Es gibt Klischees, die müssen bedient werden! (Volly Tanner trifft Stahlin)

erschien schon im FRIZZ Stadtmagazin für Leipzig:

Am Samstag, dem 09.03.2013 kommts in der Moritzbastei zum IV. Stahlfest. Darüber muss gesprochen werden – mit Stahlin – dem Ideengeber und Haupthammerschwinger der ganzen Chose:

Hallo Stahlin. Sie sind der Namenspatron der Stahlfeste, wovon es im März in der Moritzbastei das mittlerweile Vierte geben wird. Wie kam es denn dazu?
Zum 4ten mal kommts weil ich Bock drauf hatte und in die MB bin ich gewandert weil es praktisch ist. Wir waren letztes Jahr im Bandhaus, davor im Helheim. Sehr angenehme Lokalitäten aber leider etwas zu klein für dieses Jahr. Ich habe auch schon Ideen und Anfragen für weitere Geschichten, da lohnt es sich räumlich etwas flexibel zu sein. Vielleicht wirds über die Jahre eine Reise durch die Konzerthallen der Stadt, wer weiß. Momentan bin ich aber sehr zufrieden über die Zusammenarbeit mit der MB.

Stahlin schaut stahl-hart

Stahlin schaut stahl-hart

Heuer haben Sie Eis (mit zwei Punkten über dem i – die ehemaligen Geist) im Boot, dazu Tauthr und AIN – aber eben auch cntmpt – wie spricht man denn sowas aus und was machen die überhaupt? Krach ohne Vokale?
(muss laut lachen) Krach ohne Vokale! Das gefällt mir! Aber das trifft auf cntmpt (sprich contempt) tatsächlich zu. Drei Leipziger, die sich zu einem Instrumental Metal Projekt vereinigt haben. Meine Band Cold Aeon hatte im Oktober letzten Jahres einen Auftritt mit AIN, daher kennen wir uns. Sehr angenehme Leute und musikalisch ganz großer Sport. Tauthr. Purer Black Metal. Dazu muss wahrscheinlich nichts gesagt werden, da es ein Zweitprojekt der Endstille Leute ist. Und
Eïs sind ein absoluter Glückstreffer. Vertonte Blasphemie ohne dabei polemisch zu werden. Auf jeden Fall hörenswert und sicher auch interessant für den ein oder anderen Nichtmetaller.

Was unterscheidet Ihr Stahlfest eigentlich von den anderen Festivals härterer Gangart, die ja wie Bolzen aus dem Erdwerk schießen?
Gute Frage. (überlegt eine Weile) In den letzten Jahren ist es in der Szene immer unschöner geworden. Jeder, der drei Bands kennt und vier Quadratmeter Bühne hat ist auf einmal „Veranstalter“. Daraus folgt, dass die eh schon überschaubare Szene immer zerrissener wird. Also muss man gegenlenken. Was folgt ist das übliche Preisdumping. Auf einmal hast du Leute die dir 8,-€ Eintritt für fünf Bands aus der Tasche ziehen, wovon eine frisch aus dem Proberaum kommt und qualitativ nicht mehr abliefert als eine Liveprobe, drei Bands die sich weder sehen noch hören lassen können aber „halbwegs annehmbar“ sind und einen Headliner der dann „ganz okay“ ist. Gleichzeitig bekommen die ersten drei Bands dann keine Gage, werden nicht am Catering beteiligt und müssen ihre Getränke selbst zahlen. Das habe ich alles schon zu oft erlebt. Und dann steht man da und muss den Leuten erklären warum sie für vier Bands 10,- oder gar 12,-€ bezahlen sollen? Das ist total irre! Du musst den Spagat schaffen, die Bands zufrieden zu stellen und ordentlich bezahlen, Qualität abzuliefern und die Besucher mit einem niedrigen Eintrittspreis milde zu stimmen. Cold Aeon hatten auch schon den Fall, dass wir einen Gig hatten und um unserer Gage geprellt wurden weil der „Veranstalter“ es versäumt hat ordentlich Werbung zu schalten und im Anschluss keine Gäste da waren. Sehr unschön. Was das Stahlfest angeht habe ich aber ein paar Berserker um mich gescharrt und in der MB einen vielversprechenden Partner gefunden, mit denen ich die Aufgabe sehr gut lösen kann.

Für Außenstehende wirkt die Metalszene recht männerlastig. Irrt da der Betrachter? Und wenn nicht, wie lebt sichs permanent finsterblickend und muskelspielend?
Eigentlich ganz gut (lacht). Es gibt Klischees, die müssen erfüllt werden. Interessanterweise ist die Metalszene gar nicht so männerübervölkert wie man immer denkt. Zumindest was das Publikum angeht. Wenn‘s ums Bandgeschehen geht, stimmt das natürlich.

Hat Metal eigentlich irgendeine gesellschaftliche Relevanz? Nur Krach ist ja zu kurz gegriffen, denke ich mal. Was will und was kann Metal?
Ich glaube da könnte ich jetzt bis ins Unendliche ausholen. Metal kann vor allem polarisieren und will dich zu einer Reaktion zwingen. Egal ob man Metal als Hörgenuss, musikalische Genialität, mitreißenden Irrsinn oder simpel als Krach und Gitarrengedresche bezeichnet, Metal ist vor allem eines, nicht belanglos! Hör dir mal frühe Sachen von Cream oder Coven an. Das waren die Anfänge. Seit fast 50 Jahren ist Metal fester Bestandteil der Musikszene. Gesellschaftlich gerne als Abfalleimer oder Wurzel alles Bösen betitelt und immer kontrovers. Ich erinnere nur an Black Sabbath und Twisted Sister in den 80ern. Mayhem und die norwegische BM-Szene in den 90ern. Oder Marilyn Manson und Rammstein in den 2000ern. Die Liste kann man ewig weiterführen. Aber dazu sollte man sich selbst ein Bild zusammenfügen…

Gibts beim IV.Stahlfest irgendwelche Specials? Jägermeister-Go-Go´s mit Stahlnietenhalsbändern oder sowas?
Du darfst den Job gerne übernehmen. Kannst ja den André (Kudernatsch) fragen ob der mitmacht. Nein im Ernst, wir machen nen fetten Abend und werfen Blastbeats ohne Ende in die Menge!

Danke für das Gespräch. Ich duck mich dann mal weg.

Text: Volly Tanner/ Foto: von Wickenhöfer

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