Das versteht man auch ohne Kunst studiert zu haben! (Interview mit den Lehmolandia-Machern)

erschien schon im BLITZ! Leipzig:

Das Lehmolandia behauptet sich mittlerweile ein ganzes Jahr entlang der Merseburger Straße – und zeigt auf, dass Nachhaltigkeit und Verantwortungsbewusstsein wunderschön sein kann. Jan Barnick, der mit seiner Frau Andrea Tizziani das Lehmolandia betreibt sprach mit BLITZ!-Redakteur Volly Tanner über seine Zeit im Leipziger Westen und einer riesigen Freude, die gerade auf ihn zukommt:

by Ildiko Sebestyen

by Ildiko Sebestyen

BLITZ!: Guten Tag Jan. Erst einmal Glückwunsch zum einjährigen Bestehen von Lehmolandia. Im Leipziger Westen weiß ja jeder, was Ihr macht – aber die Bewohner der südlichen Stadtteile, hui, ob die das wissen? Erklär´ mal bitte, was das Lehmolandia ist.

Jan Barnick: Wir (meine Frau Andrea Tizziani und ich) machen organische und innovative Innenraumgestaltung mit Lehm und anderen natürlichen Materialien und Techniken. Wir fertigen Kunst- und Nutzobjekte aus Lehm. Hierzu haben wir spezielle Mischungen und Techniken entwickelt. Da das Material so nicht gebrannt werden muss, ergeben sich quasi unendliche Gestaltungs- und Kombinationsmöglichkeiten. So bauen wir organische Trennwände, Bögen oder Raumteiler, Lehmbänke, fantastische Gartenhäuschen, individuelle und raumangepasste Lehmwaschbecken oder Wandgestaltungen mit Mosaikoberflächen. Dabei arbeiten wir gerne mit Licht- oder Akustikdesign, integrieren LED-Technik oder Lautsprecher, schaffen ganz besondere Räume und Atmosphären. Natürlich bauen wir auch Lehmöfen zum Backen oder Heizen oder machen edle Lehmputze. In Lehmolandia ist alles, was du Dir vorstellen kannst, möglich. Das Schöne ist: entweder führen wir die Arbeiten aus oder du kannst bei uns in einem unserer Workshops lernen wie es geht! Lehmolandia ist ein Lehmatelier – gleichzeitig ein lebendiger Ausstellungsraum der Möglichkeiten des innovativen urbanen Lehmbaus, Raum für unsere Workshops – aber auch ein ganz besonderer Veranstaltungsraum.

BLITZ!: Auf der KAOS-Wiese am Lindenauer Markt steht ein von Euch gebauter und entworfener Ofen zum Backen von Kleingebäck. Wird der genutzt? Von wem? Und wie kam es zu dieser charmanten Idee – ich meine: Lindenau war ja mal ein Dorf und da war es ja damals auch so, dass die Menschen gemeinsam gebacken haben.

J.B.: Der Lehmofen und die Lehm-Sitzbank sind in Zusammenarbeit mit Kindern gebaut worden und werden auch von ihnen genutzt. Mit dem KAOS-Spielmobil wird die Brachfläche jeden Donnerstag ein Ort des nachbarschaftlichen Spiels und Austausches – wobei gemeinsames Kochen und Essen wie einst durch diesen Ofen wieder ermöglicht wird. An der Stelle des jetzigen Ofen stand allerdings schon mal ein Ofen – er war recht archaisch und ineffizient. Da wir die traditionellen Techniken stets um moderne Erkenntnisse und Herangehensweisen erweitern, steht dort nun ein weit zeitgemäßeres und schön gestaltetes Zweikammersystem.

BLITZ!: Wie wurdet Ihr denn eigentlich im Viertel aufgenommen? Eitel Freude war es ja bestimmt nicht. Für viele Menschen ist ja alles Fremde zuerst beängstigend.

J.B.: Die Anfangszeit war schon ambivalent. Zum einen war da natürlich viel Freude und Interesse der Anwohner, dass wir diesen Teil der Straße mit unseren Formen belebten. Anderseits aber auch einiges an Argwohn und Unverständnis anderer, sagen wir – weniger kunstinteressierter Nachbarn. Über die Zeit hat sich aber doch ein gute Nachbarschaft entwickelt. Man grüßt, akzeptiert und respektiert sich. Ich denke das liegt auch daran, dass wir sehr offen sind und – trotz aller Kreativität – etwas sehr handfestes & konkretes machen. Was wir schaffen hat meist einem unmittelbaren Sinn, eine Nutzbarkeit. Das versteht man auch ohne Kunst studiert zu haben.Für viele war es so leichter einen Bezug zu uns und dem was wir machen herzustellen.

BLITZ!: Und wie geht’s nun weiter? Schon Pläne für 2013?

J.B.: Wir haben Teile des 1. Stocks erschlossen – für ein Keramikatelier, sowie ein Büro und Wohnzimmer – Wir werden unsere eigenen Mosaike und Formteile brennen etwa für organische Kachelöfen oder Lehmobjekte im Außenbereich. Und schon jetzt füllt sich der Kalender für 2013 – Wir haben interessante Anfragen aus Magdeburg, Berlin oder Hamburg aber natürlich auch aus Leipzig und Umgebung. Wir werden weiter die Welt verschönern und dieses wunderbare Wissen weitergeben – aber zuallererst werden wir erstmal Eltern: Ab Januar sind wir um einen kleinen Lehmbauer reicher!

BLITZ!: Danke Jan – und grüß Andrea von uns.

J.B.: Danke Volly und bis bald!

Lehmolandia; Merseburger Straße 39
http://www.lehmolandia.de

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