Tanner traf Uwe Schimunek: Und überhaupt: Leipzig ist ja nicht Berlin!

erschien schon im FRIZZ:

Die relevanten Kulturarbeiter unserer Stadt scheinen irgendwie alle Crossover zu sein. Dies ist bestimmt der Zeit geschuldet – aber eben auch den Möglichkeiten jedes Metier zu betunken, welches von Interesse ist.
Uwe Schimunek moderiert Lesebühne, schreibt Buch auf Buch zwischen Science Fiction und Krimi, gern satirisch oder finster – und musiziert bei Bungalow4 seit Jahren im Independentmeer. Fehlen nur noch große, wandfüllende Gemälde – dann wäre der Sack zu. Achja – irgendwas mit Medien – aber da schwirrt Schimunek ja auch schon rum.
Volly Tanner traf den Kulturaktiven zum Gedankenaustausch, da dieser eine gar abendfüllende Sause plant – in der KulturLounge im Leipziger Osten. Man kennt sich, man schwätzt und man fand Themen wie Emo-Mäuse, Bass-Frauen und Bratwürste. Dazu noch einen Klecks Geisterstätten und das Ping-Pong-Spiel konnte beginnen:

TINNITUS-Party im Leipziger Osten. Gracias, Herr Uwe Schimunek. Ihr wagt Euch auf nicht ganz so sicheres Terrain wie den Süden oder Westen. Weshalb ziehen die drei Krach-Kombos in die KulturLounge auf der Dresdner Straße?
Die KulturLounge ist ein sehr kuscheliger Club, gemacht von extrem netten Leuten. Für eine Band auch nicht unwichtig – es klingt super. Ich war letztens bei Crwth und den Secret Sits, die hatten echt fetten Sound. Außerdem ist die Gegend mit dem Geigers Rätsel, dem Poniatowski und ja, auch dem Haus des Buches, nun nicht gerade kulturelles Brachland.
Und überhaupt, Leipzig ist ja nicht Berlin. Da fährt auch mal jemand mit dem Fahrrad zehn Minuten durch den Park in den benachbarten Stadtbezirk, oder?

Von Bungalow4 – Ihrer höchsteigenen Popbastard-Band – wissen hierzulande schon einige Insider. Wer aber sind ILLITHIDS und die NEUROKOMPANIA?
Popbastard ist gekauft. Da wirst Du künftig zitiert. Für den Mai haben wir uns Bands eingeladen, die wir in jeder Hinsicht mögen. Neurokompania kommen aus der polnischen Metropole Breslau. Ich fahre ganz gern dahin, hab ein paar polnische Freunde und Bekannte und kann inzwischen auch mein Bier auf Polnisch bestellen. Im letzten Sommer war ich in meinem kleinen Lieblingsclub – wer nach mal nach Breslau fährt, sollte sich unbedingt das Alive angucken. Da hat Neurokompania gespielt und die Jungs haben mich echt beeindruckt. Fetter Lärm mit Melodie, die bohren echt dicke Bretter. Danach hab ich mit Adam, dem Mastermind der Band, noch ein paar Bier getrunken. Seit dem haben wir schon zwei Auftritte im Pack gespielt.
Die Illithids sind eine befreundete Band aus Berlin. Wir haben im Januar in Berlin zusammen in einem kleinen Club gespielt. Das war ein großer Spaß. Die Illithids machen ziemlich schräges Zeug und sind vor allem live eine Macht.

Uwe Schimunek schwingt die große verbale Keule im Auftrag des Punkrock

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All die Birdy´s und Boy´s – die musikalisch jammerliebend derzeit die Indieszene mit ihren Erlenholzgitarren verdickflüssigen – und dann Ihre Freunde und Sie, mit Krach, Lärm und echten Hooks. Ist Ihre TINNITUS-Party der Durchbruch, um die weichgespülten EMOmäuse vom Tablett zu fegen? Oder einfach Männermusik, mit Schweiß und Bratwurst?
Sollen die Emos doch trällern. Es ist genug Platz für jede Musik auf der Welt. Wir wollen einfach unsere Party feiern. Die Bands sind schon verschieden – die Polen mit ihren Metal-Anleihen die Berliner mit ihrer Attitüde der Finsternis und wir von der Noise-Pop-Fraktion. Trotzdem passt das irgendwie zusammen. Ich freue mich total auf die Konzerte.
Übrigens sei der Vollständigkeit halber angemerkt, dass bei den Illithids eine Frau den Bass spielt und Vegetarier haben wir auch dabei. Das mit der Männerwirtschaft und der Bratwurst gilt also, wenn überhaupt, nur bedingt …

Neben Ihrer Musik, bester Uwe Schimunek, sind Sie auch als Literat eine Koryphäe. Wann kommt das nächste Werk auf die Welt – und was wird es? Krimi, SF oder Popkritik?
Danke für die Blumen. Ich bin ja gerade erst für die Leipziger Geisterstätten mit einer Fotografin durch verlassene Fabriken gezogen. Das war eine lustige Erfahrung, so da draußen in der urbanen Wildnis Feldforschung für einen Text-Bild-Band zu betreiben. Nun mach ich aber wieder das, was ein Autor eigentlich tut – wenn die Kinder schlafen zu Hause am Laptop sitzen und was ausdenken. Ich schreibe gerade an meinem nächsten historischen Krimi. Der soll im Herbst im Jaron-Verlag erscheinen. Übrigens spielt der zum Teil auch in Breslau.

In Ihrer Drei-Band-Selbstbeschreibung steht wortwörtlich: „Sie rocken die Nadeln von der Tanne.“ Ja, ist denn schon wieder Weihnachten?
Ja klar. Und Ostern und Pfingsten und Frühlingsfest. Und das alles am 16. Mai in der KulturLounge.

Danke, Uwe, für die Antworten – und Euch ein volles Haus mit tanzenden und jubelnden Menschen. Rock on!
TINNITUS-Party mit Bungalow4, Illithids und Neurokompania; KulturLounge Dresdner Straße 26; 16.05.14; Einlass 20:00 Uhr

Text & Foto: Volly Tanner

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