Grußwort Volly Tanner (Vorstand Sächsischer Literaturrat) zur Veranstaltung „Von der SEELE schreiben“ am Freitag, den 31.05.2013 im Tageszentrum Vielfalt „Die Scheune“ zu Leipzig

 

Einer der größten Autoren, Poeten und Romantiker der Jetztzeit sagte in der Zeitschrift Euroman vom September 2001: „Bloß weil man nicht so gut schreiben kann wie Shakespeare, heißt das doch noch lange nicht, dass man deswegen mit dem Schreiben aufhören sollte.“ Der so tief stapelte war Leonard Cohen, über dessen Wirken ja nirgendwo mehr irgendwelche Diskussionen entfacht werden dürften, außer von den richtigen Deppen oder von Popdiskursjournalisten – aber was die vor sich hin salbadern ist ja sowieso völlig nebensächlich.

Also kann schon mal der Einwand: „Ich kann das nicht so gut wie DER!“ nicht gelten. Gelten jedoch und als Antrieb zu Schreiben sollte immer ein anderes Statement des großen kanadischen Piraten der Liebe: „Mein Schaffen ist einfach meine Art, die Welt zu regieren. Es ist an der Zeit, dass nicht immer nur die Gewinner an der Macht sind.“. Natürlich ist dieser Spruch schon etwas älter, von 1970 gar, aber eben wie bei Wein nicht schlechter durch die Reifung.

Das Plakat der Veranstaltung!

Das Plakat der Veranstaltung!

Das ist es, was wir tun hier auf Erden, wir schütten den Inhalt unserer eigenen Kapsel vor die Füße von Menschen und versuchen sie in unsere Gedanken und Geschichten hineinzuziehen, damit wir die Chance bekommen sie zu berühren und zu berühren. Völlig egal, wie viel die Coutsch gekostet hat, auf der wir uns lieben, wenn der Rhythmus nicht stimmt, bringt das beste Leder nichts.

Und deshalb freue ich mich auch über den heutigen Abend und den Grund Eures Zusammenkommens – ich bin derzeit in Hochzeitsvorbereitungen und deshalb etwas derangiert – die Veranstaltung „Von der SEELE schreiben“ mit den Leipziger Lyrikern Marion Rother, Clemens Morgenstern, Uwe Fröhlich & Torsten Fink.

Mag ich doch doppelte Böden und Gedanken, die sich um Ecken wagen.

Von der SEELE schreiben – klingt erst mal ganz nett, lässt uns aber wandern zwischen zwei feinen gelben Backsteinwegen wählend und uns auf Überraschungstour ziehen. Da ist dieses „Von der SEELE schreiben“ als: „Sachen schreiben, die etwas mit SEELE zu tun haben, die gar SEELE haben.“ wobei die SEELE noch nicht ganz so greifbar und wissenschaftlich bewiesen ist um ihr alle lyrische Heimlichkeit zu rauben – und das „Von der SEELE schreiben“ im Sinne von: „Meine SEELE ist ein Rücken mit einem prallevollen Rucksack drauf und der drückt und macht Schmerzen und nun öffne ich den Rucksack mal und schreibe Euch was darinnen die Schwere ist.“.

Beides Herangehensweisen an ein Thema, nämlich DIE SEELE, die uns hoffentlich unterscheidet, uns Wenige im Meer der Vielen, die sich Gedanken machen über SEELE und ZUKUNFT und LUST und BEWUSST/SEIN.

Und dass die vier Lyriker sich aufs schwankende Brett wagen und ihre Texte zur Anhörung bringen, sie damit und eben auch ihre Wahrheiten ins Rund der Mitmenschen werfen, dass ist jede Unterstützung wert. Schließlich heißt Mensch-Sein vor allem Mit-Mensch-Sein und dies wiederum Mit-fühlen und Zuhören-Lernen und Erkennen.

Ich freue mich auch darüber, dass Gemeinsamkeit entstehen kann an solch einem Abend. Wird doch gerade Gemeinsamkeit so oft laut weggelacht, dieses leise Glück von Wärme und Kommunikation, da, wo es nur noch um Eintrittspreise und Publikumszahlen geht in den Literatur- und SlamPoetryHochburgen, zwischen Menschen(un)würde in der Darbietung krachender Witze, damit die Kasse stimmt und der Abverkauf der Produkte angeheizt wird.

Macht es anders ist da mein Rufen, macht, was Euch selber und Euch ganz einzeln und menschelnd erwärmt. Macht Licht an. Macht Feuer. Und macht damit die Mächtigen ohnmächtig, weil Ihr Euch ihnen entzieht und ihren Manipulationen und Angstmachereien. Und macht eine Flasche Rotwein auf, eine gute, die von Erde und Regen zu erzählen weiß.

Ich wünsche Euch einen Stich ins Herz beim Zuhören, ein bisschen Gänsehaut und den Lufthauch im Nacken, den das Flattern eines literarischen Schmetterlings erwirkt.

Denn dieses Flattern verändert die Welt.

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