Tanner trifft die Kinderbuchautorin Daniela Vanreusel: Die Natur gibt uns alles!

Wenn kleine Geschichte beginnen, ihr Eigenleben zu führen, ist der Vorhang zur großen Literatur durchlässiger geworden. Andernorts prosten gehypte Autoren in Kameras, doch berühren kaum noch, da seit dem ersten Wälzer immer nur noch Wiederholung angesagt ist, weil der Markt das ja augenscheinlich so will. Doch wie sagte mein guter Freund Shevek Walden immer so gern: „Auf den Markt ist geschissen!“

Daniela Vanreusel jedenfalls erzählt Geschichten und schafft es, damit wirklich zu berühren. Was selten ist bei all der Konformität des Literaturbetriebs. Deshalb ist es zwingend notwendig, von ihr und ihrem Buch zu erzählen:

Das ist aber schön, Dich, Daniela Vanreusel, mal zu interviewen. Du hast ja ein wundervolles Kinderbuch geschrieben und gezeichnet. Es handelt von zwei kleinen Koalabären, die ihren Eukalyptusbaum retten wollen. Sind Eukalyptusbäume denn gefährdet? Wenn ich hier unten bei dm Eukalyptusbonbons kaufen will, sind da immer Berge von Tüten.

Eukalyptusbäume direkt sind nicht gefährdet. Aber die sogenannten fliegenden Füchse stellen in Australien mancherorts eine Plage dar, da sie Bäume jeder Art „kahlrasieren“.

In der Thüringer Allgemeinen las ich, dass Australien Dein Sehnsuchtsort sei. Wie hat sich das denn entwickelt? Und was ist an Australien so besonders?

Gute Frage, lange Geschichte: Die Tante meines Opas ist in den 1950ern nach Australien ausgewandert. Meine Urgroßeltern mit meinem Opa waren nach dem zweiten Weltkrieg Flüchtlinge und sind in der Nähe von Oschatz in dem 96-Seelendorf Nebitzschen sesshaft geworden. Nun kam die Tante aus Australien zu Besuch und scherzte mit meiner – damals etwa sechsjährigen Mama: „Ich nehm Dich mit, dann kannst Du dieses tolle Land sehen.“ Meine Mutter ließ sich sogar ihre Zöpfe abschneiden, weil in Australien gerade der Kurzhaarschnitt in war. Als die Tante dann wieder wegfuhr, konnte sie meine Mutter natürlich nicht mitnehmen, da DDR-Bürgern der Weg ins freie Ausland verwehrt war. Meine Mutter hat damals die wahren Gründe nicht verstanden und war sehr enttäuscht. Das hat sie uns manchmal als Gute-Nacht-Geschichte erzählt. Ich saß dann als Teenager im Geografie-Unterricht, habe mir die Weltkarte angeschaut und gedacht: Da will ich mal hin, da darf ich nicht hin… Da darf ich hin, da will ich aber nicht hin… Ja, so ist die Sehnsucht nach Australien entstanden.

2007 habe ich es dann endlich geschafft, dieses Land zu bereisen und bin noch mehr begeistert. Die Leute sind sehr menschlich, meist nicht oberflächlich, humorvoll. Der Gedanke auszuwandern war selbst letztes Jahr noch aktuell. Mein Mann und ich haben uns nunmehr aber aufgrund des Gesundheitszustand meiner Schwiegereltern (vorerst) dagegen entschieden.

Das Buch heißt „Euko und die fliegenden Füchse“. Fliegende Füchse? Richtig so durch die Luft? Was sind dies denn für Fabelwesen?

Die Natur gibt uns alles, was wir für Technik und Fantasie brauchen! Das sind Flughunde, die zur gleichen Ordnung wie die Fledermäuse gehören. Also coole Riesenfledermäuse, die auf Latein auch teilweise Vampyrus heißen! Huh: Vampire, die Früchte mögen … und noch total niedlich aussehen.

Daniela Vanreusel. Sympathie ohne Stardruck. Literatur von Herzen.

Elisa Carow und ihr Carow-Verlag sind die Möglichmacher hinter „Euko und die fliegenden Füchse“. Wie kam es zur Zusammenarbeit? Und wie ist diese so?

Ich habe Manuskriptauszüge an fast 30 Verlage geschickt. Ein netter Verlag hat mir konkrete Weiterempfehlungen gegeben, weil das Buch nicht in ihr Programm passte. Eine Weiterempfehlung waren die Carows. Und ich bin froh, sie zu haben… Sehr enge Zusammenarbeit und ich hoffe, dass wir uns gegenseitig beflügeln!

Ich gehe einfach mal – aus Erfahrung – davon aus, dass Du nicht vom Kinderbücherschreiben lebst. Was machst Du denn beruflich?

Ooch, soll ich wirklich sagen, dass ich Lehrerin bin? Okay, nicht nur: auch noch Mutter, Familienmanagerin und Hausverwalterin. Eigentlich wollte ich nie Lehrer werden. Ich dachte immer, ey, die meisten Lehrer kommen über die normale Schulreife nicht hinaus. Auf der anderen Seite profitieren Schüler aber von einem guten Lehrer immens. Ich habe in Bayreuth BWL mit Schwerpunkt Steuerrecht studiert, danach bei einer großen Steuerberatung in München gearbeitet, hatte dann aber von Gesetzen, deren Auslegung und dem Büroalltag die Nase voll. Habe gekündigt, bin nach England gegangen, Praktika in Architektur und Marketing absolviert und danach einen Quereinstieg ins Referendariat zur Berufsschullehrerin in Heidelberg gewagt. Da bin ich jetzt, unterrichte hauptsächlich Steuerfachangestellte und muss mich doch noch im Steuerrecht weiterbilden. Das Schöne am Ganzen ist aber die Kombination von Schule und Beruf. Die Nähe zur Wirtschaft ist enorm und man schwebt nicht in irgendwelchen Sphären.

Und wieso Kinderbuch? Mit Krimi oder pubertierender Sado-Maso-Schwülstigkeit ist doch weit mehr Butter aufs Brötchen zu holen.

Ist es das? Vielleicht sollte ich dann meine Idee über einen toten Finanzbeamten beim Ankauf einer Steuer-CD als Krimi verfolgen …

Das lag hauptsächlich an der Idee des Illustrierens. Ich wollte illustrieren und habe gemerkt, dass ohne Story nichts aus dem Stift kommt. Also habe ich vorher eine Story geschrieben.

Gibt es schon ein neues Buch in der Pipeline?

Euko Band 2 ist vorgeschrieben, für Band 3 steht bereits der rote Faden.

Ich bin ja hier in Leipzig lebhaft – und unser ZOO ist ja hier der dicke Player, wenns um Tiere geht. Gehört da nicht Dein Buch in die vorderste Linie im ZOO-Shop? Schon mal darüber sinniert?

Absolut! Der Zoo Leipzig ist großartig, und vor allem hat er als einer von nur drei Zoos in Deutschland Koalas. Näher an Australien kann man kaum sein. Und mit einem „Euko und die fliegenden Füchse“ nehmen sich Eltern und Kinder ein Stück mit nach Hause.

http://euko.carow-verlag.de/autor.html

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