Tanner trifft die SF-Poetin und Zeichnerin Vera Stroblmair: Im Osten ist der Verdienst ja doch eher etwas traurig.

Rot! Na, wenn das mal keine Signalfarbe ist – und da der Tanner natürlich ein visueller Mensch ist, steuerte er ganz ohne dass er das wirklich beeinflussen konnte auf Vera Stroblmair zu, um mit ihr über Dystopia, SF, Sternschnuppenfüchse und Österreich zu reden:

Hallo Vera. Wir trafen uns auf dem diesjährigen Comicgarten. Du bist die Frau hinter Rotfuchs-Illustration und lebst in Chemnitz, wenn ich das richtig zusammenerinnert habe. Wie lebt sichs dort als Kreative?

Nun, ich komme aus Linz, einer ehemaligen „Kulturhauptstadt Europas“ die wirklich, wirklich viel drauf hatte, was Kreatives betraf (es gab sogar eine Kunstuniversität). In Chemnitz vermisse ich ein bisschen das große kulturelle Interesse, obwohl sich doch in den letzten Jahren einiges getan hat und ich auch die Museen und die Künstlerszene vor Ort Stück für Stück kennen lerne.

Unser Hauptthema muss natürlich Dein Buch „LÖWENZAHN Bad Weeds Grow Tall“ sein. Alles selbstgemacht? Oder gab es Unterstützung von außen?

Alles selbstgemacht. Ob das eine gute Entscheidung war, weiß ich nicht 😉
Aber ich bin natürlich ein bisschen stolz auf mich. Ich gehe immer etwas planlos – aber hochmotiviert – an Sachen heran und so war es auch hier – die ersten 40 Seiten waren im Nu gezeichnet und dann wurde es schlagartig langsamer, dafür hatte die Story dann mehr Zeit, sich zu entfalten.

Erzähl mal bitte, um was es in Deiner Graphic Novel geht.

Löwenzahn ist ein Cyborg, also ein Teil von ihr, das Auge, ist mechanisch. Am Anfang der Geschichte ist sie ganz alleine unterwegs, bis sie auf einen jungen Mann, Seeth, trifft, der ebenfalls eine entstellende Cyborg-Prothese besitzt – Liebe auf den ersten Blick sozusagen. Trotzdem wird das auf keinen Fall eine klassische, süße Liebesgeschichte, denn die beiden gehen getrennte Wege, die wir nun in zwei Geschichtssträngen verfolgen können. Löwenzahn, die vorher skeptisch der menschlichen Gesellschaft gegenüber war, trifft auf eine reisende Karawane, schließt sich ihr an und fängt an, ihre Einstellung zu überdenken. Seeth, den man als guten Menschen kennenlernt, beginnt unter dem Druck der ständigen Diskriminierung der Cyborgs langsam zu brechen und schlittert tiefer in die Dunkelheit…

Aber warum in englisch?

Die Geschichte spielt in Amerika, 200 Jahre nach dem Fall der letzten Atombombe. Durch den plötzlichen technologischen Rückschlag und die rapide Entvölkerung durch Krieg und atomare Strahlung verändert sich Vieles für die Menschen. Soldaten aus aller Welt steckten nach dem Krieg sozusagen im stationierten Land fest und mischten sich mit der hiesigen Bevölkerung, darum sind auch Namen aus dem Deutschen wie „Löwenzahn“ nicht unnatürlich.

Vera Stroblmair vor der Russischen Kirche zu Leipzig

Vera Stroblmair vor der Russischen Kirche zu Leipzig

Ich mag ja Science Fiction. Wie kam es, dass Du Dich auf dieses Metier legtest?

Mensch-Maschine. Diese Verbindung hat mich schon immer begeistert. Die Prothesen der Cyborgs in meiner Geschichte sind den heutigen Prothesen gar nicht mal so unähnlich.
Ich kann mir Löwenzahns Welt einfach viel zu gut vorstellen, auch wenn das eher eine beunruhigende Aussicht auf die Zukunft ist.

Du machst aber auch andere Sachen illustrierend. Was denn konkret?

Glaubt man jetzt kaum, aber ich liebe atmosphärische, losgelöste Landschaften, also keine kitschigen Idyllebilder, sondern etwas zum Träumen. In diesen Welten entstehen dann auch Wesen wie der Sternschnuppenfuchs. Zurzeit zeichne ich hauptsächliche meine eigenen Motive, aber ich nehme auch gerne Auftragsarbeiten an – das ist immer eine willkommene Herausforderung.

Geboren wurdest Du in Österreich. Bist Du jetzt auch eine Geflüchtete? Ich meine, Eure Bundespräsidentenwahl ließ ja letztens für viele Menschen Fluchtgedanken aufkommen, so hörte ich.

Ob Deutschland da die richtige Wahl war? Wirtschaftsflüchtling bin ich jedenfalls nicht, im Osten ist der Verdienst ja doch etwas traurig . . . und besonders ausländerfreundlich ist man leider auch nicht, aber das zählt ja bei mir nicht, weil ich deutsch spreche, schon irgendwie witzig.

Schon das nächste Buch in petto???

Na, Band 2 natürlich. Ich bin noch unentschlossen, ob es noch einen dritten Band geben sollte – Story dafür hätte ich jedenfalls genug. In meinem Hinterkopf spuken auch noch mehrere neue Storys herum . . . Aber erst mal eines nach dem anderen – ich möchte Löwenzahn unbedingt zu Ende zeichnen.

Und wie kommt jetzt interessiertes Volk an Dein Werk heran? Und was kostet das gute Stück?

Nun, zurzeit nur direkt über mich und meine e-mail – eine simple, unverbindliche Anfrage reicht, dann schicke ich die Details. Das Buch fasst 160 Seiten (145 Story) in schwarz und weiß und kostet 8€. Außerdem gibt es eine Gratis-Postkarte und eine persönliche Widmung dazu.

Email-Kontakt Vera Stroblmair:

rotfuchs.illustration@gmail.com

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