Tanner traf für: Das letzte Wort hat … …. Nelly Schmücking

erschien gerade im FRIZZ Stadtmagazin:

Das letzte Wort in diesem Monat hat die in Leipzig lebende Plastikerin Nelly Schmücking. Derzeit baut sie einen Drei-Meter-Schulterhöhe-Elefanten als „Ladenhüter“ im traditionsreichen aber etwas in Vergessenheit geratenen Kaufhaus Held im Leipziger Westen. Die äußerst charmante Künstlerin stand Volly Tanner Rede und Antwort über ihre Sicht auf die Stadt:

Frau Schmücking, vollenden Sie bitte den Satz: An Leipzig hat mich in letzter Zeit besonders aufgeregt …
… die zahlreichen Schlaglöcher in Leipzigs Straßen, vor allem als ich letzte Woche meinen Schimpansen im Auto transportiert habe und immer Angst hatte, dass er bei dem Geholpere Schaden nimmt. Zum Glück polstert so ein Beifahrersitz dann doch gut …

Was muss sich ändern?
Ein bisschen mehr Aufgeschlossenheit für Zwischennutzungskonzepte, was leerstehende Ladengeschäft anbelangt, fände ich persönlich derzeit schön. Ansonsten kann ich eigentlich nicht meckern. Ich finde es nur schade, wenn ungenutzte Freiräume lange Zeit solche bleiben, was weder attraktiv noch förderlich für die kulturelle Entwicklung der Stadt ist, nur weil ein angeblich zu hoher Verwaltungsaufwand besteht oder man der Suche nach einem langfristigen Mieter den Vorrang gibt.

Nelly Schmücking - im Hintergrund schon etwas Elefant - rund um sie Kaufhaus HELD.

Nelly Schmücking – im Hintergrund schon etwas Elefant – rund um sie Kaufhaus HELD.

Wie würden Sie Leipzig beschreiben, für den, der die Stadt nicht kennt?
Leipzig ist eine sehr heitere Stadt, die viel Luft zum Atmen bietet. Noch gibt es viel Freiraum für Ideen, die hier nicht Utopie bleiben müssen, ohne dass dieser den Eindruck hinterlässt, die Stadt sei „zerfleddert“, kein homogenes Ganzes, so wie es beispielsweise in Berlin der Fall ist. Man kann sich hier gut auf das Wesentliche konzentrieren, was auch immer das für die Einzelpersonen bedeutet – ich habe aber das Gefühl, das liegt nicht allzu weit auseinander und es gibt so etwas wie einen gemeinsamen Nenner der Bevölkerung. Auf einer mehr materiellen Ebene würde ich sagen, dass Leipzig rein optisch einiges zu bieten hat. Die von vielen Grünflächen durchzogenen Stadtfläche wird geprägt durch eine Bausubstanz, in der Altbauten und Industriegebäude dominieren. Städtebaulich ist es bisher in meinen Augen der Spagat zwischen bedarfsgerechter Sanierung und Übersanierung ganz gut gelungen, man muss nur aufpassen, dass das nicht kippt. Dass diese Struktur die Lebensqualität positiv beeinflusst, wie es auch das diverse kulturelle Aufgebot auf überschaubarem Raum tut, erübrigt sich fast schon zu erwähnen.

Welcher Ort ist Ihnen der liebste in der Stadt?
Da ich sehr viel in Bewegung bin und selten an einem Ort verharre, fällt es mir schwer, einen einzigen hier zu privilegieren. Um einen zu nennen, ich mag Orte wie die Industriebrache in der Rolf-Axen-Straße in Kleinzschocher. Das ist schon fast ein Nicht-Ort, irgendwo am Rande eines Stadtteils ohne besondere Relevanz für das Stadtleben und in der Schwebe zwischen gestern, heute und morgen. Aber es ist ein Ort mit ganz viel Luft zum Atmen, hier fühle ich mich irgendwie frei.
Wenn ich noch einen Ort zum temporären Verweilen herauspicken würde, dann vielleicht meine Fensterbank in dem hinteren Raum meines Ladengeschäfts/Ateliers. Wenn ich dort sitze, merken viele Passanten nicht, dass ich überhaupt da bin, und dann ich kann ihnen beim Schauen zuschauen.

Wenn Sie in die Zukunft schauen, welche Pläne und Visionen haben Sie?
Oh, ich freue mich sehr auf die Zukunft, blicke jetzt gerade aber nur unmittelbar nach vorne, um nicht die Orientierung zu verlieren. Und da steht eigentlich derzeit nur mein Elefant, den ich gerade im Kaufhaus Held baue, bzw. das Entstehen meines Elefanten an sich. Wenn das so klappt, wie ich es mir vorstelle, ist es gut.

Worauf freuen Sie sich in nächster Zeit besonders?
Den Moment, in dem ich den Pinsel weglege, und der Elefant fertig bemalt ist. Dann werde ich ihm nochmal in die Augen blicken und sagen „Hallo!“.

http://www.nelly-schmuecking.de

Text & Foto: Volly Tanner

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