Comic ist mehr als Manga (Interview mit Marie Sann)

erschien auch schon in der Leipziger Internetzeitung:

Marie Sann ist richtig gut im Geschäft. Die junge Berlinerin, die sich als freie Illustratorin mittlerweile einen phänomenalen Namen erarbeitet hat, wurde zwar von allen Kunsthochschulen abgelehnt, sieht dies jedoch heute als großen Vorteil. Ein Mut machendes Interview:

Wundervoll, Dich mal zu interviewen. Du hast ja gerade mit „Frostfeuer“ ein ganz neues heißes Eisen in eben diesem. Erzähl mal bitte wie es zu Frostfeuer kam, was das genau ist und wie die Aktien gerade stehen.

Ich freue mich auch!
Das mit „Frostfeuer“ ist eine lustige Geschichte. Ich bin 2010 auf dem Comicsalon in Erlangen an den Splitter Verlag heran getreten um ihm eine Idee für ein Comicprojekt (einige Probeseiten + Charaktersketches und kurzer Plot) vorzustellen. Sie mochten meine Zeichnungen, erachteten die Story aber nicht als passend für ihr Verlagsprogramm. Sie erwähnten aber sogleich, dass sie momentan auf der Suche nach einem Zeichner für eine Comicadaption eines der Kai Meyer Romane seien. Und ich war natürlich sehr interessiert.
Ich war hier also zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Und die ersten Striche zu diesem Projekt entstanden auch schon kurze Zeit nach diesem Treffen.
Band 1 ist bereits erhältlich, die Arbeiten an Band 2 (welcher im Herbst erscheinen wird) laufen auf Hochtouren und der letzte Band wird 2013 veröffentlicht.
Ich freue mich sehr über die spannende Zusammenarbeit mit so talentierten und engagierten Kollegen und die Herausforderungen, die das Projekt mit sich bringt.

Ganz am Anfang war da Manga und Sketchbook Berlin. Mittlerweile bist Du zeichnerisch ganz weit vorn im Graphic Novel Bereich – wenn ich das richtig aus der Gerüchtebrodelei erfuhr. Ein großer Schritt meiner Meinung nach. Und dies mit unwahrscheinlich frischen 25 Sommern Leben im Kasten. Deine Interpretationen moderner Märchen könnten auch glatt als Gemälde durchgehen. Ist das Kunst, was Du da machst?

Danke dir. Ich freue mich auch über die Entwicklung. Mir ist es sehr wichtig, mich nicht nur auf eine Stilrichtung festzulegen und dort stehen zu bleiben. Es macht mir Spaß viel auszuprobieren und Neues zu lernen. Ob man das was dabei herauskommt als Kunst bezeichnen möchte, sei jedem selbst überlassen.
by david pinzer
Richtig großartig finde ich auch Deine Figurinen – aus was sind die denn? Wie machst Du die und kann man die kaufen?

Ja! Ich liebe es zu modellieren. Ich benutze dafür eine ofenhärtende Masse die sich „Scupley“ nennt.
Leider findet sich dazu nur sehr wenig Zeit, somit sind alle bisher entstandenen Modelle Geschenke für Freunde oder Familie gewesen. Ich strebe es sehr an mehr davon zu machen. Doch das wird bestimmt nichts in absehbarer Zeit.

Zur Buchmesse bist Du leider nur privat in Leipzig – sozusagen inkognito – wird es Dich auch mal wieder in Leipzig richtig malend oder Autogramme schreibend geben? Mein Freund Benjamin Weinkauf ist ja ganz stolz auf das Autogramm, das er von Dir hat.

Es ist immer ganz besonders toll für mich, mit den Lesern in Kontakt zu treten, etwas für sie zu zeichnen, Feedback zu bekommen und einfach nett zu quatschen. Leider schaffe ich es doch nicht, wie ursprünglich geplant, zur Messe nach Leipzig zu fahren.
Ich werde aber auf dem Comicsalon in Erlangen zeichnen und auch auf der Frankfurter Buchmesse, anlässlich der Veröffentlichung des zweiten „Frostfeuer“ Bandes.

Du hast eine Ausbildung als Grafikdesignerin absolviert – aber Dich nicht durch die Kunsthochschulen dieses Planeten hindurch gewuselt, sondern bist auf den Markt geprescht. War das eine Entscheidung von Dir oder woran lag es, dass Du diesen Weg wähltest? Mittlerweile arbeitetest Du zum Beispiel für Herlitz, Bravo, Tip Magazin, Universal Music, Olympiastadion Berlin, Nintendo Europe, Radon Labs, Perry Rhodan u.a. – das ist doch fett im Markt!

Mir war schon sehr früh klar, dass ich selbstständig als Artist arbeiten möchte. Trotzdem wollte ich mich nach meinem Schulabschluss nicht nur auf das Comiczeichnen und Illustrieren konzentrieren sondern parallel meinen künstlerischen Horizont erweitern und mir eine gewisse Sicherheit durch einen Abschluss in Grafikdesign verschaffen. Ich habe mich auch an verschiedenen staatlichen Kunsthochschulen beworben, wurde aber aufgrund „mangelnder künstlerischer Fertigkeiten“ abgelehnt. Worüber ich schließlich aber sehr froh bin, da ich mit meinem beruflichen Werdegang sehr zufrieden bin.

In Deiner Vita steht, Du bist auch Game Artist – was ist das denn? Ich bin da völlig unbeleckt und einige unserer Leser bestimmt auch – erzähl mal bitte, was Du da für wen und mit welcher Intention machst?

Ja, seit letztem Jahr arbeite ich für einen Berliner Spieleentwickler. Meine aktuelle Arbeit besteht darin, Characterdesign und Illustrationen für ein Socialgame zu machen.
Ich war schon immer ein großer Games Fan und zocke selbst auch sehr gern. Da lag der Wunsch nicht fern, auch irgendwann einmal in dem Bereich tätig zu werden. Am liebsten mag ich die guten alten Point and Click Adventures wie „Monkey Island“ und „A Vampyre Story“.

Danke, beste Marie Sann für dieses Interview.

<http://www.marie-sann.de/&gt;

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