Inszenierung ist Gift für meine Lieder. (Tanner trifft Falkenberg)

erschien gerade im BLITZ! Leipzig/ Halle/ Thüringen & Co:

 

FALKENBERG tourt wieder und weiter und immer noch. Daneben hat er weise Dinge von sich zu geben, was Grund genug ist, dass Volly Tanner ihn auf ein Getränk ans Diktiergerät bat und bekam.

BLITZ!: Guten Tag FALKENBERG. Du bist ja wieder auf Tournee mit Deinem letztjährigen Album FREIHEIT. Wie verkauft sich denn das gute Stück? Ich meine, nachdenken über Freiheit ist ja nicht gerade die massenkonsumistische Herangehensweise. Lässt sich so schlecht dazu abschalten und auf die Schenkel klopfen. Funzts trotzdem?

FALKENBERG: Bis jetzt läuft es ganz gut, doch Massen begeistert man mit einer klaren Position nicht, die stört eher und das soll sie ja auch, stören. Es reicht meiner Meinung nach nicht aus, ein angetäuscht; gesellschaftskritisches Songblabla für‘s gute Gewissen zwischen Banalitäten auf’s Album zu Packen und dann fehlt auch noch die Haltung dahinter. Man sollte seine Standpunkte glaubwürdig vertreten können und mit Handeln untermauern. Das können die Kollegen aus der Mainstreamabteilung gar nicht leisten, da sind die kommerziellen Zwänge viel zu stark, die Einflussnahme der Geldgeber ist viel zu bestimmend. Man muss sich entscheiden, denke ich. Wenn man sich jedoch für die „dunkle Seite der Macht“ entschieden hat, sollte man auch bitte dazu stehen. Die Leute lassen sich sowieso nicht verarschen.

Stylermän Falkenberg gibt Weisheiten zum Besten.

Stylermän Falkenberg gibt Weisheiten zum Besten.

BLITZ!: Deine Konzerte berühren die Menschen. Hört man sich rum, dann sind alle, die Dich erleben duften in letzter Zeit, voll des Lobes. Was ist Dein Geheimnis? Performen vor Volk – das machen ja Viele – aber das Volk erreichen schaffen doch nur Wenige. Erzähl mal!

F.: Inszenierung ist Gift für meine Lieder. Ich glaube die kleine Form meiner Solokonzerte gibt dem Pathos keine Chance und hebt die klassische Barriere zwischen Künstler und Publikum auf. Bühne und Zuschauerraum transformieren zur WG-Küche und machen dadurch direkte Kommunikation möglich. Vielleicht ist es das?

BLITZ!: Im Juli gibt es Dich auch wieder in der Rocky Horror Show in Dresden. Wie muss man sich das denn vorstellen? Falkenberg in Transsylvanien und queer und engmaschenbestrumpfhost? Singst Du da auch?

F.: Ich singe den Eddie, der im Film von Meat Loaf performt wurde. Keine Strapse und High Heels, dafür Leder und Boots mit denen ich im wahren Leben, aufgrund ihres Gewichtes, keinen Schritt vor die Tür machen könnte. Ich kann nur jedem empfehlen sich diese gelungene Inszenierung nicht entgehen zu lassen. Toller Cast, die Band rockt und es werden auch nicht mehr so viele Shows an der Dresdner Staatsoperette gespielt.

BLITZ!: FREIHEIT ist ja mittlerweile auch schon ein älterer Hut. Kommt der Nachfolger bald? Oder brauchts eigentlich gar nicht mehr jedes Jahr einen Silberling?

F.: In letzter Zeit habe ich aller zwei Jahre ein Album veröffentlichen können. Ich habe genug Ideen für neue Lieder. Wenn alles gut läuft werde ich im März 2014 mein zwölftes Studioalbum veröffentlichen. Es ging mir nie darum, ob es das braucht, sondern vielmehr ob die Lust am Schreiben und Produzieren groß genug bleibt, ob die Ideen interessant sind und mich herausfordern. Ich glaube, dass dieser immer wiederkehrende Prozess die Chance ist sich zu entwickeln, daran zu wachsen.

BLITZ!: Was treibst Du so neben der Kunst? Auch ein Falkenberg ist ja mal ein Ralf Schmidt zwischendurch und will Frühling und Sommer und vielleicht Kleingarten in Halle/Trotha oder Brieftaubenzucht.

F.: Ich finde soviel Glücksichsein in meiner Kunst und den Reaktionen darauf. Das und die Liebe lassen mich nichts vermissen. Für dieses Leben bin ich dankbar.

BLITZ!: Vor den Kathedralen – Deine Stellungnahme zum derzeitigen kapitalistischen, menschenverachtenden Wahnsinn – wurde äußerst positiv aufgenommen. Gabs auch Gegenstimmen?

F.: Ja, die gab es. Wir sind zwar im Grunde genommen alle der Meinung, dass die derzeitige Wirtschafts- und Gesellschaftsform sich dringend wandeln muss, weil der Mensch darin kaum noch Beachtung findet, aber der Weg und das Wohin stehen zur Diskussion. So soll es doch aber sein. Das kollektive Nachdenken darüber hat begonnen und ist damit endlich aus der elitären Ecke raus. Politiker, macht den Job für den wir Euch bezahlen, in unserem Sinne.

BLITZ!: Gibt es besondere Wünsche Deinerseits an Dein Publikum? Es soll ja Comedians geben, die sich bestmögliche Verdusselung von Ihren Konsumenten wünschen. Nun machst Du kein Schenkelklopferprogramm. Also. Wünsche sollen ja bekanntlich helfen.

F.: Das ist eine wirklich schwierige Frage. Darf ich Wünsche an mein Publikum äußern? Ich glaube, das steht mir nicht zu.

BLITZ!: Danke Ralf für Deine Antworten.

Tourtermine & Informationen:

http://www.falkenberg-musik.de/

Text: Volly Tanner/ Foto: FALKENBERGpromo

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