Tanner traf Stefanie Schmidt: Als ob ich immer barfuß über spitze Steine laufe

erschien schon im FRIZZ Leipzig:

Früher haben wir japanische Touristenherden belächelt, die knipsend und durch Objektive schauend die Städte bereisten. Mittlerweile hat auch jeder Hiesige eine Kamera, mit der Fische in Tiergärten, Babys auf Rutschen oder trunkne, angemalte Freunde in Kneipen abgeschossen werden.
Dazwischen seelenvolle lichte Perlen zu finden wird immer schwieriger, ist die graue Masse doch so allgegenwärtig.
Die junge Leipziger Kindergärtnerin Stefanie Schmidt mit den großen Momoaugen und der schüchternen Aura fotografiert, wo die Vielen nur volle Kanne drauf halten, empfindsam, zart und kostbar. Und erzählt leise, weise Geschichten dazu – auf ihrer Homepage und in die Herzen der sie Treffenden. Volly Tanner war berührt – und fragte nach:

Hallo Stefanie Schmidt. Immer wieder begegnen mir Fotos von Ihnen, also Bilder, die Sie fotografiert haben – und alle sind unwahrscheinlich filigran und sensibel. Da stellt sich natürlich die Frage nach der Philosophie dahinter. Gibt es eine Philosophie und wenn ja, welche?
Ich denke es geht um das Erkennen – ich möchte Menschen einfangen in ihren wahrsten Momenten. Ich möchte Melancholie und Wahrheit in Form eines Augenblicks festhalten. Die Philosophie wäre wohl sich wirklich zu „sehen“ – dass ich das in den wenigen Stunden des Fotografierens erreichen kann ist wohl eher ein Trugschluss. Ich fotografiere Menschen so wie sie sind … ich verschönere nichts und verwische nichts. Es ist echt so wie es ist. Und vielleicht macht genau das die Bilder so besonders. Zumindest hoffe ich das.

In einer Ihrer Bildrubriken auf Ihrer Homepage – den Fotogeschichten – sehe ich auch Texte. Sind die denn von Ihnen? Und wenn ja, wie kommts zu denen?
Ja, die sind von mir. Worte sind meine große Leidenschaft. Zu gern würde ich mal ein Bildband mit Lyrik vermischen, weil diese beiden Ausdrucksformen für mich einfach nicht trennbar ist. Es ist als schlägt die Poesie noch eine Brücke zu den Bildern, damit wirklich jeder mit hinüber laufen kann.
Die Texte entstehen an dämmrigen Tagen, oft auch in dunklen Nächten, deshalb sind sie wohl weniger positiv. Aber danach suche ich auch nicht. Gleichzeitig sind es auch keine depressiven Texte. Sie beinhalten nur ein wenig Angst, die einfach immer mitschwingt, egal was man tut – so eine ganz leise Wahrheit, die einfach jeder hören kann.

Sie sind ja im Brotberuf Kindergärtnerin. Ihre Bilder sind ebenfalls sehr gefühl- und liebevoll, spielt das ineinander? Wo ist dann aber die ausbrechende Stef Schmidt? Gibt es noch eine dunkle Seite der Frau Schmidt? Und wie leben Sie diese aus?
Ich hoffe das es ineinander spielt. Ich liebe kleine Menschen und auch das Gefühl, das man sie ein Stück in ihrem Wachsen begleiten kann ist großartig. Auch meine Tochter macht mich sehr gefühlsduselig in meinem Lebensverlauf. Es ändert sich einfach alles, mit jedem Schritt den man geht und somit auch die Sichtweise darauf. Mein Ausbruch geschieht vermutlich in Form der Poesie, alles in Worte und Bilder zu packen, was man so nicht zu sagen wagt … ob man dann besser verstanden wird ist die andere Seite. Und ich bin ein Mensch, wie jeder andere auch, meine wirklich dunkle Seite bleibt also geheim.

Sensibel, warmherzig, licht - wie ihre Bilder: Stef Schmidt.

Sensibel, warmherzig, licht – wie ihre Bilder: Stef Schmidt.

Was ist denn überhaupt eine Federseele? Die Frage stellt sich ja automatisch beim ersten Kontakt mit Ihrer Internetseite.
Das weiß ich auch nicht genau. Aber jemand hat das mal zu mir gesagt und ich habe mich sofort angesprochen gefühlt. Und im Nachdenken darüber ist es wohl eine Bezeichnung für mein Inneres. Ich fühle mich hin und wieder zu zerbrechlich oder zu dünnhäutig in dieser „harten“ Welt, als passe ich gar nicht so recht hierher. Es fühlt sich manchmal an, als laufe ich immer nur barfuß über spitze Steine.
Im Grunde ist Federseele trotzdem ein positiver Name, da ich so leicht wie eine Feder mit meinen Träumen davonfliegen kann. Wenn ich will.

Wenn Sie sich eine schönere Welt wünschen dürften, wie würde diese denn aussehen? Ganz konkret!
Wenn ich bei dieser Frage die Augen schließe glaube ich nicht, dass man sich schönere Plätze ausdenken kann als die, die die Welt zu bieten hat.
Wenn ich an mein Herz denke und den Wind in meinem Haar, wenn man übers Meer blickt oder an die Bildbände von Paris oder Norwegen …
Aber eine schönere Welt wäre gefüllter mit Zeit für die Dinge, die wirklich wichtig sind oder auch gefüllter mit der Erkenntnis, was eigentlich wichtig ist … mehr Ruhe einfach … dass jeder Mensch und jedes Lebewesen die Möglichkeit hat, die Dinge zu tun die glücklich machen … nicht so getrieben sein, das wäre, glaube ich, ein schöneres Leben.
Die Liebe erkennen und festhalten können. Frei sein. Frei von Menschen, die nicht gut tun. Aber wir leben nun mal „Hier und Jetzt“. Es gibt aber wundervollerweise kleine Momente, in denen wir glücklich sind. Vielleicht reicht das aus …

Danke für die Antworten.

http://www.stef-federseele.de

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