Tanner trifft Stephan Weidner (DER W): Meine Kerze brennt an beiden Seiten

erschien schon im BLITZ! Das Stadtmagazin Okt 13:

Am 16.11.2013 kommt Stephan Weidner nach Leipzig, ja, genau, der ehemalige Kopf der Böhsen Onkelz und jetzige Selbstsegler DER W. Er wird mit Bobo von The White Wooden Houses, Sven Panne, Markus Siebert, Christian Haase, Dirk Michaelis und anderen – zum Beispiel dem BLITZ!-Redakteur Volly Tanner – für die Kinderhilfe Afghanistan Geld sammeln. Dieses, mittlerweile sechste Konzert für Afghanistan hilft Kindern in den auch von uns ausgebeuteten Gebieten Bildung zu ermöglichen, ganz ohne Mittun staatlicher Stellen und ohne das Geld in irgendwelchen Banken versickern zu lassen. Darüber sprach Volly Tanner mit Stephan – und über die danebengeratene ZDF-Doku „Auf der Flucht“:

BLITZ!: Guten Tag Herr Weidner. Es ist mir eine Freude Sie interviewen zu dürfen – und ganz besonders auch der Anlass des Interviews. Sie unterstützen das Afghanistan.Kinderhilfe.Benefiz im ANKER am 16.11.2013. Wie kam es denn dazu? Hat der Benjamin Weinkauf solange genervt, bis es nicht mehr anders ging? War es eigener Antrieb? Plagt das Gewissen eines Erste-Welt-Geborenen?

Stephan Weidner: Wenn ich es mir recht überlege, hat ein bisschen was von allem den Ausschlag gegeben. Mein Gewissen plagt mich allerdings weniger. Empörung über die augenblickliche Flüchtlings und Asyldebatte trifft es schon eher.

Stephan Weidner weist die Richtung - schräg nach oben!

Stephan Weidner weist die Richtung – schräg nach oben!

BLITZ!: Beim letzten Album, so liest man, haben Sie sich mehr dem Teamplay ergeben, als bei den Vorgängern. Nicht mehr DER W als Kulminationspunkt? Geht der Weg immer mehr zur Gemeinschaft für Sie? Endet das Alleinkämpfertum?

S.W.: Nun, das Hauptaugenmerk wird wohl immer auf meiner Person liegen, aber es stimmt, meine Vorgehensweise auf W III war weniger despotisch als auf seinen Vorgängern. Ob dies zukünftig zu noch mehr Miteinander oder mehr Autokratie führt wage ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu prognostizieren. Ich kann mir immer alles vorstellen und lasse die Umstände, den Moment und die Stimmung entscheiden.

BLITZ!: Sie produzieren auch Bands wie Eschenbach oder SUB7EVEN. Dazu die eigene Band und das gerade für Wirbel sorgende TV-Format „Auf der Flucht“, wo Sie sich auch kritisch zur Umsetzung der Idee äußerten. Was ist denn da schief gegangen? Rock and Roll funzt, doch wenn die ewige Hure TV dazu kommt, ist die Autonomie dahin?

S.W.: Da stimme ich Ihnen zu einhundert Prozent zu. Deshalb habe ich mich dem Fernsehen bis dahin so erfolgreich entzogen. Was ist schiefgegangen? Ich habe mich ködern lassen! Das Thema hat mich interessiert, die Reise schien mir eine wichtige persönliche Erfahrung zu beinhalten und mir wurde eine inhaltliche Seriösität versprochen, von der letztendlich nichts zu sehen war. Statt einer Doku servierte man dem Zuschauer Betroffenheitsfernsehen a la RTL und Co. Mit dem Ergebnis, dass die Menschen nicht über die Probleme Asylsuchender sprachen, sondern über Fernsehgelder und das Format der Sendung diskutierten.

Egal, ich bereue diese Reise nach wie vor nicht. Ich trauere aber über eine vertane Chance. Es gab so viel interessantes Material, wichtige Dialoge, Treffen, Schicksale und schwer Verdauliches zu einem mir wichtigen Thema.

BLITZ!: Wissen Sie schon wie Sie den Abend im ANKER bereichern wollen? Das Konzept ist ja eher so, dass Musikanten auch Lieder von Kollegen und mit diesen zusammen spielen. Gibts das langersehnte Duett zwischen STAHLHOFEN und DEM W?

S.W.: Zwei Gitarren, Stimme und sonst nichts. Mit meinem Gitarristen Dirk Czuja versuche ich unsere Songs so persönlich und intim vorzutragen wie sie es zulassen.

Ob meine gesanglichen Fähigkeiten ein würdiges Duett erlauben stelle ich zu Disposition.

BLITZ!: Was treibt Sie eigentlich? Stephan Weidner gibt es ja nun schon gefühlte Leben auf den Bühnen. Irgendwie scheint ja auch alles erreicht. Gibt es noch Träume? Ganz persönliche – aber auch als DER W?

S.W.: Natürlich gibt es die! Ich träume als Künstler weniger wie persönlich. Erfolg war für mich noch nie Motivation Musik zu machen, allenfalls eine Okkasion die „gefährlichen“ Gedanken aus meinem Kopf zu leiten. Ich halte Träumen und Sterben für etwas höchst Persönliches. Ich möchte die mir wirklich wichtigen Träume nicht ihrer Strahlkraft berauben in dem ich sie mit der Öffentlichkeit teile. Was mich antreibt? Schwer in wenige Worte zu fassen, ganz sicher ist, das meine Kerze an beiden Enden brennt.

BLITZ!: Wir freuen uns auf Ihren Auftritt im ANKER beim Afghanistan.Kinderhilfe.Benefiz und sind hundertprozentig – in Personalunion sogar singend – dabei. Danke für das Interview.

S.W.: Die Freude ist auf meiner Seite.

6. Konzert für Afghanistan, 16.11.2013; 19:00 Uhr ANKER Leipzig

www.konzert-fuer-afghanistan.de

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