Ich mag Geld nicht! Ein Portrait der Foodsaverin Tina Dammeyer

erschien gerade im BLITZ! Leipzig:

Der Beginn persönlicher Freiheit ist immer das Hinterfragen eigener Bedürfnisse. Tina Dammeyer macht das mit ihren 24 Jahren beeindruckend. Als Foodsharing-Aktivistin rettete sie zum Beispiel in der Zeit vom Mai 2015 bis Ende August 2015 960 Kilogramm Lebensmittel vor dem Wegwurf. Das ist umgerechnet zwar kein ganzer Elefant – da hätte sie 7,5 Tonnen retten müssen – aber ein ausgewachsener Eisbär ist das schon.

Geboren in Homberg, weitergewachsen in Obermelsungen, dann geschult und belehrt in Kassel kam sie 2011 nach Leipzig, um hier Veterinärmedizin zu studieren, was sie auch begann. Doch dann stellte sich die Erkenntnis ein: „ … dass ich keine Studentin bin, ich habe das nicht gemacht, weil ich das wollte, sondern, weil andere wollten, dass ich das sollte.“ Also warf sie das Handtuch in den Ring und befasste sich mit neuen Wegen. Seit kurzem ist sie im Enchilada in einer Ausbildung der Systemgastronomie, winkt doch auch eine Entwicklungsmöglichkeit in weiter Ferne, vielleicht ein Foodsharing-Restaurant zu eröffnen. Aber gemach, gemach …

Tina Dammeyer, neugierig & interessiert.

Tina Dammeyer, neugierig & interessiert.

„Ich habe den Traum, mehr aus Foodsharing zu machen, ich möchte immer mehr retten können und immer mehr Menschen mit unserer Vision erreichen. Ich suche einen Weg, der meine Ausbildung mit Foodsharing vereint, aber ich will ihn nicht finden – noch nicht.“ Und weiter sagt die junge Fuchsköpfige: „Wenn am Ende eine Gastronomie steht, die von Foodsharing profitieren kann – wunderbar. Wenn nicht, dann wird es etwas anderes sein. Das Vertrauen darauf, dass man seinen Weg schon gehen wird, verhilft zu einer großen Entspannung und zu einem kleinen Stück Frieden mit sich selbst.“ Immer wieder und immer wieder ist ihr großes Thema die Unabhängigkeit, die träumerische Freiheit, irgendwann vielleicht auch vom Zahlungsmittel Geld: „Ich mag Geld nicht, denn es verfälscht die Menschen. Aber völlig geldfrei zu leben ist für mich – noch – eine persönliche Utopie. Mein Ziel ist es, mir selbst treu zu sein, ohne anderen Menschen meine Sichtweise aufzudrängen. Ich erkläre ohne Dogmen. Ich will nicht, dass es jeder macht wie ich. Sondern jeder für sich selbst.“

Diese philosophische Konsequenz ist selten. Tina unterstützt viel und respektiert anderes Denken, nur eben Denken sollte es schon sein. Und sie sieht die Fallleinen: „Die Anstrengung liegt darin, jeden seiner Schritte hinterfragen zu müssen. Man muss wieder lernen, sich selbst in die Seele zu schauen und man darf sich nicht vor dem Bild fürchten, was man zu sehen bekommt. Die Angst vor sich selbst ist der Ursprung unserer inneren Unruhe. Und wir ummauern sie mit materiellen Steinen, um nicht mit ihr konfrontiert zu werden.“

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5 Antworten zu Ich mag Geld nicht! Ein Portrait der Foodsaverin Tina Dammeyer

  1. A.Langberg. schreibt:

    wiso steht da nicht wo und wie sie dies vollbracht hat?

  2. Lisa schreibt:

    und drunter die Werbung von der Sparkasse 😀 Aber ein schöner Artikel!

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