Das letzte Wort hat… … Christian Haase (GesprächsFührung Volly Tanner)

erschien gerade im FRIZZ Leipzig November 2012:

Das letzte Wort in diesem Monat hat Christian Haase. Der oft und gern als Gundermann-Nachfolger gehandelte Leipziger Sänger und Musikant gibt im November eines seiner seltenen Heimatkonzerte. Denn Heimat ist etwas Liebenbswertes.


Herr Haase, vollenden Sie bitte diesen Satz: An Leipzig hat mich in letzter Zeit besonders aufgeregt, dass…
…mir hier zuerst eine Fangfrage gestellt wird. Denn, ich kann nichts finden, was mich AN einer Stadt wie Leipzig aufregen könnte. Diese Stadt ist nicht umsonst zu der Stadt Europas gewählt worden, in der es sich am Schönsten leben lässt. Wenn ich gefragt werden würde, was mich IN dieser Stadt aufregt, fielen mir schon ein paar mehr Dinge ein. Aber, dass Bier immer teurer, Kindergartenplätze immer rarer und Kulturetats immer weiter abgebaut werden, die City zugunsten des Konsums immer mehr verbaut wird und fortschreitende Gentrifizierung kulturelle und soziale Vielfalt an den Rand drängt, das sind Probleme, die jede Stadt betreffen. Ich könnte mich darüber aufregen, dass nur eine Handvoll Menschen auch aktiv versucht etwas dagegen zu unternehmen. Aber damit würde ich alle über einen Kamm scheren. Und das kann ich nicht, wenn ich sehen darf, in welcher großen Zahl sich jährlich immer wieder Leute zusammenfinden, die gegen Nazis demonstrieren oder zum Konzert für Afghanistan in den Anker gehen. Um Farbe zu bekennen und Position zu beziehen.

Was muss sich ändern?
Das Bewusstsein eines jeden Einzelnen. Wir sind immer schnell bei der Sache, wenn es darum geht, belehrend und erzieherisch einzugreifen. Das geschieht oft unüberlegt und hektisch. Die beste Schule, die wir haben können im Umgang miteinander, ist eine Sicherheitseinweisung der Stewardess beim Fliegen: Setzen Sie sich zuerst die Sauerstoffmaske auf und helfen sie erst dann ihren Nachbarn. Heißt übersetzt: lieber erstmal durchatmen und dann überlegt handeln. Bewusster eben.

Wie würden Sie Leipzig beschreiben, für den, der die Stadt nicht kennt?
Oase im Osten Deutschlands. Nicht unbedingt eine Heldenstadt, aber doch eine Weltstadt. Grün, gebildet, gemütlich. Liberale Philister, kleinbürgerliche Weltverbesserer. Mehr Erfinder, als Investoren. Mehr Zuversicht, als Vorsicht. Facettenreich. Und meine geliebte Heimat.

Welcher Ort ist Ihnen der liebste in der Stadt?
Im Robert-Koch-Park (Grünau) gibt es ein altes Bootshaus. Dort saß ich als Jungmensch oft herum, warf Steine ins Wasser und sang Rio-Reiser-Songs.

Wenn Sie in die Zukunft schauen, welche Pläne und Visionen haben Sie?
Meine Visionen blieben immer gleich. Ich möchte etwas Bleibendes erschaffen, an das man sich erinnern kann, wenn meine Saison auf diesem Planeten zu Ende ist. Ich versuche, ein Mensch zu sein. Mit den Jahren ändern sich lediglich die Pläne dazu. Solange ich in Bewegung bleibe, habe ich die Möglichkeit, immer wieder aus anderen Perspektiven zu beobachten. Perspektivlosigkeit ist mir ein Greuel. Wenn auch im Kreis, Hauptsache vorwärts.

Worauf freuen Sie sich in der nächsten Zeit besonders?
Auf das Erscheinen meines nächsten Albums im Frühjahr. Und irgendwie auch auf Weihnachten.

Christian Haase beim V. Bnefiz für die Kinderhilfe Afghanistan; 03.11.2012; ANKER Leipzig; mit Diane Weigmann, The But u.a.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter KÜNSTLERINTERVIEWS abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s