Weihnachten fällt aus.

erschien gerade im BLITZ! Stadtmagazin Leipzig (Text & Foto Volly Tanner)

Ein Gerücht schlängelte sich kürzlich zwischen den Theken des Landes hindurch: Weihnachten fällt aus, der Weihnachtsmann boykottiert Sachsen! Väter erzählten dies verkatert und brühwarm am nächsten Morgen am Frühstückstisch und Kinder brachen in Tränen aus.

Ganze Kindergartengruppen zweifelten gemeinsam an der Zukunft der Menschheit. Tanner zwar manchmal auch aber er fragt wenigstens nach, was dran ist. So machte er sich auf, durch Wind und Wetter und den tiefen, tiefen Winterwald das Gespräch mit dem Rotbemützten zu suchen. Und dieser ließ sich sogar darauf ein. Abgeschlafft und müde, desillusioniert und dem Trunke zusprechend äußerte er sich Tanner gegenüber exklusiv: „Dieses Jahr will ich nicht mehr, Volly. Und ich kann auch nicht mehr. Weihnachten ist doch das Fest der Liebe und Familie, hier im sogenannten Abendland. Aber überall nur Häme und unzivilisiertes Hassen und jedes Kind, das einem anderen Menschen Hilfe zukommen lässt, wird als „Gutmensch“ beschimpft. So war das doch nicht gemeint.“

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Verständlich, dass der Weihnachtsmann nicht mehr will. Aber warum kann er nicht mehr?

„Das kann ich Dir sagen. Seit Jahren wollen alle hier in Europa nur mehr. Und wenn sie es dann haben, wollen sie noch mehr. Und dann geht es kaputt und sie schmeißen es weg. Und wollen noch mehr. Smartphones, Tabletts, Fernseher, größer, lauter, extremer. Mich nervt das. Meine Wichtel sind nur noch am Ackern. Der Rudolf, Du weißt schon, mein rotnasiges Rentier, ist auch schon im Streik wegen Überlastung. Meine Weihnachtsfrau hat mich verlassen, weil sie mich nicht mehr zu Gesicht bekam und ist mit einem Christdemokraten durchgebrannt. Der hatte viel Kohle und sein Gerede von Nächstenliebe nie ernst gemeint.“

Nungut, in einer globalisierten Welt kann das pfiffige dingehabenwollende Kleinkind natürlich auch auf andere Beschenker ausweichen – außer es frönt dem Deutschtum und bleibt schon hier in der Sumpflandschaft stecken. Doch der Weihnachtsmann hat seine Kumpels alle mit ins Flug-Boot geholt und dieses damit ganz schön voll gemacht. Der russische Ded Moros, der überseeische Santa Claus und auch Knecht Ruprecht, all diese sonst sehr verlässlichen Herren machen den Sack zu.

Und streiken.

„Es kann doch eigentlich nicht so schwer sein, den Kindern Werte wie Mitmenschlichkeit, Aufmerksamkeit und Freundlichkeit zu vermitteln. Aber alle wollen nur Star-Wars-Schwerter, um sich gegenseitig auf die Köpfe zu schlagen.“

Nun ist es an uns, den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen. An jedem von uns. Und nicht nur an denen da oben!

Volly Tanner

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