Tanner trifft Björn Mencfeld vom SV Lindenau 1848: Mittlerweile fast 600 Mitglieder.

Björn Mencfeld ist der Pressewart des SV Lindenau 1848 – und noch einiges mehr. Tanner stand er Rede und Antwort. Schließlich scharrt das Sport-Jahr 2016 mit den Hufen und Sport kann – wenn man nicht nur Scheuklappen mit sich herumträgt – auch fürs gesellschaftliche Miteinander von immenser Wichtigkeit sein. Deshalb hier Neuestes:

Lieber Björn, erzähl mal bitte, was es 2016 alles für Highlights beim SV Lindenau 1848 geben wird. Welchen Aufgaben stellt Ihr Euch besonders?

Lieber Volly, 2015 stand beim SV Lindenau 1848 im Zeichen quantitativen und qualitativen Wachstums. Wir konnten sowohl deutlich mehr Mitglieder gewinnen als in den Vorjahren als auch bei qualifizierten Trainern und sportlichen Erfolgen zulegen. Und dann war ja noch die unerwartete Auszeichnung mit dem DFB-Integrationspreis. Hättest du mir diese Frage also Anfang 2015 gestellt, hätte ich damals noch gar nicht gewusst, dass wir ein riesiges mediales Interesse von der KiPPe über den National Geographic bis hin nach Japan wecken und auch nicht, dass wir Besuch vom DFB-Präsidenten erhalten. Ich versuche dennoch, dir einen Überblick über unser Vereinsjahr geben zu können, der vielleicht noch durch die ein oder andere positive Überraschung später zu ergänzen sein wird.

Unsere Tennis-Abteilung geht in der kommenden Saison erstmals seit über fünf Jahren wieder mit einer eigenen Damenmannschaft an den Start, nachdem dies vergangene Saison mit Gastspielerinnen schon gut anlief. Frauen, die gern den Schläger schwingen, sind eingeladen, diese Anfänge zu unterstützen und Teil unserer gutgelaunten Tennisgemeinschaft zu werden.

Unsere erfolgreichen Leichtathleten wollen an die Erfolge des vergangenen Jahres anknüpfen – da sind u.a. zwei unserer Top-Athletinnen bis zu den Deutschen Nachwuchsmeisterschaften gekommen. Im regionalen- und Landesbereich holen die Jungs und Mädels regelmäßig Titel und gute Platzierungen, natürlich auch dank der qualifizierten Trainer. Wer unsere Talente in Aktion sehen will, kann das u.a. beim vereinseigenen Sportfest auf dem Charlottenhof tun, das in der Regel im Spätsommer stattfindet. Genaue Termine für Sportveranstaltungen des Vereins finden Interessierte übrigens unter www.lindenau1848.de und den Unterseiten der Abteilungen.

Auch unsere Tischtennisspieler sind im sportlichen Aufwind: ihnen ist im vergangenen Jahr erstmals seit längerem wieder ein Medaillengewinn bei Nachwuchslandesmeisterschaften geglückt. Darauf lässt sich aufbauen, zumal das Nachwuchstraining montags und mittwochs im Robert-Schumann-Gymnasium wieder richtig gut besucht wird.
Erfolg bringt natürlich auch weitere Reisewege und Bedarf an hochwertiger Ausrüstung mit sich: hier wären wir sehr dankbar, wenn sich auch in „kleineren“ Sportarten Sponsoren und Spender in stärkerem Maße einbringen würden. Gern geben der Vorstand und die Abteilungsleiter dazu nähere Auskunft.

Unsere größte Abteilung, die Fußballer, hatten in den vergangenen Jahren den größten Mitgliederzuwachs und demzufolge auch den größten Bedarf an qualifizierten Trainern vorzuweisen. Zum Glück konnten wir einige neue und junge Trainer gewinnen – und sowohl neue als altgediente qualifizieren. Auch im neuen Jahr wird die Qualitätsoffensive der Abteilung weitergehen. Schließlich ist es vom Kinder- bis zum Erwachsenenbereich wichtig, alters- und leistungsgemäße Trainingseinheiten durchzuführen. Und da sind wir auf gutem Weg, was sich zum einen durch mehrere Aufstiegsplätze, einen Stützpunkttrainer sowie fünf Kids, die am Stützpunkttraining für Talente teilnehmen, zeigt – vor allem aber in glücklichen Kindern, die bei uns mehr als nur eine sportliche Heimat finden.
Ein Highlight im Fußball sind natürlich immer die Spiele der Männermannschaften. Die finden bei uns sonntags auf dem Charlottenhof statt, und für Zuschauer gibt es dann auch immer ein kleines Speisen- und Getränkeangebot sowie Platz für die Kleinen, sich auszutoben. Man kann bei uns also einen spannenden Fußballsonntag auch als Familienausflug nutzen.

Eine große Herausforderung für die Gesellschaft wird 2016 die Integration von Flüchtlingen in die Gesellschaft sein. Wir als Verein haben uns dieser Aufgabe ja schon früh gestellt, und werden da auch in diesem Jahr nicht nachlassen. Sobald das Wetter es zulässt, werden auf dem Charly zu freien Zeiten Flüchtlinge aus Erstaufnahmeeinrichtungen in Begleitung Sport treiben können. Für Neu-Leipziger, die hier länger bleiben werden, stehen unsere Trainingsgruppen natürlich weiterhin offen, so manches Talent konnten wir schon für uns gewinnen, aber abseits vom Sport auch Wohnungen vermitteln und bei der Jobsuche helfen. Mittlerweile haben wir zwei Trainer, die als Flüchtlinge hierher kamen, doch nicht nur deren Mannschaften werden 2016 bestimmt einen vermehrten Zulauf erfahren.
Der SV Lindenau 1848 stößt durch das Mitgliederwachstum, das ja letztlich nur ein Spiegel des Bevölkerungswachstums im Leipziger Westen ist, auch irgendwann mal an Kapazitätsgrenzen. Daher werden wir in unsere Sportstätten investieren, wozu natürlich die Hilfe von Stadt, Land, Sponsoren und Spendern nötig ist. Nach der Erneuerung der Weitsprunganlage 2014 und der Erneuerung der Heizungsanlage im vergangenen Jahr ist 2016 eine Sanierung der Tennisanlage geplant. Um den Engpässen bei Hallenzeiten und witterungsbedingte Trainingseinschränkungen beim Fußball entgegenzuwirken, planen wir den Bau eines Kunstrasenplatzes, der natürlich auch ein Training in höherer Qualität ermöglichen würde. Auch hier hängt die Finanzierbarkeit letztlich von Fördermitteln ab, die aber im Breitensport eben nicht nur der Sportförderung, sondern indirekt eben auch sozialen Aspekten dienen und daher gut angelegt sind.

Der Charlottenhof - wundervolles Kleinod im Leipziger Westen. Hier spielt die gesamte Welt miteinander.

Der Charlottenhof – wundervolles Kleinod im Leipziger Westen. Hier spielt die gesamte Welt miteinander.

Wie läufts denn bei den Lindenauer Ladies? Welche Rolle hast Du da inne?

Bei unserer Frauenfußballmannschaft wird es nun langsam ernst. Nachdem wir in den vergangenen Monaten Zulauf von jüngeren Spielerinnen hatten und die Leistungen bei Testspielen und Turnieren deutlich nach oben zeigten, starten einige Lindenauer Ladies außerplanmäßig nun schon quasi ab sofort in den Ligabetrieb. Unsere Nachbarinnen, die erfahrenen Fußballdamen vom SV West ´03 haben verletzungsbedingt, teils aber auch durch für die Frauen (und hoffentlich auch ihre Männer) „glückliche Umstände“ momentan Bedarf nach Spielerinnen. Mit Heike Säuberlich hat eine der vielleicht, auch im übertragenen Sinne, sportlichsten Frauen im Leipziger Westen, die auch für West ´03 an den Ball tritt, bei uns um Nachbarschaftshilfe gebeten. Da haben Trainer und Mädels natürlich nicht nein gesagt, sind doch alle auch heiß auf den „ernsten“ Fußball. So werden also in der Rückrunde auch LiLas im Dress von West ´03 stehen und bestimmt auch das ein oder andere Tor schießen.

Ab dem Sommer wollen wir dann mit einer eigenen Frauschaft in der Kleinfeld-Stadtliga antreten. Ich selbst habe mittlerweile so eine Mischrolle aus Co-Trainer und Teammanager inne, denn arbeitsbedingt kann ich leider nicht jedesmal beim Training sein. Allerdings hat Coach Henry die Damen gut im Griff. Ich selbst kümmere mich dafür etwas intensiver um Terminierung und den ganzen Bürokram, der ja auch im Breitensport anfällt. Schließlich sollen sich unsere Ladies voll und ganz auf den Ball konzentrieren können.
Natürlich sind bei uns auch weiterhin Interessentinnen willkommen – egal ob mit oder ohne Fußballerfahrung. Schließlich haben wir auch unter den fußballunerfahrenen Damen schon einige Talente entdeckt.

Ihr habt Euer Domizil auf dem Charlottenhof. Kannst Du uns ein bissel was zu dem Ort erzählen?

Der gute alte „Charly“, wie wir ihn liebevoll nennen, war nicht schon immer eine Sportanlage. Ende des 19. Jahrhunderts entstand er als Sommervergnügungspark mit Gondelteichen, künstlich angelegten Landschaften, gastronomischer Vielfalt und kunstvollen Skulpturen. Man kann nur staunen, was da auf alten Postkarten alles zu sehen ist. Vermutlich auch aufgrund der durch die Begradigung von Elster, Luppe & Co. bedingte Grundwasserabsenkung war das allerdings ab den 1920ern nicht mehr möglich.

Mitte der Zwanziger kaufte unser Vorgängerverein TSG 1848 Leipzig-Lindenau den Charlottenhof, es entstanden ein Schwimmbad, eine Fechtbahn und auch zwei Sport-Spielplätze. Nach dem Krieg ging der Platz in den Eigentum der Stadt über, seitdem ist der Verein Pächter auf dem Gelände.

Zu DDR-Zeiten erlebte der Charlottenhof seine bisherigen sportlichen Höhepunkte: in den fünfziger Jahren trainierte hier bei der BSG Empor Lindenau die Elite DDR-Leichtathletik, in den 80ern war die Hockeyabteilung, nach der Wende als HCLG ausgegründet, ganz vorn dabei, die Herren wurden 1987 DDR-Meister. Auch Feldhandball wurde hier gespielt und es gab eine Freiluftkegelanlage.

Heute sind auf dem Gelände des Charlottenhofes in der Erich-Köhn-Straße 24 nachmittags und am Wochenende die Abteilungen Fußball, Leichtathletik und Tennis aktiv, seit vergangenem Jahr nutzen wir auch unsere Beachvolleyballanlage wieder vermehrt. Vormittags wird der Sportplatz durch mehrere Schulen für den Sportunterricht genutzt und in den Wochen vor Schuljahresende jagt hier ein Sportfest das andere. Abseits des Sports entwickelt sich der Charly zu einem kleinen Naturparadie für Flora und Fauna: neben leckeren Pfirsichen und Salat vom eigenen Hochbeet für die ´48er bieten unsere Baumkronen auch Wohnraum für Vogelbrutpaare und in diesem Jahr wird ein Insektenhotel folgen – das natürlich mietfrei bezogen wird.
Technikfreunde können hier gelegentlich landende Rettungshubschrauber zu sehen bekommen – dann sollte man aber die Mütze festhalten.

Wieviele Mitglieder/innen habt Ihr eigentlich und in welchen Segmenten?

Wir haben mittlerweile fast 600 Mitglieder, ungefähr die Hälfte davon sind Kinder und Jugendliche. Die meisten Mitglieder hat die Abteilung Fußball mit ca. 340 SportlerInnen, gefolgt von Leichtathletik mit knapp 100. Tischtennis und Tennis spielen jeweils etwa 50 SportlerInnen, und unsere Volleyballgruppe hat 14 Mitglieder. Der Frauen- und Mädchenanteil beträgt in den meisten Abteilungen zwischen 10 und 30 Prozent, Leichtathletik bringt es auf 50 Prozent. Eine Ausnahme bildet unsere vierzigköpfige Gymnastikabteilung, in der ein Mann die Stellung des vermeintlich „starken Geschlechts“ hält.

www.lindenau1848.de

Dieses Interview entstand, weil das ORTSBLATT LEIPZIGER WESTEN entstand:

http://www.leipziger-westen.de/front_content.php?idcat=151&idart=867

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