Volly Tanner trifft Sven Klöpping: Vielleicht spritzen wir uns Geschichten bald intravenös, vielleicht gibt es dann endlich wahre Storyjunkies

Exklusiv für WALDENBLOG:

 

Sven Klöpping hat die Nase vorn. Das denken zwar viele Erdenbürger von sich, nur haben die meisten von ihnen ihre Nase leider nur im Popo vom Vordermann. Der Klöpping aber schafft Eigenständiges und so muss es auch sein. Derzeit gründet er gerade einen Verlag, setzt sich superheldenhaft für die Science Fiction in Deutschland ein und lyrikkelt daneben auch noch an der kurzen Form. Ein Gespräch mit ihm ist jedenfalls erhellend. Da scheint ein Licht zwischen all der Jammerei auf dem Buchmarkt:

VT: Besten Tag Dir, Sven. Als Autor bist Du ja vielen Literaturfreunden bestens bekannt – auch als Herausgeber der Literaturzeitschrift KASKADEN dürfen wir Dich seit Jahren verfolgen. Nun sattelst Du das nächste Pferd und man mag es schon fast innovativ nennen, dieses Ross. Ich meine die Reihe „9-Cent-Storys“. Was soll das denn sein? Und wie kommts dazu?

SK: Zunächst ist es ein neuer Verlag, den ich gegründet habe. „sternwerk“ heißt er und wird als Edition im etwas bekannteren Szeneverlag „pmachinery“ seine Sterntaufe feiern. Die „9 Cent Story“-Idee hatte ich, als ich meine diversen Schubladen und Ordner durchforstet habe. Da liegen teilweise sehr gute Storys, die bei ihrer Veröffentlichung leider nicht die Aufmerksamkeit gefunden haben, die sie verdient hätten. Auch viele Storys von Talenten, bei denen es leider noch nicht zu einer eigenständigen Sammlung reicht. Ich dachte mir, über das Konzept „9 Cent Story“, also einzelne Geschichten zum kleinen Preis anzubieten, könnten diese schönen Texte etwas mehr Starlight abbekommen. Und für die Talente ist es natürlich eine Chance, sich die Aufmerksamkeit der Sterne zu erschreiben. Nicht alle Storys werden 9 Cent kosten. Es wird welche für 9, für 19, 39 geben – und kleine Sammlungen für 99 Cent. Also alles, was man sich mal eben so aus der Portokasse leisten kann! Außerdem ist bei sternwerk ein neues Genre im Entstehen begriffen: Mayapunk! Das hat in einem Forum schon für viel Furore gesorgt. Ich hoffe, dass da noch ein paar interessante Storys zusammenkommen …

VT:: Nun höre ich schon gleich wieder Menschen in den Verlagshäusern und konservative Buchmenschen einen „Aufschrei“ tätigen: „Verrat am Buch, der Klöpping macht die Preise kaputt!“. Wie ist die Resonanz, die bei Dir ankommt? Gibts Gegenwind? Und ist dieser beachtenswert, weil fundiert?

SK: Bis jetzt sammle ich ja noch die Storys, es ist noch keine einzige erschienen (das wird sich aber in den nächsten Wochen ändern). Nein, bislang habe ich nur positive Reaktionen bekommen – „interessant“ oder „Da mache ich auch mit“. Ich bin gespannt, wie es damit weitergeht …

 

Sven Klöpping, wie er sich nach oben lächelt!

Sven Klöpping, wie er sich nach oben lächelt!

VT: Dein Verlag sternwerk trägt als Slogan „Bücher von übermorgen“ vor sich her. Damit ist die Art des Produzierens, aber eben auch die Themenwahl gemeint, denke ich da als Interessierter sofort. Wo, denkst Du wiederum, befindet sich übermorgen der Buchmarkt? Wie konsumieren in hundert Jahren Menschen in unserer Hemisphäre Literatur?

SK: Bei sternwerk ist es vor allem die Themenwahl, würde ich sagen (wir produzieren ja auch ganz klassische Bücher). Es handelt sich nämlich um einen SF-Spartenverlag, also nix für schwache Nerven. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir in ein paar Jahrzehnten schon erste Implantate haben werden, die uns mit News, Messages und eben Storys versorgen (oder sollte ich sagen „feeden“?). Längere Texte werden weiterhin schwarz auf weiß erscheinen, aber gerade bei den kürzeren wird es eine technische Revolution geben. Vielleicht spritzen wir sie uns intravenös, vielleicht gibt es dann endlich wahre Storyjunkies … und vielleicht gibt es dann ja auch endlich Duftbücher oder Fühlbücher, bei denen man die Atmosphäre in der Geschichte am eigenen Leib miterleben kann.

VT: Erzähl mal bitte ein bisschen etwas zum MegaFusion-Universum. Was ist dies denn für eine Welt und wozu gibt es die?

SK: Das ist mir alles um die Jahrtausendwende herum eingefallen. Jeder hatte seine persönliche Zukunftsvision, alle hatten Angst vor dem großen Crash, ich lebte in Frankfurt/M. – das ideale Umfeld um sich ein solches Szenario auszudenken. Mittlerweile ist MegaFusion nicht einfach nur eine riesige Stadt die unseren Planeten bedeckt, sondern erfüllt von neuartigen sozialen und technologischen Konzepten. Eine Storysammlung mit Gaststorys wird demnächst bei sternwerk erscheinen (Achtung: kreativ!). Ein erster Roman von mir steht kurz vor der Fertigstellung. Wer will kann auf der Website mehr erfahren: http://lyriko.vs120130.hl-users.com/SKloepping/MegaFusion/index.htm

VT: In der Science Fiction ist gerade Sauerkrautzeit oder Saure-Rüben-Zeit (wo kommt denn dieser Begriff eigentlich her?), sobald man sich nicht Ziegelsteine schreibend mit Elfen und Orks und Space Operas kriegslüstern befasst. Hat die SF eine Zukunft, vielleicht eine Zukunft nach dem Krimihype? Oder ists so in Ordnung, wie es gerade ist?

SK: Es könnte natürlich alles besser laufen, aber eigentlich muss man immer mit dem zufrieden sein, was die Trends gerade so hergeben. Klar, die SF kommt nicht allzu gut dabei weg. Aber ich sehe es auch als Chance, Neues auszuprobieren und die festgetrampelten Pfade der Verlagswelt mal um ein paar individuelle und innovative Konzepte zu bereichern. Insgesamt ist es aber schon besser geworden als vor zehn Jahren – nur dass jetzt nicht mehr die großen Verlage den Ton angeben, sondern mehr und mehr die Kleinverlagsszene. Was ja auch wieder eine Möglichkeit für neue Talente ist, entdeckt zu werden.

VT: Und Dein nächstes Buch? Wann kommts? Ein richtiger Klöpping wär doch mal wieder was!

SK: Ja. Es kommen verschiedene. Nach und nach. Zunächst einmal „ein richtiger Klöpping“ – fiese, dreckige MegaFusion-Storys (bei pmachinery). Beim selben Verlag soll auch irgendwann mein erstes gedrucktes Lyrikbändchen erscheinen („ein stück wirklichkeit“). Und dann ist da noch mein Roman, der fast fertig ist: „Der Tag an dem die Welt ausfiel“. Darin geht es um eine Welt, in der nicht mehr nach Arbeitsleistung, sondern nach Verhalten entlohnt wird. Nach dem Motto: nicht mehr hochschlafen, sondern hochlächeln! Mehr Infos und Leseproben finden sich auf meiner Website: http://www.svenklöpping.de

VT: Danke für das Gespräch.

SK: Bitte, bitte. Einen schönen Mittwochabend wünsche ich.

Websites:

Sven Klöpping: http://www.svenklöpping.de

Kaskaden: http://www.lyrikzeitschrift.de

sternwerk: http://www.sternwerk.pmachinery.de

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