Tanner traf für: Das letzte Wort hat … … Anneke Bird

Das letzte Wort in diesem Monat hat die Rollerderby-Queen Anneke Bird. Die Ex-Koblenzerin und Ex-Hamburgerin mit abgeschlossenem Studium in Gesang und Populärmusik, betreibt hier als Anneke Lindner die Musikschule Fröhlich und früherzieht Kinder musikalisch. In Vollkontakt geht sie mit ihren Rollerderby-Freundinnen der RIOT ROCKETZ. Es geht ums anrempelt und pogen. Blood is the new pink:

Frau Bird, vollenden Sie bitte diesen Satz: An Leipzig hat mich in letzter Zeit besonders aufgeregt, dass …

… in manchen Vierteln eine starke Kultivierung „politisch motivierter Überdrehung“ existiert, die Anhänger dieser „Religion“ veranlasst, Türschlösser sympathischer Einzelhändler mit Sekundenkleber zu zerstören oder Leuten den Finger zu brechen, weil sie während der Fußball-WM Spaß daran haben, Deutschlandperücken zu tragen. Frei nach dem Motto: Toleranz ist, wenn alle meiner Meinung sind.

Faszinierend, lautstark, eigenwillig, liebenswert - Anneke Bird

Faszinierend, lautstark, eigenwillig, liebenswert – Anneke Bird

Was muss sich ändern?

Durch den vielen architektonischen Leerstand, die halbverfallenen Fabrikgebäude und Brachland, besteht in Leipzig ein so großes Potential noch bunter, kreativer und spannender zu werden, wie ich es kaum in anderen Städten gesehen habe. Statt dieses Potential zu nutzen, werden die Fabriken zu Luxus-Wohnungen umgebaut und der Langeweile ein roter Teppich ausgerollt. Das macht mich traurig. Aus sportlicher Sicht verzweifele ich am Hallenmangel. Momentan trainiert meine Rollerderby-Mannschaft in einer viel zu kleinen Halle ohne Spielfeldmarkierung. Wir sind quasi Fußballer ohne Tor. Der Stadt fehlt es an großen Sporthallen, da diese entweder voll belegt sind oder aber man glaubt, dass unser Equipment den Boden beschädigen könnte. Dieses Argument speist sich leider aus Unkenntnis, da unser Sport in Deutschland noch relativ unbekannt ist. Keiner würde einer Volleyballmannschaft Trainingsorte sperren, weil der Ball die Fensterscheiben zerstören könnte.

Wie würden Sie Leipzig beschreiben, für den, der die Stadt nicht kennt?

Mein Leipzig ist ja vor allem Plagwitz, Lindenau und Connewitz. Dieses Leipzig ist für mich ein lautes Kind mit Zahnlücke und dem Hintern voller Hummeln, in den Startlöchern stehend. Logisch was ich meine: Jung, rotzig im positivsten Sinne, sprießende Ideen, die aus Ohren und Kopf wachsen, am Anfang eines spannenden Lebensabschnitts stehend und voller Energie. Dabei fällt es wie jedes Kind mal auf die sympathische Schnauze oder muss mal in die Schranken gewiesen werden.

Welcher Ort ist Ihnen der liebste in der Stadt?

Ich laufe gern mit meinem Hund am Störmthaler See, da kann man sich einbilden, man wäre der einzige Mensch auf der Welt, der durch eine Art Mondlandschaft wandelnd, seinen Frieden gefunden hat und sich nur noch vom Beeren sammeln ernährt. Ein abendliches Bier am Karl-Heine-Kanal stimmt mich aber ebenso zufrieden. Weniger Steppenwolf und richtig glücklich werde ich allerdings, wenn ich mit meinen Rollerderby-Mädels, den RIOT ROCKETZ trainiere. Da wird gerollt, gelacht, geschubbt, gerempelt, zusammengehalten und blaue Flecken als Trophäen gesammelt. Das liebe ich. Mittlerweile ist unsere Truppe ein Stück Heimat für jede von uns geworden. Lieblingsorte sind manchmal kein Punkt auf dem Stadtplan.

Wenn Sie in die Zukunft schauen, welche Pläne und Visionen haben Sie?

Mein Traum ist es, Rollerderby als festen Bestandteil der Leipziger Subkultur- und Sportszene zu etablieren. Derbys in der Sportarena mit 500 Leuten im Publikum, Spiele gegen bekannte Teams aus den USA, wie es die Berliner Bombshells oder die Stuttgarter in ihrer Stadt geschafft haben, das wäre grandios. Dafür müssen wir die Stadt endlich überzeugen, dass unsere Rollen den Arenaboden nicht beschädigen können.

Worauf freuen Sie sich in der nächsten Zeit besonders?

Unsere Rollerderby-Mannschaft wird dieses Jahr hoffentlich einen weltweit anerkannten Test bestehen, der uns zum Spielbetrieb zulässt. Dann wird Leipzig endlich Teil der europaweit wachsenden Rollerderby-Szene werden, und wir können Mannschaften aus aller Welt zum Derby einladen können und selbst im Tourbus unterwegs sein. Blood is the new pink!

Text: Volly Tanner/ Foto: Serge Müller

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