Tanner traf für: Das letzte Wort hat … … Steffen Balmer

erschien schon im FRIZZ Juni 14:

Das letzte Wort in diesem Monat hat der 1980 nach Leipzig gezogene freie Künstler und WESTBESUCH-Vorstand Steffen Balmer. Als einer der Bewohner der Schleußiger Holbeinstraße 28a versucht er sich im Erhalt von Gewachsenem gegen hiesige neoliberale Plattmacher. Einer der Aufbauenden, ohne die im Leipziger Westen immer noch 1990 wäre …

Herr Balmer, vollenden Sie bitte diesen Satz: An Leipzig hat mich in letzter Zeit besonders aufgeregt, dass …
… einige Vertreter der Leipziger Immobilienbranche offensichtlich der Meinung sind, mit Leipziger Bürgern gottähnlich umspringen zu dürfen. Und es regt mich gewaltig auf, dass sich meine persönlichen Lebenspläne nach deren „Visionen“ einer Stadt zu orientieren haben. Daneben gibt es zuweilen positive Aspekte dieses Aufgeregt-Seins: es eröffnet mir ein beträchtliches Potential an neuen Erfahrungen und es ist überaus spannend an diesen ungewöhnlichen Lernprozessen teilzuhaben.

Steffen Balmer hat ein Rad, einen Rat und gute Ideen!

Steffen Balmer hat ein Rad, einen Rat und gute Ideen!

Was muss sich ändern?
Ganz klar: Leipzig benötigt neue Impulse und eine neue Sensibilität in Bezug auf Konzepte und Strategien der Stadtteilentwicklung. Damit Bürger am Konzept mitwirken können muss die Stadt auf den verschiedensten Entscheidungsebenen weitreichendere Beteiligungsmöglichkeiten anbieten und Vorhaben transparenter gestalten. Ändern muss sich auch der ganz persönliche Beteiligungswille, um schon existierende Möglichkeiten in dieser Entwicklung aufzugreifen, effektiver ausschöpfen zu können. Natürlich ist es wichtig auf die Dinge zu schauen, die zu ändern sind, aber wir sollten unsere Aufmerksamkeit auch auf das Erreichte lenken und Energie in deren Erhaltung investieren. Für mich müssen Stadtteile sozial, kulturell vielschichtig und heterogen sein. Sie sollen Identität stiften und hohe Lebensqualität für alle bieten. Wenn dem nicht so ist, dann müssen WIR etwas ändern!

Wie würden Sie Leipzig beschreiben, für den, der die Stadt nicht kennt?
Leipzig ist eine sehr lebendige und vor allem grüne Stadt. Leipzig ermöglicht mit seinen ausgedehnten Parks und Auenwälder sowie zahlreichen großen und kleinen Gewässern mitten in der Stadt ein wohliges Lebensgefühl. Darüber hinaus ist Leipzig besonders in kultureller Hinsicht sehr facettenreich und aufgeschlossen. Und man findet sehr schnell Kontakt zum eher gemütlichen Leipziger und zu den unterschiedlichsten Szenen und Interessengruppen. Ich bin überzeugt: mit dem entsprechenden Engagement ausgestattet, fühlt sich jeder in der Kunst- und Universitätsstadt Leipzig recht schnell zu Hause.

Welcher Ort ist Ihnen der liebste in der Stadt?
Natürlich gibt es in Leipzig sehr viele schöne Orte, aber der liebste Ort ist mir im Moment eine alte Fabrik in Schleußig, in der ich seit 15 Jahren lebe. Die lichtdurchfluteten und weitläufigen Wohnräume, die soziale und kreative Gemeinschaft unter den Mitbewohner, haben in den letzten Jahren eine lebendige und produktive Atmosphäre geschaffen, die ich nicht mehr vermissen möchte. Und gerade in Augenblicken, in der der Verlust so nahe scheint, realisiere ich, wie sehr mir dieses stolze Gebäude, das zwei Weltkriegen und der DDR-Zeit erfolgreich trotzen konnte, ans Herz gewachsen ist.

Wenn Sie in die Zukunft schauen, welche Pläne und Visionen haben Sie?
Nur wenn ich weiß, was für mein Leben wesentlich ist, kann ich aus dem offenbar nie endenden Strom von Aufgaben, Ansprüchen und Erwartungen eine sinnvolle Wahl treffen. Wenn ich mir keine Ziele setze, erreichte ich auch keine. Eines der nächsten Ziele ist eine Ausstellung zur Alltagsgeschichte von Plagwitz / Lindenau. Die Ausstellung widmet sich Menschen verschiedener Generationen, wie diese ihren Alltag lebten und erlebten, ihre Arbeitswelten sowie den Einfluss, den diese Menschen auf die kulturelle und soziale Entwicklung in beiden Stadtteilen gehabt haben.

Worauf freuen Sie sich in der nächsten Zeit besonders?
Auf das nächste Kultur- und Stadtteilfest Westbesuch, das zum Sommeranfang entlang der Karl-Heine-Straße und auf dem Jahrtausendfeld stattfindet. Diesmal mit deutlich interkulturellen Akzenten, viel Live-Musik und Aktionen. Deshalb dürfen sich alle Westbesuch-Fans, Besucher aus Leipzig und anderswo am 21. Juni ab 11 Uhr in den Leipziger Westen eingeladen wissen.

Text: Volly Tanner/ Foto: Eucaris Guillen

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