Tanner trifft den Volle-Rolle-Herren Nils Maushake: Ehrliches Handwerk eben!

Wirklich wichtig im Leben der Menschen sind Lebensmittel, besonders zur Lebensmitte hin. Da sollte nicht mehr jeder Unsinn in sich hineingestopft werden, da sollte mensch auch wissen, was es ist, was da – und warum – so lecker schmeckt. So kam es, dass Tanner und Maushake ins Plaudern kamen:

Guten Tag, Nils Maushake. Was für ein Nachname!!! Du bist der Herr der „Volle(n) Rolle“ und ich durfte schon des öfteren Deine Dienste in Anspruch nehmen. Nun arbeitet ja – wenn ich richtig informiert bin – die Helheim-Alex hin und wieder bei Dir. Was ist das denn eigentlich, diese Volle Rolle? Ich weiß es ja – aber Frau Schildroth von gegenüber….. Erzähl mal bitte, was Du da rollen lässt.

Grüß Dich, Volly… sag mal der Frau Schildroth von gegenüber nen schönen Gruß. Wir rollen hier eigentlich alles ein, was geht. Da sind wir relativ schmerzfrei. Ob mit Fleisch, vegetarisch oder vegan, bis jetzt haben wir jeden satt bekommen. Unser Konzept ist, der Gast sagt uns auf was er Bock hat und nicht andersrum. Geschmäcker sind extrem verschieden und eh der Kunde den Wrap auseinander pflückt, weil etwas drin ist was er nicht mag, darf er selbst entscheiden was eingerollt wird. Im Baukastensystem eben. Und keine Angst: für Entscheidungsneurotiker gibt es sieben vorkreierte Wraps. Bei uns werden die Teige, Saucen und Marinaden selbst produziert. Alles ohne Geschmacksverstärker, Konservierungsstoffe und was sonst noch leider viel zu oft in unseren Lebensmitteln alles drin ist. Ein ehrliches Handwerk eben. Sonst gibt es noch eine kleine Auswahl an süßen Crepes und lecker Kaffee aus der Privatrösterei Albert.

Ganz bestimmt kein TV-Star – aber ein Gastronom mit Herz: Nils!

Du bist schon eine Weile im Leipziger Westen am rollen…fast schon Urgestein. Seit wann eigentlich?

Urgestein… gefällt mir. Wir haben Anfang Mai 2011 eröffnet. Ein genaues Datum gibt es eigentlich nicht, da kriegsentscheidendes Mobiliar nicht rechtzeitig geliefert wurde. Wir haben dann irgendwann wochenmittig so ne Art offenes Probekochen zelebriert. Ging natürlich dabei alles drunter und drüber, aber normal kann ja jeder, gelle.

Wie nimmst Du die Entwicklung im Stadtteil wahr?

Ich finde die Entwicklung in diesem Stadtteil ist sehr dynamisch und geht recht schnell vonstatten. Veränderungen sind wichtig. Sie sind ein gr0ßer Bestandteil unseres Seins. Aber gesundes Wachstum braucht immer ausreichend Zeit. Die einem leider oft nicht mehr gegeben wird. Ich versuche mich nicht zwingend anzupassen. Möchte die für mich und meinem Unternehmen passende Wachstumsgeschwindigkeit finden. Ich möchte in der ganzen Hektik auch mal still stehen dürfen, um den Status quo zu genießen und einfach zu leben.

Geht Dein Konzept auf oder ist es sehr eng gestrickt? Manche Selbständige sind ja eher Selbstausbeuter.

Naja sagen wir mal so, nach nun mehr fast sechs Jahren kann ich schon deutlich ruhiger schlafen. Aber ja, es ist eng gestrickt. Ich habe die letzten sechs Jahre viel Lebenszeit investiert um die Volle Rolle am Leben zu erhalten. Ich habe im Schnitt mindestens 60 Stunden jede Woche gearbeitet, um alle Kosten abzudecken. Ich möchte meinen Angestellten einen geilen Arbeitsplatz mit einem fairen (was in der Gastro fast nicht möglich ist) Gehalt bieten. Mit ihnen steht und fällt schließlich meine Firma und ich verbringe mit die meiste Lebenszeit mit ihnen. Aber trotz all der schlaflosen Nächte, ich will genau dies. Denn das ist mein Leben. Und sind wir doch mal ehrlich… Leipzig braucht Wraps!

Wie bist Du eigentlich darauf gekommen, Dich im Menschenspeisen zu tummeln?

Ach naja, bin da halt so reingerutscht. Ne Spaß, ich bin seit nun mehr 17 Jahren in der Gastro tätig. Angefangen habe ich mit 16 Jahren eine Lehre als Einzelhandelskaufmann bei einer großen „Kette“. Bin dann firmenintern 12 Jahre in etlichen Filialen & Städten zugange gewesen, um mich auszuprobieren und weiter zu entwickeln. War ne coole Zeit, die ich im Nachgang nicht missen möchte. Nach den 12 Jahren stellte sich bei mir die Frage… war´s das jetzt? Ich hing ein wenig plan- und lustlos in der Luft. Um keinen Blödsinn anzustellen „hehe“ drückte ich nochmal die Schulbank. Betriebswirt hamse gesagt… Nun gut, gesagt getan. Während des eifrigen Strebens nach Wissen, kam mir der Gedanke „ Junge mach was Eigenes“… Knapp ein Jahr später, tata – hier ist die „Volle Rolle“.

Was gibt es denn für Specials bei Dir??? Und wo sind die Grundstoffe für die Wraps her?

Aktuell beziehe ich meine Grundstoffe meist aus dem Großhandel. Ich möchte aber noch deutlich regionaler werden. So möchte ich mein Gemüse, natürlich saisonal bedingt, zukünftig aus dem Leipziger Umland beziehen. Ebenso bin ich bei meinem Fleisch auf der Suche nach einem geeigneten regionalem Partner. Bei den Getränken klappt das schon sehr gut. Ca. 80% beziehe ich vom Tilo (Eggenberger Lebensmittel) aus dem Westwerk. Meine Specials, wenn man die denn so nennen darf, sind meine MiniWraps, sozusagen Fingerfood. Ich beliefere damit große und kleine Firmen, für Meetings, Feiern, Urlaubsrunden usw. Natürlich auch im privatem Bereich.

2017 ist das Jahr, in dem ja auch gesellschaftspolitisch Bewegung eintreten wird. Hoffentlich zum Guten. Hast Du Erfahrungen im Stadtteil machen müssen, die Dich auch mal ans Aufhören haben denken lassen? Und wenn ja, warum hast Du dann doch nicht aufgesteckt?

Ich habe nicht nur einmal mit dem Gedanken spielen müssen. Was aber nicht zwingend etwas mit Plagwitz zu tun hat. Auf der einen Seite stand da natürlich die Finanzierung anfangs meiner Firma. Da es leider möglich ist, sich ohne Qualifizierung und ohne Berufserfahrung in der Gastronomie selbständig zu machen, und daraus resultierend es sehr viele in den letzten Jahren versucht haben (Dabei möchte ich auf keinen Fall jemand direkt kritisieren!), ist dieser Berufssektor bei den Kreditgebern als Risikobranche deklariert. Was leider manch gutes Konzept schon im Keim erstickt. Bei mir war es anfangs nicht anders, aber dank der Unterstützung des EGZ-Leipzigs und meinen persönlichen Referenzen wurde mir der Kredit bewilligt. Des weiteren muss ich mit Sorge die stetig steigenden Kosten sehen. Wareneinsatz, Mieten, Energiekosten… Ich habe mir angewöhnt, meine Preiserhöhungen nicht „versteckt“ umzusetzen, sondern habe es immer transparent und ehrlich erklärt. Damit bin ich bis jetzt sehr gut gefahren, und manch Gast, der vorab mit der Stirn runzelte, gab mir nach der Erklärung recht und kam weiter wie gewohnt zum Rollenschlämmen.

Und wie ist das familiär bei Dir? Bei Deinem Zeitpensum ist doch Kind&Kegelin schwierig. Erzähl mal bitte.

Ach Volly… familiär ist das recht einfach. Ich bin frei. Und das ist eigentlich auch ganz gut so. Ich glaube, dass aktuell kein Platz neben mir ist. Und dank meines jetzigen Freizeitmangels der Stress sowieso vorprogrammiert wäre. Doch halt, meine zwei flauschigen Büchsen (Katzen) warten zu hause… aber die verpennen eh den halben Tag und sind mir nicht böse, wenn es mal wieder etwas länger geht.

Dann wünsche ich Dir möglichst viele Zufriedene. Kochmütze auf!

http://www.volle-rolle.de/

Zschochersche Straße 47; Leipzig

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