Tanners Interview mit Andreas Hähle: Ich kann mir zum Beispiel meinen tollen Körper in skulptureller Form als Stieleis ganz gut vorstellen.

erschien schon in der Leipziger Internetzeitung:

Er schob ihren Rock hoch und drang in sie ein.“ Solche Sätze wollte Andreas Hähle nicht mehr lesen, weder laut noch leise. Deshalb schrieb der Ex-Bornaer selber ein Programm zum Thema Nummero Uno und bringt dieses nun nach Leipzig in die Le Petite Absintherie in der Münzgasse. Im Gepäck hat er Francis D.D. String, den Schwerenöter – und von verspielt-süffisant bis zur grenzenlosen Gier ein wirklich scharfes Anheizen. Volly Tanner traf ihn im Reich der grünen Fee, deshalb wurde das Gespräch auch etwas ausufernder:

Andreas Hähle freut sich schonmal diebisch auf Absinth und lose Sitten in Leipzig.

Andreas Hähle freut sich schonmal diebisch auf Absinth und lose Sitten in Leipzig.

Am 05.04. bist Du in Leipzig mit einem Eroticprogramm und Francis D.D. String zugange. Wie geht denn dies beides zusammen. Francis knittert doch immer mehr vor sich hin, während er an seinen Saiten streichelt. Was solls denn da geben?

Ich wähle als musikalische Begleitung immer mal verschiedene Musiker aus. Sie müssen drei Aspekte erfüllen. Sie müssen erst mal gut sein, sie müssen auch noch gut aussehen und sie müssen aus der Region stammen, in welcher ich gerade bin. Beispielsweise werde ich in Berlin von einem Harfenisten begleitet, der Heavy Metal Fan ist und auch wie einer aussieht, Felix Rofall. Er spielt aber die zarteste keltische Harfe, die ich je gehört habe.

Man kann das also auch als Pendant zu einer Casting-Show betrachten. Nämlich an der Stelle, an welcher man sagt, was du kannst, wissen wir ja nun alle, aber was kannst du noch? Francis D.D. String ist ein hervorragender Gitarrist und ein kluger Musiker. Er weiß, worum es inhaltlich geht. Vielleicht werde ich ihm gelegentlich noch ein paar praktische Tipps geben. Das werden wir sehen. Er hat sich darauf eingelassen und nun muss er da durch. Wenn er versagt, wird er geschmissen.

Im Ernst haben wir schon längere Zeit das Bedürfnis, etwas gemeinsam zu machen und da ist die Begleitung dieser Lesung eher eine Annäherung von einer Seite, von der wir uns noch gar nicht angenähert haben. Wenn Du verstehst, was ich meine … Zudem sieht er ja auch gut aus und stammt aus der Region. Vielleicht wird’s ja ein spannendes Spiel zwischen zwei unterschiedlichen Künstlern und spätestens da, wo´s auch im Text ein wenig dreckig wird, kommen wir dann wieder zueinander. Oder heißt das beieinander?

Du schreibst neben Deinen „heißeren“ Sachen auch Texte für – zum Beispiel Dirk Zöllner und die Söhne Mannheims. Gibt es auch Bücher? CD´s? Radioformate? Sag doch einfach mal den Leipzigern was Du so alles machst, wenn die Nacht am tiefsten ist.

Das Schreiben von Texten ist der hauptsächlichste Teil meiner Arbeit. Nicht nur aus finanziellen Gründen nenne ich daher diese Tätigkeit meinen Beruf. Übrigens schreibe ich neuerdings auch Texte für Francis D.D. String, wir haben zumindest angefangen, in diese Richtung zu arbeiten. CD´s gibt´s jede Menge mit meinen Texten, glaube ich, und seit 2012 werden es wieder mehr. Ich habe ja jahrzehntelang als Texter pausiert, aus verschiedenen Gründen. Wo man was finden kann, lässt sich leicht auf meiner Homepage herausfinden: http://www.andreas-haehle.de . Auch mit wem ich zusammenarbeite. Nur nicht, warum.

Ein Buch gibt es von mir, allerdings nur bei mir. Während des Drucks dieses kleinen handlichen Dingens ist der Verlag pleite gegangen und es gab keine ISBN, so dass ich das Buch nur selbst veräußere. Wenn die Anzahl, die ich während meiner Sachsen/Thüringen-Tour Ende März/Anfang April mitnehme, noch nicht bei den anderen Veranstaltungen aufgebraucht ist, werde ich in Leipzig gewiss welche bei mir haben. Ansonsten kann man das auch über meine HP bestellen. Es heißt „… und schuld an allem ist das Leben, die Sau“. Mehr steht da eigentlich auch inhaltlich nicht drin. Irgendwann wird es sicherlich auch etwas Erotisches von mir zu kaufen geben. Da überlegen noch einige. Ich kann mir zum Beispiel meinen tollen Körper in skulptureller Form als Stieleis ganz gut vorstellen. Mit Zettel drin, wie bei einem Glückskeks.

Radio mache ich tatsächlich auch. Das ist die Sendung „Wahl-Lokal“ auf www.rockradio.de – ein Internet-Radioformat, das wirklich toll und empfehlenswert ist. Meine Sendung kommt da jeden 1. Sonntag im Monat von 16.00 Uhr bis 18.00 Uhr live. Es ist eine Wertungssendung für rein deutschsprachige Musik mit jeder Menge Live-Interviews. Mir gefällt sie sehr gut, weil sie einfach Spaß macht, lustig ist und irgendwie informativ zugleich. Ich kann kein diszipliniertes Radio machen. Die nächste Sendung ist am 7. April, da kann man ja gerne mal reinhören. Als Gäste erwarte ich da Frank Proft, die Band Der Internationale Wettbewerb, den Liedermacher Norbert Nitsche aus Weimar und die Harfenistin Jeanine Vahldiek. Diese Sendung moderiere ich gemeinsam mit Jürgen Karney, falls der Name jemandem noch etwas sagt. Das wird mit Sicherheit lustig.

Ich trete mit einem Kinder-Mitmach-Theater-Programm „TIMMI und der kleine Käfer“ auf, wenn’s mal gewünscht wird, nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Petra Glinka. Für Erwachsene gibt es außer dem erotischen Programm auch ein sehr filigran-wunderschönes Spiel von Text und Musik mit dem Programm „Rügen – Inselland“, welches ich mit der Geigistin und Bratschenistin Anja Hawlitzki, die u.a. bei „boons & fellows“ sowie bei „Jan Preuß & die Geheime Gesellschaft“ spielt, erarbeitet habe und aufführe.

Ab 2014 oder 2015, mal sehen, spiele ich gemeinsam mit Dirk Zöllner in einem Musical. Das müssen wir beide aber erst schreiben. Zuerst ist aber eine Song-CD dran von „Die Zöllner“, die wir bis Ende Mai fertig geschrieben haben wollen und die dann im März 2014 veröffentlicht wird. Das machen wir gerade. Es wird übrigens die erste komplett kollektiv erstellte CD der „Zöllner“ sein. Wir haben fast alle Texte des neuen Materials, bis auf zwei Ausnahmen, gemeinsam geschrieben. Bei den Kompositionen ist das ähnlich, nur dass ich da lieber nicht mitgemischt habe.

Mit der Erotik-Lesung mache ich übrigens ab und an auch Hausbesuche.

Also ich bin irgendwie beschäftigt und wenn ich das nicht bin, habe ich als Ausgleich einen „Farmerama“-Account.


Geboren wurdest Du in Borna, das ist ja hier gleich „umme Egge“. Tränt manchmal ein Sehnsuchtstropfen nach Sachsen? Ich denke mal Berlin, wo Du derzeit lebst, frisst doch seine Kinder.

Stimmt, da komme ich her, geboren in Zwibbel-Borne. Aufgewachsen bin ich allerdings in Neukieritzsch, in Borna haben sie mich nur geholt sozusagen. Ich lebte also mitten in einer Enklave, umzingelt von Kraftwerken und Schornsteinen. Ich war also eingekesselt von Phallus-Symbolen. Ich kann daher für gar nichts irgendwas selber. Vielleicht lasse ich mir gelegentlich mal dazu ein psychiatrisches Gutachten erstellen, wenn die Prüderie in Deutschland wieder überhand nimmt.

Später habe ich allerdings jeweils sehr sehr viele Jahre in Stralsund, Dresden und Gera gelebt. Gera war der letzte Härtetest vor Berlin. Wer da geistig unbeschadet überlebt … der braucht sich vor Berlin nicht mehr fürchten. Ich habe auch gehört, dass Berlin seine Kinder frisst. Aber ich bin ja kein Berliner Kind. Ich bin da hingezogen, habe dort meinen Willen bekundet und ihn nach und nach bekommen. Man muss mit Berlin eine spirituelle Verbindung eingehen, dann funktioniert das, glaube ich. Ich lebe ja nicht in Mitte oder so, wo man schnell satt hat, was man an Leben ergierte. Ich lebe total spießig im beschaulichen Spindlersfeld in ziemlich direkter Nachbarschaft zu Goyko Mitic, André Drechsler von Jessica, Uwe Jensen und Frank Schöbel. Die ersteren beiden treffe ich öfter mal, mit André mache ich bisschen künstlerisch rum, wir sind ja aufm Dorf, wir haben ja Zeit. Und Köpenick ist das Beste, was einem in Berlin passieren kann. Ich hatte außerdem das Glück, nicht als unbeschriebenes Blatt nach Berlin gegangen zu sein. Ich musste nur meinen Kontakten Bescheid stoßen, dass ich jetzt da bin. Normal ist das sonst nicht, sich innerhalb von drei Jahren in der Hauptstadt eine solche nette Reputation aufbauen zu können wie ich das durfte.

Sehnsucht nach Sachsen habe ich nicht. Ich bin doch total oft hier. Wenn auch meistens privat. Das ist bisschen weniger geworden, seit nun auch Christian Haase bei mir in in fast unmittelbarer Nachbarschaft wohnt, aber gänzlich eingeschlafen sind meine Besuche hier nicht.


Zurück zu Deinem Auftritt am 05.04. – nun ist ja literarisches Geilsein recht schwierig zu interpretieren. Wie machst Du die Zuhörerschaften feucht? Nur Stimme – oder gibt’s noch nen Strip?

Ich selbst bin ja gar nicht geil. Ich kenne die Texte alle, auch wenn ich sie ab und zu austausche. Und ich muss auch ein wenig aufpassen, dass ich es nicht übertreibe. Ich wurde bereits dafür kritisiert, dass nirgendwo bei der Ankündigung stand, dass Damen Wechselunterwäsche mitbringen sollten. Na, vielleicht mache ich mal einen Sponsoring-Vertrag mit jemanden, der so was herstellt und biete das dann mit an. Es sind also nur die Texte und nur die Stimme. Bei alleinstehenden Damen – vielleicht auch bei manchen Herren – die erotischen Phantasien, die sie dann zu meiner Person entwickeln. Aber es hat sich noch keine getraut, die gleich mal mit mir ausleben zu wollen. Da muss ich noch dran arbeiten.

Im Prinzip ist das, was ich da mache, ironisch-erotisch-pornographisches Entertainment mit einer ganzen Masse an zugelassenem Kopfkino und Humor. Ich lese ja nicht nur, ich erzähle auch viel und mitunter lassen sich auch kleinere Unterhaltungen mit dem Publikum nicht vermeiden. Wo sich Sex mit Humor und Phantasie verbünden, kann die Flüsse eh keiner mehr aufhalten. Und ich denke nicht daran, mich in inhaltlicher Zurückhaltung zu üben. In Berlin, wo ich öfter schon las, habe ich die Erfahrung gemacht, dass eine nicht zu übersehende Anzahl von Menschen in den Lesungen immer mal wieder kommt. Das ist der Effekt des Koitus interruptus. Wie bei einer Beziehung. Wenn der Abschluss-Fick fehlt, kommste nicht raus aus der Nummer.

Gegen einen Strip innerhalb der Lesung habe ich nichts einzuwenden. Bis jetzt hat mir den aber noch niemand geboten. Vielleicht lag´s daran, dass es schon kälter wurde, als ich im September das erste Mal las. Mal sehen, wie´s im Sommer wird … Ich sehe es manchen an, dass ihnen während der Lesung jedes Kleidungsstück zuviel ist. Die meisten erwarten vielleicht auch einen Strip von mir. Aber die „Ausziehen! Ausziehen!“-Rufe gab´s noch nicht. Das wäre vielleicht auch gar nicht so gut, wenn ich das machen würde. Wer soll das denn bezahlen? Die ganzen Ohnmachtsanfälle, ärztliche Nothilfen und all so was …


Hast Du einen besonderen Wunsch an die Leipziger, die am 05.04. zu Dir in die Absintherie in der Münzgasse kommen?

Kommt nicht verkrampft in die Lesung und auch nicht verkopft. Das meine ich seelisch und körperlich. Kommt günstigerweise ohne Auto, genießt den Abend und lasst Euch feucht verwöhnen. Und denkt Euch schon mal ne Stelle aus, wo ich mein Autogramm hinschreiben kann. Ihr dürft so ziemlich fast alles machen innerhalb der Lesung. Seufzen, stöhnen, kichern, lachen, Eure Nachbarn bekrabbeln, falls denen das gefällt. Husten ist weniger gut, das törnt erfahrungsgemäß die anderen Zuhörer immer etwas ab. Und gefallt Euch selbst. Das macht dann sehr viel Spaß! Und das möchte ich: Spaß bereiten und selber Spaß haben. Zwischenrufe und –kommentare kommen eh immer. Fühlt Euch frei, den Rest machen wir dann schon, der Francis und ich.


Danke für die Antworten!

Mehr über Andreas Hähle:

www.andreas-haehle.de

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