Tanner trifft die Comickünstlerin & -publizistin Anja Wilde: Unterhalten und Spaß machen.

Anja Wilde – künstlerbenamt ALI – lebt in Leipzig und zeichnet und erfindet Geschichten und Bilder. Tanner hakte sich bei ihr ein und wühlte in ihrer Box:

Hallo Anja Wilde. Wir kennen uns ja schon echt ein paar Jährchen. Deshalb ist es dringend notwendig, mal zu schnattern. Du hast ja gerade ein gar feines Heftchen auf den Comicmarkt gewedelt: „DIE KLEINE COMICWÜHLBOX – Ali mistet aus!“ Was gibt es denn zu wühlen?

Oh ja, lieber Volly, wir müssen reden. (lach) „DIE KLEINE COMICWÜHLBOX – Ali mistet aus“ habe ich bereits vor 4 Jahren unters Comicvolk gebracht. In diesem Jahr gab es zum Comicgarten Leipzig die Fortsetzung: „DIE KLEINE COMICWÜHLBOX TEIL II – Ali fliegt durch Raum und Zeit“. Gewühlt werden darf in Kurzcomics und Cartoons, die ich in den letzten Jahren gestaltet habe. Das Spektrum reicht von ganz privaten Sachen, wie zum Beispiel den Minileporello-Comics für meine Mutti und meine Freundin, über erste Skizzen und Seiten zu einem Mathematik- bzw. einem Ferienlagercomic bis hin zu bereits veröffentlichten Geschichten, wie etwa der (inoffiziellen) 400. Folge von „Fix und Fax“. Versehen habe ich jede Seite mit kurzen Erklärungen, kleinen Anekdoten oder launigen Gedanken, um dem Leser das Wie, Weshalb und Wofür meiner Arbeiten näher zu bringen.

Summa summarum ergibt das ein 36seitiges buntes Potpourri mit Schlüsselloch-Charme, das vor allem eines soll: Unterhalten und Spaß machen.

Ali - Anja Wilde - mit ihrer Wühlbox & Dingen aus Gummi

Ali – Anja Wilde – mit ihrer Wühlbox & Dingen aus Gummi

Comic scheint endlich wieder im D.I.Y.-Bereich angekommen zu sein. Nach Hype und DauerMARVELvermarktung endlich wieder Indie. Wo siehst Du denn die schwarze Kunst derzeit?

Ach was?! Gehört der Comic jetzt schon zu den schwarzen Künsten? Wie cool! Seit Batman, oder?

Wie dem auch sei und ganz im Ernst: Es ist definitiv Kunst und die ist meines Erachtens immer „do it yourself“. Auch bei Marvel. Einer muss sich schließlich hinsetzen und alles zu Papier bringen. Meinetwegen auch zu „Photoshop“ oder „Manga Studio“ oder was es da an digitalen Möglichkeiten gibt. Die „Schönmachtaste“, wie Schwarwel immer sagt, gibt es leider (oder zum Glück) noch nicht wirklich. So steckt in jedem Comic stets sehr viel kreative Arbeit, Fleiß und Zeit.

Für den Einzelnen ist es kaum möglich, ausschließlich vom Comiczeichnen zu leben. Auch nicht, wenn man einen Verlag gefunden hat. Ich bin ja in der günstigen Lage, meine Brötchen als Mathematiklehrerin zu verdienen. Das Zeichnen kann ich also ganz entspannt betreiben. Da entscheide ich, wonach mir ist. Ich belege Comic-, Porträt- oder Aktkurse. Ich treffe mich mit der Leipziger Zeichnergruppe „Die Freunde von GRAF MArCO“ zu fröhlichen Jamcomicsessions. Ich zeichne, um Freunden eine Freude zu machen oder auch nur mir selbst. Stimmt, das ist ganz und gar Indie. Muss man sich aber auch leisten können. Und natürlich wäre es auch ganz schön, mal eine größere Geschichte zu machen, die verlegt wird.

Die Neunte Kunst – so nennt das wissende Klientel uns wirklich – sehe ich persönlich natürlich an erster Stelle. Sie ist angesiedelt zwischen Epik, bildender Kunst und Film. Sie ist Popkultur im besten Sinne. Sie sollte elementarer Bestandteil einer zeitgemäßen gesunden Kulturlandschaft sein.

Leider wird der Comic immer noch von Vielen als Kinderkram abgetan. Mein Wunsch wäre, dass die Comickunst mehr gewürdigt und lieb gehabt wird. Und nicht nur, wenn sie mit dem Stempel „Graphic Novel“ versehen ist.

Im Netz tummeln sich Herden von studentischen Kritzelkritzlern. Da wird einfach etwas hingeworfen und ganz laut: Friss oder stirb! geschrieen…

Geht in der Schnelligkeit unserer Zeit die Qualität flöten?

Das sehe ich nicht unbedingt so. Natürlich geben die sozialen Netzwerke die Möglichkeit, auch kleine Kritzeleien und skizzenhafte Ideen, die früher in der Schublade oder im Papierkorb gelandet wären, ganz schnell mal der Öffentlichkeit darzubieten. Aber die Öffentlichkeit reagiert ja auch. Wenn es nicht gefällt, eben gar nicht. Oder man bekommt ein Feedback und weiß dann, was besonders gut ankommt. Gerade für Anfänger kann das sehr wichtig sein. Das ist schon okay so.

Ich kenne einige sehr gute Webcomics. „Das Leben ist kein Ponyhof“ von Sarah Burrini oder „Beetlebum“ von Johannes Kretzschmar sind nur zwei Beispiele ohne Qualitätsverlust.

Zurück zur WÜHLBOX – was kostet die denn eigentlich und wie bekomme ich das gute Stück in meine Hände?

Meine WÜHLBOX ist für 5 € in der Comic Combo oder im Comic Combo Shop zu haben. Wer mich persönlich kennt, kann auch ein Heft zum gleichen Preis bei mir ordern. Sehr gerne mit Zeichnung und Widmung und allem Pipapo.

Der Comicgarten war diesjahr erfrischend entspannt und unaufgerecht, selbst die Musik war eher gechillt als kunterbunt. Wie sind denn die derzeitigen Hintergrundstrukturen im OrgAteam?

Es freut mich sehr, dass dir unser 7. Comicgarten gefallen hat. Er findet ja stets am ersten Septembersamstag in der Kleingartenanlage „Siegismund“ hinter der Russischen Kirche statt. Da tummeln sich Zeichner, Künstler, Verlage und natürlich unsere Besucher zwischen Gartenzäunen und Hecken auf der grünen Wiese. Das empfinde ich jedes Mal auch als extrem stressfrei und sehr besonders. Wetter buchen wir immer gleich mit. Sonnencreme und Sonnenschirme sind also angesagt.

Ganz wunderbar ist ebenfalls, dass wir in den letzten Jahren immer ein bisschen Livemusik hatten. Bei den „Unshaved Men“, die in diesem wie im letzten Jahr spielten, sind sowohl unser Bärenmaler Chris Schlag als auch unser Comicstammtischler Vincent Strehlow dabei. Die Band ist wirklich großartig und bleibt uns hoffentlich erhalten.

Unser Comicgarten ist ein Fest von Comicfreunden für Comicfreunde. Organisiert wird er von Teilnehmern des Comicstammtisches Leipzig. In diesem Jahr hatte Madeleine Helbig den (Garten-)Hut auf.

Danke, liebe Anja, für Deine Antworten….und weiterhin viel Spaß mit Deinen Geschichten.

Ich danke DIR, lieber Volly. Es war mir ein Vergnügen.

http://www.mosapedia.de/wiki/index.php/Anja_Wilde

http://comicgarten-leipzig.de/

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