Tanner traf Peggy Filip: Fotografie ist etwas Romantisches, ohne Hektik, mit viel Gefühl

erschien unlängst in der Leipziger Internetzeitung:

Eine Stadt – das sind zuallererst einmal die Menschen, die in der Stadt leben. Und da diese sich ganz besonders gern in ihrer Sicht um sich selber drehen, macht es Sinn auch mal Sichten von außen zuzulassen. Peggy Filip nun lebt im Leipziger Osten und hat Menschen aus dem Leipziger Westen fotografiert – wobei es am 20.09.2014 im Stadtteilladen Leipziger Westen zur Vernissage ihrer Ausstellung WESTSICHTEN kommt. Da Tanner da auch irgendwie drinsteckt, fragte er einfach mal nach und dokumentiert hier die Antworten aus erster Hand – oder erstem Mund, wie man will:
Hallo Peggy, schön Dich hier zu treffen – am 20.09.2014 wirst Du von 14:00 Uhr bis 15:00 Uhr die Vernissage Deiner Ausstellung WESTSICHTEN im Stadtteilladen Leipziger Westen in der Karl Heine Straße 54 abhalten. Warum denn solch eine ungewöhnliche Zeit? Erzähle mal bitte …

Nun, eigentlich war die Vernissage zeitgleich mit dem WESTPAKET geplant – einfach, weil ich es dann endlich auch mal zum WESTPAKET geschafft hätte und weil es ein kunterbuntes Treffen vieler Menschen ist und ich sicher auch noch den ein oder anderen Kontakt mehr hätte knüpfen können.
Nun erfuhr ich aber – glücklicherweise noch bevor ich die Flyer für die Vernissage in Auftrag gegeben habe – dass das WESTPAKET nun doch erst im Oktober ist.
Ein wenig traurig war ich schon, aber so hatte es sein Gutes, dass ich die Flyer nicht mit falschen Infos losgeschickt habe und außerdem geht es ja bei der Vernissage nicht um das WESTPAKET oder meinen Besuch dort (ich werde es irgendwann schaffen – versprochen!), sondern vielmehr um meine Sicht auf den Leipziger Westen in Form von Fotos.

Claudia (hinten) und Peggy (vorn) haben jedenfalls Spaß beim Shooting

Claudia (hinten) und Peggy (vorn) haben jedenfalls Spaß beim Shooting

Bei WESTSICHTEN geht es ja darum die Sichtweise einer Nicht-Im-Leipziger-Westen-Lebenden – also von Dir aus dem Osten – auf Menschen des Leipziger Westens zu zeigen. Auch interessant für Menschen aus dem Westen, die mal eine Sicht von außen präsentiert bekommen.
Wie hast Du die Objekte Deiner Begierde ausgesucht?

Das war eigentlich ganz einfach, und wenn ich Freiwillige für meine Shootings suche, mache ich das eigentlich immer so: Ich erstelle einen Aufruf auf meiner Webseite, auf Facebook, Google+ und auf Twitter und dann verselbstständigt sich die Sache relativ schnell und wird überall geteilt. Und nach und nach meldeten sich immer mehr Menschen bei mir, die Interesse daran hatten, an dem Projekt „WESTSICHTEN“ mit zu wirken.
Es ist also immer gut, ab und zu mal einen Blick auf meine Webseite (www.lichtklientin.fotograf.de) oder auf meine Facebook – Seite zu werfen, da ich immer neue Ideen habe, für die ich auch immer Leute suche.

Und so sieht das Ergebnis aus: Claudia geschossen von Peggy Filip

Und so sieht das Ergebnis aus: Claudia geschossen von Peggy Filip

Du selber bist ja freiberufliche Fotografin und spezialisiert auf Portraits. Kannst Du Dein Portfolio ein bisschen umreißen?
Was kann bei Dir in Auftrag gegeben werden?

Eigentlich alles was Portraitfotografie betrifft, also meist Familienfotos, Hochzeitsfotos, Bewerbungsfotos, Passbilder …
Gern begleite ich auch einfach mal fotografisch einen Familienausflug
oder ein Treffen von Freunden.
Ganz besonders viel Spaß habe ich ich an den Shootings, wo die Leute zu mir kommen und sich außergewöhnliche Bilder wünschen. Da treffe ich mich zunächst zu einem Vorgespräch mit den Interessenten, höre mir ihre Vorstellungen und Wünsche an und mache dann Vorschläge, wie man was verwirklichen kann. Dann vereinbaren wir einen Fototermin und los geht es. Das mit dem Vorgespräch handhabe ich eigentlich vor allen Shootings so, einfach damit man sich erst mal ein bisschen „beschnuppern“ kann und damit man sich beim Fototermin nicht so aus dem Kalten heraus auf die Person vor bzw. hinter der Kamera einstellen muss.
Auch bei der Umsetzung meiner eigenen verrückten Ideen blühe ich auf und während eines solchen Shootings läuft die Sache meist so, dass ich eine Grundidee habe, diese realisiert wird und währenddessen folgen noch viele andere. Da kann es schon mal sein, dass ein ganzer Tag dafür draufgeht und am Ende gute 500 Bilder entstanden sind.

Nun scheint ja Leipzig voller Fotoaktivisten, fast schon ein kleines Japan – kommt man sich da nicht hin und wieder ins Gehege? Und wenn ja, wie gehst Du damit um?

Also bis jetzt war das nicht der Fall und ich bin mit noch niemandem ins Gehege gekommen.
Klar, schaut man sich auch an, was die anderen machen, aber die Hauptsache für mich ist, mein eigenes Ding zu machen und vor allem nicht bei anderen „abzugucken“.
Es kann ja jeder für sich entscheiden, zu wem er/sie geht und von wem er/sie sich fotografieren lässt und mit welchem Ergebnis er/sie rechnet.
Bei mir ist es eben so, dass sich meine Bilder von der Masse abheben sollen, eine Geschichte erzählen und die abgelichteten Personen so darstellen, wie ich sie kennen gelernt habe und sehe.
Und ich denke, genau das stimmt zufrieden, wenn man nicht übertrieben geschönte Fotos von sich bekommt, die jemanden zeigen, nur nicht einen selbst.

Wo, hoffst und glaubst Du, stehst Du beruflich, privat und emotional in zehn Jahren?

Tja, das ist so eine Frage, die mich tatsächlich selber Tag für Tag beschäftigt. Wie du bereits gesagt hast ist Leipzig, um nicht zu sagen eigentlich jede Stadt, ein kleines Japan und ich denke oft: „Wie das wohl mit der Fotografie weitergeht, jetzt fotografieren sie schon mit ihren Handies in der Gegend rum und irgendwann wird sicher keiner mehr einen/eine Fotografen/Fotografin brauchen …“
Ich habe zu einer Zeit angefangen zu fotografieren, da war noch nicht an diese Entwicklung zu denken. Ich saß da mit meiner Praktica B200 und musste auf alles aufpassen, auf jede klitzekleine Einstellung, damit auch ja alles richtig und schön wird. Heute wird drauf los geklickt und wenn‘s nicht gefällt, wird es eben gelöscht. Schade eigentlich, denn das ist es nicht, was Fotografie für mich ausmacht; Fotografie ist etwas Romantisches, ohne Hektik, mit viel Gefühl und vor allem eine Sache über die man nachdenkt – ich zumindest.
Ich wünsche mir für die nächste Zeit (ob das jetzt in 3, 5, oder 10 Jahren ist), dass ich mit meiner Bildsprache die Menschen bewegen kann, ihnen meine Sicht auf die Dinge zeigen kann und vielleicht wird sich dadurch sogar noch etwas verändern, wenn auch nur im Kleinen.
Kürzlich sah ich wieder den Film „War Photographer“, dieser hat mich schon als ich ihn das erste Mal sah, sehr berührt und in mir den Wunsch und Willen geweckt, die Fotografie nicht nur als Ausdrucksform, sondern auch zur Reportage zu nutzen.
Wie genau das aussehen wird, weiß ich heute noch nicht, aber „das Pflänzchen“ wächst und wächst und wenn ich soweit bin, dann werde ich es Euch wissen lassen.
Einen Anfang habe ich bereits gemacht und eine neue Bildserie angefangen, diese soll z.B. zeigen, dass nicht alles schön ist und auch dass Fotos nicht immer nur Schönes zeigen. Es geht dabei in Richtung Surrealismus und getauft habe ich die Serie auf den Namen „andersartig“.
Mehr kann und will ich noch nicht verraten, nur dass ich dafür noch einen Ort zur Ausstellung suche …

Na, da drücke ich Dir ganz fest die Daumen. Bis zum 20.09.14.

Ja, bis dahin. Ich freue mich!
WESTSICHTEN – eine Fotografin aus dem Leipziger Osten schaut auf den Leipziger Westen. (Peggy Filip); Vernissage 20.09.2014 – 14:00 Uhr bis 15:00 Uhr; Stadtteilladen Leipziger Westen – Karl Heine Straße 54

http://lichtklientin.fotograf.de/

http://www.leipzigerwesten.de

Text & Fotos: Volly Tanner

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