Immer eine Handbreit Wasser zum Wein (Interview mit Arnulf Wenning)

erschien schon im FRIZZ LEIPZIG 12/11:

Während der Livestylemensch sich popdiskutierten Vorgaben einpasst, lebt der Lebende einfach sein Leben. Dazu gehört eine Portion Weisheit, ein bißchen Charme und ganz viel Freundlichkeit. Nach den Megaerfolgen in den Achtzigern ist Arnulf Wenning mittlerweile ein schlacksiger Lama geworden, einer, der schmunzelnd zu erzählen weiß und nicht mehr irgendwelchen Hitparadenplatzierungen oder Frontcovern auf Musikpresseartikeln nach hetzt.
Am 12.12.2011 nimmt er Platz im Neuen Schauspiel Leipzig, als einer der Gäste, die die hiesige Menschenfreundeshow WALDEN bereichern werden. Der ehemalige Interpret von „Rot so rot“ oder „Die Eisdame“, daneben quirliger Frontier von Reggae Play – mittlerweile zwischen Börde und Hiddensee geerdet – steht kurz davor, hier im FRIZZ, Ray Voltez Rede und Antwort:

Hallo Arnulf – schön, dass Du im Dezember nach Leipzig kommst. Soll ja ein kalter Dezember werden. Kennst Du eigentlich die Eisdame noch? Oder geht’s mit der nur sommerlich?
Die Eisdame hat mich schon durch so manches Wetter begleitet, da ist Sommer oder Winter nichts Schlimmes. Wenn ich an die Eisdame in Bezug auf Leipzig denke, hab ich eine sehr schöne Erinnerung. Es muss so um 1987 gewesen sein, als ich einen Auftritt in der Kongresshalle hatte und mich die Big Band um Fips Fleischer begleitete, ich somit das erste Mal die Eisdame im Big Band Sound erleben konnte, was mich total begeisterte. Zu allem Überfluss traf ich nach langer Zeit auch noch Helene wieder, was diesen Abend noch unvergesslicher machte – aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Mit Deinen „Liederpiraten“ erfreust Du derzeit Kind und Kegel. Auch so wirkst Du völlig gelöst und entspannt. Kein Drang mehr in den Hitparaden dieser Welt für Furore zu sorgen? Was reizt Dich heutzutage?
Die Liederpiraten sind mein persönlicher Versuch auf minimale Weise schöne und mitreißende Musik zu machen – wir spielen in der Besetzung Knopf-Akkordeon: Martin Müller; Percussion: Max Nehrig; Gesang und Querflöte: A.W.. So sind wir sehr flexibel, können im Wohnzimmer aber auch in grossen Häusern spielen.
Was die Hitparaden angeht, hatte ich in der letzten Zeit leider kein Glück, andererseits bin ich über weniger Arbeit auch nicht unglücklich – wir haben seit knapp vier Jahren eine Tochter, sie und ich freuen sich ganz doll, wenn wir Zeit für uns haben.
by wenningPROMO
Stichwort Leipzig BigBand. Du vorneweg tänzelnd und swingend als Dean Martin, Frankyboy Sinatra und Sammy Davis Jr. in Einem – oder als hiesiger Robbie Williams, dem die Frauen zu Füßen liegen?
Grins – nee, diese Vorstellung ist falsch. Ich sehe mich in Verbindung mit der Leipzig Big Band nicht als Double der genannten Superstars. Selbst wenn ich die Klassiker dieser Jungs interpretiere, so bleib ich doch bei mir selbst.

1977 hattest Du Deine erste Band, damals Gatalula, gegründet. Das ist ja mittlerweile fast 35! Jahre her. Wie hältst Du Dich frisch und gut aussehend? Was ist Dein Geheimnis, einfach mal an alle zerknitterten Miesepeter des Spätherbstes als Tipp?
Wenn das ein Kompliment ist, danke. (ich finde das nicht unbedingt so…) Was meine körperliche Fitness angeht, bin ich ganz zufrieden. Ich habe mich dafür entschieden weitgehend keine industriell hergestellten Nahrungsmittel zu essen , ernähre mich meist fleischlos, trinke Wasser oder Wein und in unserem Haushalt gibt es auch keinen Zucker.
Da wir auf einem Bauernhof leben, haben wir auch die Möglichkeit selbst zu backen und das eine und andere anzubauen. Um das tägliche Essen auf diese Weise zu bereiten, steht man öfter mal in der Küche, was mir aber auch richtig Spass macht.

„Kino, Spaß & FKK“ ein Filmprojekt der Reggae Player, von Dir und Helmut „Humus“ Pöschels Filmstudiofreunden – wie habt ihr Euch denn kennen gelernt? Helmut ist ja auch der Vater aller Käsemilben in Würchwitz – wo ich das Milbenkäsemuseum 2006 mit eröffnen dufte.
Kino, Spass & FKK ist ein musikalischer Filmeabend wo noch der Projektor rattert und der Ton knarzt, Helmut Pöschel (Humus) lustige und nachdenkliche Kurzfilme aus DDR- Zeiten zeigt und die Liederpiraten Lieder von Reggae Play interpretieren. Der Titel verrät es schon – es geht natürlich auch um viele Nackedeiinnen und Nackedeis am Ostseestrand.
Der Botschafter des Milbenkäses, Helmut Pöschel, trat nach einem Konzert von Reggae Play, welches wir 1981 in Suhl gaben in unsere Garderobe, beglückwünschte uns zu unserem erfolgreichen Konzert und lud uns in sein Dorf ein, um dort anlässlich des alljährlichen Kleefestes aufzuspielen. Wir konnten in dem Moment seine Begeisterung nicht so recht erwidern, zumal wir etwas geschafft, nach mehreren Zugaben, in den Seilen hingen. Das änderte sich jedoch in dem Augenblick – das war sein Trick – als er in Aussicht stellte uns zur Übernachtung auf die (Dorf-)schönsten Mädchen zu verteilen – er hatte von einer Sekunde auf die andere unsere volle Aufmerksamkeit… Der Auftritt kam dann auch zustande, die Übernachtung gab es in der Turnhalle der Schule, am nächsten Morgen schrie der Direktor:
Sodom und Gomorra … Aber all das tat einer langjährigen Freundschaft keinen Abbruch.
Der Milbenkäse hat es uns, seit dem wir das erste Mal in Würchwitz waren, angetan. Wir unterstützen Humus hin und wieder musikalisch bei seinen milbenkäsualen Aktivitäten, Humus und ich versuchten auch schon den Milbenkäse in Nicaragua und auf Cuba zu etablieren. Leider endete dieser Versuch in einem Desaster. Der Käse überstand den Aufenthalt recht schadlos, nur die fleissigen Milben verschieden aufgrund des feuchtwarmen Klimas allesamt an Kreislaufcollaps. Ähnlichen Ausgang fand der Versuch den Milbenkäse als Weltraum-Nahrung an den Kosmonauten zu bringen – der Käse samt Milben hat es zumindest in die Weltraumstation Mir geschafft – ja und dann hat einer der Kosmonauten das Glas aufgeschraubt – offiziell heisst es, die Mir wurde aus Altersgründen verschrottet …

Deine Lebenswege waren ja auch nicht besonders geradlinig. Gibt es eine persönliche Weisheit, einen Lebensspruch, der Dich leitet mittlerweile? Und würdest Du ihn teilen?
Da ich im Sommer häufig mit meinem Bötchen über die Wellen reite, sag ich: Immer eine Hand breit Wasser unterm Kiel, dann geht’s immer weiter…

Danke für das Gespräch.

Arnulf Wenning, zusammen mit Mark Harries & The Aliens, Laura Künzel, Volly Tanner, Francis D.d. String, Lisa Byl und Anderen bei:
WALDEN – Die Menschenfreunde- & Jahresabschlussshow 2011; 12.12.2011; Neues Schauspiel Leipzig
http://www.neues-schauspiel-leipzig.de

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