Martin. Und weiterso!

Vielen Dank Volly und Dito!

http://www.leipziger-gitarrenkonzerte.de/LGCverein.html

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