Tanner trifft den Musiker und Sänger Robert Gläser: Hier hängen ne Menge geile Schweine rum!

Tanner mag Gläser, gefüllte Gläser, mit Lakritzschnapps Marke Scheddelspalter – oder Menschen namens Gläser, wie die fantastische Zaza Gläser und Robert, den Mann, der wie ein Baumstamm im Rockgeschäft steht und dabei seinen Bass schwingt. Nun singt er auch noch, der Robert. Gründe für Fragen gibt es immer. Doch lest selber:

Hallo Robert Gläser, gerade kommt Dein Soloalbum „Robert Gläser“ heraus. Ich habs gehört und mich daran erfreut. Du wagst den Spagat zwischen den beiden Mauern Gefühl und Härte. Warum aber erst jetzt? Du bist doch schon gefühlte fünfzig Jahre auf den Bühnen Europas zugange. Was war der Point Of No Return?

Weil die Zeit eben doch schneller vergeht, als man denkt und ich einfach noch nicht so weit war bzw. mir immer übertrieben selbstkritisch im Wege stand. Du musst wissen, dass ich eigentlich Bassist bin und immer Sänger oder Sängerinnen da waren, mit denen ich gearbeitet habe oder eben musste! (lacht) Und ich habe eben mehr an Andere gedacht, als an mich selber. Was natürlich hier und da auch bequemer ist, du kannst dann auch andere für den Misserfolg verantwortlich machen!

Was meinen musikalischen Spagat auf dem neuen Album sehr gut beschreibt, ist ein Zitat meiner Ziehtochter Valentine: „Ein Mann voller Gegensätze, der verbal den Härtegrad eines American Football Spielers mitbringt und gleichzeitig so sensibel ist, dass eine Schneeflocke dagegen unzerbrechlich wirkt.“

Textlich gibtst Du Dich als Typ von Nebenan, es wird nicht emopoppend kryptisch verklausuliert, sondern klar benannt und geliebt. Braucht es durchschaubare Worte?

Ich wünsche mir manchmal auch, ein richtiger Poet zu sein. Aber das bin ich nicht. Ich habe einfach zu viel Humor, um mich derart ernst zu nehmen! (lacht)

Meine Textpartner ticken da ähnlich. An dieser Stelle sei mein Leipziger Freund Johannes Göckeritz erwähnt, mit dem ich seit Jahren textlich zusammen arbeite. Ich versuche, so zu singen, wie ich spreche und denke! Es würde nicht zu mir passen, den verkopften und bedeutungsschwangeren Lyriker raushängen zu lassen. Ich müsste mich verstellen. Wenn ich mir „Steine“ von Bosse anhöre, bin ich schon begeistert und denke ‚wow‘, wo nimmt dieser Kerl diese äußerst schön formulierten Bilder her. Ich singe einfach, wie ich bin, offen, ehrlich und hoffentlich verständlich!

Du hast ja nicht alles auf dem Album alleine gemacht. Wer war denn noch mit im Boot?

Mein Produzent Stefan Henning, der auch die Gitarren und sämtliche anderen Instrumente gespielt hat, ist da an erster Stelle zu nennen. Er hat es geschafft, mir den wichtigen „Roten Faden“ zu basteln und die Sache endlich zu Ende zu bringen! Mein Freund Felix Lehrmann hat getrommelt. Er gilt als einer der besten Drummer aus Deutschland! Schlagzeuger bekommen jetzt an dieser Stelle feuchte Augen! Ich hab auf diesem Album wirklich das Glück gehabt, ausschließlich super Leute an meiner Seite zu haben. Musikalisch und auch inhaltlich.

Das Platten-Cover der Gläser-Platte, mit Glassprung - Foto: Lutz Müller Bohlen, Artwork: Daniela Mazhlekova

Das Platten-Cover der Gläser-Platte, mit Glassprung – Foto: Lutz Müller Bohlen, Artwork: Daniela Mazhlekova

Du kommst aus einem Musikerumfeld. Peter Cäsar Gläser war Dein Vater, Valentine ist Deine Stieftochter …

Gibt es noch einen Robert ohne Musik? Selbst, wenn Du Dein tägliches Laufpensum erbringst, hörst Du ja Musik. Wie ist Robert Gläser in leise? In still? Geht das überhaupt?

Musik ist mein Leben. Das ist Fluch und Segen! Du bist immer auf der Suche und nie zufrieden. Du kannst einfach nicht mehr Musik hören, ohne sofort analytisch darüber nachzudenken. Musikalisches Wissen und der eigene Anspruch können mich zum Wahnsinn treiben! Und das wird mit den Jahren nicht besser, sondern eher schlechter! Man muss aufpassen, dass man auf dieser manchmal verzweifelten Suche und dem übertriebenen Selbstanspruch nicht die Freude am Musizieren verliert. Die Anderen sind nämlich immer besser, innovativer, erfolgreicher und lauter! (lacht) Gottseidank gibt es Inforadio und gute Filme!

Wie kommen geneigte Interessierte aber jetzt an Deinen neuen Stoff heran?

Interessierte können mein Album bzw. den aufwendig gestalteten physischen Tonträger auf meiner Homepage www.robertglaeser.de

wenn gewünscht sogar mit persönlicher Widmung, kaufen oder aber bei Amazon. Und natürlich auf allen legalen Download-Portalen! Es soll mir bitte keiner erzählen, dass er in den Laden geht, um ne CD zu kaufen!

Es sei erwähnt, dass schon drei Nummern, die einen sehr guten Querschnitt des Albums wiederspiegeln, auf YouTube zu sehen sind! „Gestrandet“, „Ich fliege“ und „Himmelsgruß“.

Jetzt ist ja erstmal Dein Album auf alle Kanäle zu bringen. Heißt dies, der APFELTRAUM ist derzeit ausgeträumt? Und wie stehts mit SIX?

Ich versuche, alles unter einen Hut zu bekommen! Bis jetzt funktioniert das ganz gut! Es ist wichtig, die Vielseitigkeit zu behalten, aber auch nicht die Konstante zu verlieren! Ich arbeite schon wieder am neuen SIX-Album und der „Apfeltraum“ wird im Oktober und Dezember auf Tour gehen. Am 08.12, zu meinem Geburtstag, sind wir in Leipzig in der MB und feiern.

Für die Hiesigen: Du warst einst Schlagzeuger der legendären L’ATTENTAT. Damit war doch eigentlich eine Karriere im Sächsischen vorprogrammiert. Was brachte Dich nach Berlin?

Ich bin mit meiner Familie noch im März 1989 nach West-Berlin ausgereist. Gottseidank kam die Wende und ich war in Ost Berlin genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort! Vielleicht hätte ich auch der Bassist von Rammstein werden können, wir haben zumindest nebeneinander geprobt. Ich habe mit all meinen Ost-Idolen irgendwann zu tun gehabt. Selbst Tamara Danz hat mir 1993 gesagt, dass sie mich für einen sehr geilen Bassisten hält. Ich hab eben zu dieser Zeit noch nicht gesungen oder Songs geschrieben. (lacht) Berlin ist nach wie vor eine musikalische Metropole, hier hängen ne Menge geile Schweine rum und es werden nicht weniger!

Du bist ein wahrhafter Self-Made-Man. Hast Du nie Lust auf einen Vertrag bei einem richtigen Major?

Ich habe schon 1995 mit meiner Band „De Buffdicks“ einen Major Deal bei BMG gehabt und war mit anderen Bands und Projekten bei Sony, Universal und der Emi. Ich war mehrfach in den Charts und kenne das Geschäft ziemlich gut! Man hätte mir schon einen Mega-Deal anbieten müssen, aber darauf wollte ich nicht warten! (lacht). Einfach nur veröffentlichen kann ich heutzutage Gottseidank ganz alleine. Das kann ziemlich viel Spaß machen, wenn man es richtig macht! (lacht)

Was ich damit sagen will: Wenn eine große Plattenfirma keine Million in dein Produkt investiert, sprich: Sie werden dann auch alles versuchen, um es wieder einzuspielen – macht es keinen Sinn, mit einer solchen, gerade heutzutage, zu arbeiten. Da ich keine Zwanzig bin oder eben selber schon 100 000 Platten verkaufe, bekomme ich so einen Deal nicht und kann es dann – wie gesagt – auch selbst machen! Es besteht trotzdem immer die Chance, einen großen Deal zu bekommen, bei „Buena Vista Social Club“ hat es ja auch ein wenig gedauert! (lacht) Außerdem löse ich mich auch nicht gleich wieder auf, wenn es mit dem großen Major Budget nicht geklappt hat! Es gibt nie eine Garantie für Erfolg, aber immer eine neue Chance durch eigene Kontinuität!

Robert Gläser – das Album!

über:

www.robertglaeser.de

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