Halle und Leipzig sind Künstlerstädte (Interview mit Josefin Röbbig)

erschien gerade im FRIZZ LEIPZIG:

Im derzeit gefeierten Theaterstück „Die Hochzeit“ von Lisa Byl und Rosa Taoubi glänzt ein neues, unbekanntes Gesicht in der Rolle der „Lilliana“ und selbst alte Genrehasen, wie Late-Night-Star Uwe Brückner, staunen Bauklötze. Das Gesicht heißt ganzkörpervollständig Josefin Röbbig und Shevek Walden (Volly Tanner) quetschte frech an ihr herum:

Im Vorgespräch sagte ich: Sie haben das Hippiemädchen absolut glaubhaft gespielt, obwohl Sie bestimmt kein Hippie sind! – und Sie meinten: Da ist was dran – also am Nicht-Hippie-Sein. – Wie würden Sie sich denn charakterisieren, für die, die Sie nicht kennen, rein subkulturell Schublade?
Naja, ich bin vor allem offen- anderen und mir selbst gegenüber. Ich  mag Menschen, die sich trauen, sie selbst zu sein. Das  strebe ich auch für mich selbst an. Wahrscheinlich bin ich mal mehr mal weniger von bestimmten subkulturellen Schubladen, aber generell mag ich dieses Kategorien-Denken nicht. Wenn ich mich entscheiden müsste, wäre das (mit Blumen in den Haaren, barfuß tanzende) Hippiemädchen allerdings nicht die schlechteste Variante…

Wie sind Sie denn zum Theater, speziell zu „Die Hochzeit“ gekommen?
Bühne und Film haben mich von klein auf fasziniert. Die Nähe dazu kam über meine Mama zustande, die als Kostümschneiderin und Hutmacherin erst am Opernhaus Halle arbeitete und bis heute im Stadttheater Hildesheim beschäftigt ist. Ich habe mich während meiner Schulzeit darin ausprobiert und von einem Leben als Schauspielerin geträumt. Kurz vor dem Abitur entschied ich mich jedoch dagegen und habe den Wunsch auf der Bühne zu agieren lange von mir fern gehalten, unterdrückt. Mein erster Studienabschluss vor zwei Jahren war dann wie ein Warnschuss: Jetzt oder nie! Der Weg zurück führte dann über einen Intensivworkshop an der Stage School Hamburg zum Aushang von Lisa und Rosa „WANTED: Schauspieler“ mit Angabe von Ort und Zeit für ein erstes Treffen. Es war eine gute Entscheidung hinzugehen!
josefin by volly tanner
Sie haben in Hildesheim gelebt, in Bonn, Salzburg und Madrid. Nun sind Sie hier in Leipzig. Was ist das Besondere in Ihren Augen – bezogen auf die Theaterlandschaft vor allem?
Als gebürtige Hallenserin habe ich Halle und Leipzig schon immer als „Künstlerstädte“ wahrgenommen. Leipzig strahlt für mich ein besonderes kreatives Flair aus und ich habe das Gefühl, die ganze Stadt steht unter dem Motto „Einfach mal machen!“. Insbesondere durch seine lebendige Theaterszene ist dies der richtige Ort für mich, selbst wieder aktiv zu werden. Das war letztlich vor zwei Jahren ein entscheidender Grund, hierher zukommen. Und ich will bleiben.

Sie sind auch als Modell tätig – zum Beispiel für Martin Neuhof – ist das eine ernsthafte Zukunftsperspektive für Sie?
Ha! „Als Model tätig“, das klingt schön- ist aber eigentlich zu viel gesagt. Ich tue eigentlich alles mit einer gewissen Ernsthaftigkeit, will die Dinge, die ich anfange, auch gut machen, da ich sehr ehrgeizig bin. Aber eine ernsthafte Zukunftsperspektive? Interessante Gesichter gibt es wie Sand am Meer, und Mädchen, die gern vor der Kamera stehen sowieso… aber ich fände es natürlich spannend, wenn sich in dieser Richtung etwas entwickelt.

Wenn mensch Ihnen nachsurft im Netz, kommt das Gefühl auf, Sie wären vierfach diplomierte Psychologin. Wieso denn Psychologie? Und in welche Richtung wollen Sie da eigentlich gehen? Und was machen Sie, wenn sich ein Klient in Sie verliebt?
Was? Na Du bist lustig… wenn ich mehrere Diplome hätte, dann sicher nicht viermal im selben Fach. Aber im Ernst, ich bin gerade dabei meinen Master abzuschließen. Auf dem Weg zu diesem Ziel habe ich mehrere Etappen, d.h. Universitäten passiert. Psychologie war mein zweiter Herzenswunsch, nach dem Schauspiel. Die Bühne gibt Dir die Möglichkeit, den Menschen  in allen Facetten seiner Emotionalität darzustellen, die Psychologie genau diese zu verstehen. Jetzt werde ich im Bereich der Emotionsforschung am Max-Planck Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften promovieren. Also besteht erstmal keine Gefahr auf einen verliebten Klienten… Aber die Ausbildung zur Psychotherapeutin steht auf alle Fälle noch auf meinem Plan für die nächsten Jahre.

Hatten Sie eigentlich eine richtige Schauspielausbildung? In „Die Hochzeit“ spielten Sie absolut souverän und glaubhaft Ihre Rolle der Lilliana – so was muss doch gelernt sein…
Vielen Dank für die Blumen! Schön! Nein Shevek, neben meinen vier Diplomen in Psychologie hatte ich leider keine  Zeit für eine professionelle Schauspielausbildung. Aber das Stück war insofern ein Glücksfall, dass die Story zwar stand, die Charaktere aber von uns Darstellern kreiert wurden. „Was soll der Zuschauer durch eure Rolle sehen, was genau wollt ihr zeigen?“ war eine Frage, die uns immer wieder in den Proben gestellt wurde. Lilliana und Josefin sind ziemlich verschieden, aber ihr Wesen stammt aus meiner Feder und ich habe die Möglichkeit sehr genossen, durch die Rolle gewisse Dinge zum Ausdruck bringen zu können: Mut zur Ehrlichkeit und Authentizität, Verletzbarkeit, verpasste Chancen

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter KÜNSTLERINTERVIEWS abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s