Tanner trifft Tarcy Mirinda, die Frontfrau von The Heroine Whores: Im Underground brodelt es weiter.

Grungopalooza? Da war doch mal was! Fast schon legendär, weil völlig independent, hatte sich dieses kleine Festival in Leipzigs Untergrundbewusstsein gebohrt. Doch dann war auf einmal Ende Gelände, Baby. Warum es jetzt wieder Zeit ist für Underground & Grunge erzählt Tarcy, Tanners gute Freundin. Immer nur glatt und hochglanz kann nämlich ganz schön langweilig sein:

Besten Tag, Tarcy Mirinda. Du bist ja nicht nur die Frau vorne bei The Heroine Whores sondern auch die Frau hinterm Dritten Grungopalooza auf Erden. Was ist das denn, dieses Grungopalooza?

Das Grungopalooza ist ein Leipziger Festival, um Grungebands aus ganz Deutschland zu vereinen. Aber auch internationale Künstler sind mit im Programm vertreten, z.B. beim letzten Mal hatten wir sogar eine Band aus Australien, Valentiine. Das Grungopalooza soll daran erinnern, dass Grunge eben nicht tot ist, sondern immer noch viele Bands diesem Genre nachgehen und an eine Community glauben, die in der jüngeren Generation weiterlebt. Wie auch schon in den 90ern klingt hierbei jede Grungebands auf ihre eigene Weise individuell und faszinierend.

Das THW-Kernteam beim Widerstand üben.

Das THW-Kernteam beim Widerstand üben.

Und warum jetzt wieder? Nach dem zweiten Grungopalooza war ja erst einmal Stille. Wars wirklich so still? Was geschah zwischen damals und heute?

Das zweite Grungopalooza ist wirklich schon eine Weile her, 2013. Damals lösten sich viele Underground Grungebands auf und es war ein gewisses Zerfallen der Community bemerkbar, jede Band versuchte für sich, neue Wege zu finden, viele Bandmitgliederwechsel fanden statt usw. – die Künstler in den Bands entwickelten sich weiter, musikalisch und auch privat. Dennoch war es, wie es auch beim Grungopalooza ist, im Untergrund brodelte es weiter, Kontakte wurden gehalten, neue kamen hinzu und nun ist die Zeit wieder reif, der Welt die Grungebands 2017 zu präsentieren. Viele Grungebands entstehen nunmehr wieder, nehmen neue CDs auf und spielen wieder mehr Konzerte.

Und wer ist alles mit im Boot am 28.04.? Und wo findet es diesmal statt?

Das Grungopalooza 3 findet, wie auch 2013, im Bandhaus Leipzig der Bandcommunity Leipzig e.V. statt. Als wir das erste Grungopalooza aufstellten, waren wir der Meinung, die Location müsse jedes Jahr wechseln. Jedoch haben wir mit dem Bandhaus eine solch grandiose Location gefunden, dass wir sie nicht mehr missen wollen. Wir haben bereits einige Konzerte mit den Heroine Whores im Bandhaus bestritten – an dieser Stelle möchte ich Katja für ihr Engagement und ihr Vertrauen, welches sie über die Jahre in uns gesetzt hat, danken. Dieses Jahr spielen wir wieder mit den Heroine Whores, hinzu kommen die Drunken Hippies aus Berlin, mit denen wir schon seit Jahren befreundet sind, dann die Newcomer-Grungeband „Drecksch“ aus Leipzig und Cabin Fever aus Bayern. Es wird zudem, wie jedes Jahr, einen Special-Act geben, diesmal sind es die Southside and the Dangelidangdongs aus Leipzig.

Bei THW ist ja auch jedesmal, wenn ich Dich interviewe ein neues Line Up zu bestaunen. Wer macht denn heuer mit?

Das stimmt (lacht). Auch im Moment sind wir wieder in einer Umbruchphase. In den letzten anderthalb Jahren waren wir zu viert, bestehend aus zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug. Nun ist es wieder an der Zeit, back zu den Roots zurückzukehren. Martin spielt weiterhin Schlagzeug und ich schlage mich wieder allein an der Front durch, also Gitarre, Bass und Gesang. Bereits 2012 bis 2013 waren wir zu zweit am Start, haben eine Deutschlandtour zu zweit bestritten – wir denken einfach, dass es auch diesmal am besten funktionieren wird. Immerhin spielen wir seit 8 Jahren gemeinsam bei den Heroine Whores als Gründungsmitglieder und vertrauen uns blind.

Und diese WRACKSPURTS? Erzähl mal bitte, was machst Du denn da mit?

Bei den Wrackspurts, einer all-woman Band aus Leipzig, spiele ich seit August 2014 mit. Am Anfang spielte ich zweite Gitarre, nachdem jedoch unsere damalige Bassistin ausgestiegen ist, übernahm ich ihren Part an Bass und beim Backgroundgesang. Mittlerweile sind wir wieder zu viert unterwegs, doch den Basspart habe ich beibehalten, einfach weil es so viel Spaß macht, Bass zu spielen und mal ausnahmsweise nicht im Vordergrund zu stehen zu müssen, sondern im Hintergrund abgehen zu können. Das genieße ich so sehr, dass ich auch noch bei einer weiteren Band Bass spiele und zwar bei Die Unicorn Verschwörung aus Dresden.

Mit den THW warst Du auch in Amerika, richtig auf den Spuren der Grungeheroinen. Wie war es denn? Abgefuckt?


Genau, wir waren zu zweit in den USA und Ben Berg, der 2012 einige Shows unserer Deutschlandtour mitspielte, kam wieder hinzu und spielte Bass bei den Shows, unterstützte uns bei der Equipmentfrage und zeigte uns natürlich die Gegend. Er und sein Kumpel Mitch waren früher Mitglieder der Grungeszene, sind mit allen „alten“ Grungebands befreundet, z.B. mit Mudhoney, den Melvins und kannten auch Nirvana persönlich. Es wurden uns Orte gezeigt, die sonst den Touristen nicht zugänglich oder geläufig sind, wir lernten die Mythen und die Wahrheiten dahinter kennen, besuchten einige Städte, die für den Grunge bedeutend waren. Zudem trafen wir z.B. Aaron Burckhardt, den ersten Drummer von Nirvana, in Olympia, als wir dort spielten. Er ist ein cooler Typ und Heroine Whores Fan (lacht). Die Bands, mit denen wir gespielt haben, waren unglaublich cool und vor allem in Olympia und Seattle sind noch viele Spuren des Grunge zu entdecken – ein Traum für uns ist in Erfüllung gegangen, endlich die Gegend zu sehen und wir hoffen, bald wieder dort auf Tour gehen zu können, vermutlich 2018.

Grunge hat ja auch bei Euch eine politische Komponente. Gegen was rebelliert ihr denn so? Und ist Musik überhaupt noch ein Ventil für Rebellion?


Die Rebellion gegen die Abgestumpftheit des Lebens und prüde Stereotypen geht weiter, musikalisch als auch privat. Musik ist ein Ventil für den Ärger und die Wut die sich angestaut hat und bei der man bei diesen Unmengen gar nicht weiß, wohin damit. Die Dummheit, die uns jeden Tag umströmt, muss bekämpft werden, Kunst muss am Leben erhalten und unterstützt werden. Es ist ein täglicher Kampf gegen Ohnmacht, gegen Fremdenhass, gegen Homophobie, gegen Sexismus. Obwohl wir alle älter geworden sind und manche schon die magische Grenze von 27 überschritten haben, gehören wir denen an, die noch etwas fühlen. Vernetzt euch gegen den Mainstream, alle kleinen Bands da draußen, wir können ein Netzwerk schaffen, in dem wir leben können ohne uns in diese Welt von Popmusik und Gleichschalterei reinziehen lassen zu müssen.

Und gibt es mal ne neue Platte?

Die neue Platte ist in Arbeit und wird dich umhauen! Geplant ist auch eine kleine Tour im Sommer mit I´m A Sloth, den neuen Grungeheros aus Wien!

Danke Tarcy für Deine Antworten. Wir sehen uns beim Fest.

THE HEROINE WHORES – Future Youth (Video)

https://www.youtube.com/watch?v=d-7tcyd7p08

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