Der PRINZ verschwindet. Ein Abgesang von Volly Tanner

erschien schon im port01 Leipzig:

Ist schon eine traurige Geschichte mit dem PRINZ. Was? Sie haben es nicht mitbekommen? Liegt vielleicht daran, dass Sie ihn nicht gelesen haben. Weil es vielleicht auch nicht wirklich etwas zu lesen gab – sagen Sie? Nunja.
1986 jedenfalls startete das kunterbunte Hochglanz-Lebensgefühl-und-Stil-Magazin euphorisch. Deutschlandweit rauschte der Blätterwald. Junges Volk fühlte sich verstanden und der Jahreszeiten-Verlag langte zu und baute aus, heile bunte Werbewelt.
Knapp 25 Jahre später hat sich das Universum weiter gedreht und einen PRINZ eben verloren. Bricht auch kein Krieg aus deswegen und keine Hungersnot, würde Juli Zeh sagen und mit ihr die meisten anderen Menschen. Schließlich griffen im 82-Millionen-Land nur noch 150.000 Leute zu. Warum auch immer.

by volly tanner

by volly tanner

Großstadtheiserkeit und -heiterkeit in Leipzig, Düsseldorf, Hamburg, München, Frankfurt, Stuttgart, Bremen, Köln, Hannover, Berlin, Dresden und Nürnberg.
Schussendlich warf der Prinz noch mit Rabattcoupons um sich und testete meine Stadt in die Öde. Welcher Asia-Imbiss ist der Beste? Mir doch egal, ich gehe immer zum Laden in der Merseburger Straße, da sind Falun Gong am Machen und es schmeckt. Und falls ich wirklich nicht mehr weiter weiß, woher oder wohin, dann frag ich einfach im Facebook herum und meine mehrtausend Freunde machen mir dann Vorschläge – wozu also ein PRINZ?
Es braucht solch ein Blatt im journalistischen Meer, sagen welche, hörte ich vor Kurzem. Gut, ich kenne niemanden, der das sagt und beim journalistischen Meer saß der PRINZ eher auf der Sandbank, trocken gelegt und fest gefahren.
Sowas passiert. Ist auch nicht weiter schlimm. Die guten Schreiber werden woanders ein Auskommen finden. Und die anderen Zeilenschinder eben nicht. Gibt sowieso viel zu viele davon.
Und irgendwie geht es ja auch weiter. Der PRINZ landet jetzt im Netz, da kann er zappeln und nach Luft schnappen, vielleicht berappelt er sich ja. Und andere Zeitschriften können daraus lernen. Nur Livestyle und flache Trends sind eben zu wenig. Da fühlt sich der Leser irgendwann verschaukelt. Und irgendwie nicht mitgenommen.
Also, Deckel drauf. Fällt garnicht auf!

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