Der Süden hat definitiv abgegessen (Interview mit Franziska Meißner)

erschien schon im FRIZZ feb2012

Wenn eine Tür verrammelt wird geht meinst eine ganz Überraschende woanders auf. Manchmal geht die Tür sogar an der selben Stelle auf. Franzis Meißner eröffnet (zusammen mit ihrer Mutti) im ehemaligen Kap West nun „meins“ und dies wird, wenn es gut läuft, ein bisschen jedem seins. FRIZZ-Shevek Walden (Volly Tanner) traf sich schon mal im Vorfeld mit der jungen Chefin:

Ein dreifaches Überdieschulternspucken Dir – bildlich gesprochen – für Deine neue Insel. Wer soll sich denn im „meins“ gerettet fühlen? Wen wollt Ihr mit Eurer neuen Lokalität ansprechen? Und was ist das Eigene am „meins“?
Vielen Dank, etwas Glück kann jeder gebrauchen. Da sprichst du ja gleich beide schlagende Herzen in meiner Brust an. Aber erstmal zu dem einen. Das „Meins“, meine neuste Baustelle, hoffentlich DER neue Laden in Plagwitz. Eigentlich eine ganz normale Kneipe für Jede und Jeden. Vor allem aber die Leute aus den Bezirken rundherum. Mit lecker Essen, Kaffee, Bier, Kuchen und allem was so dazu gehört. Einfach ein Ort, an dem man sich immer wohlfühlen kann und soll. Das würde ich auch als das Besondere sehen, neben dem coolen Essen, aus Oma´s Küche – Königsberger Klopse und Spinat und Ei – nur so als Beispiel. Ab dem 1. März einfach vorbeikommen und ausprobieren würd ich da sagen.
by volly tanner
Im Leipziger Süden, besonders im Ilses Erika, dem Volkshaus und dem Hotel Seeblick, bist Du weltberühmt für Dein charmantes und ausgeglichenes Gläserreichen. Was zieht Dich aber jetzt in den Westen? Hat der Süden abgegessen?
Oh, das schmeichelt mir jetzt aber. Mh, warum der Westen? Naja, ich komme auch ursprünglich aus Leipzig, eine der seltenen Eingeborenen. Im Osten und Norden aufgewachsen, dann die erste eigene Bude im Süden, da wurde es Zeit für den Westen. Ich bin vor einem halben Jahr her gezogen, weil sich mein Freund und ich in eine Wohnung verliebt haben. Soviel schon mal dazu. Und warum ich ein Lokal in Plagwitz aufmache hast du schon gut erkannt: der Süden hat definitiv abgegessen. Dort was neues zu probieren, da kann man gleich mit dem Kopf gegen eine Wand laufen. Gastronomisch sind die Leute gesättigt. Aber hier in Plagwitz gibt es noch so vieles nicht. Ein bisschen vermisse ich das natürlich, deswegen schaffen wir mit dem „meins“ ja jetzt Abhilfe.

Hast Du mit Deiner Selbständigkeit dann auch noch genug Zeit für Dein Ehrenamt? Schließlich bist Du, wenn ich richtig informiert bin, auch Jugendvorstandsmitglied der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft und dort Ressortleiterin für Schwimmen, Retten und Sport.
Da bist du sehr gut informiert. Leider habe ich die Zeit nicht mehr wirklich. Wenn ich mich einer Sache verschreibe, dann komplett. Und das ist gerade das „meins“. Der Jugendvorstand und ich haben uns aber
Interimslösungen überlegt, die hoffentlich die Arbeit der letzten 4 Jahre nicht ganz zerbröckeln lassen. Ich bin ja auch nicht aus der Welt. Und wenn ich wieder ein bisschen Zeit habe oder mir die Gastrodecke auf den Kopf fällt, dann kommt mir die Arbeit im Sport sicher ganz gelegen.

Und Trainerin bis Du auch noch. Wow. Wettkampf Rettungsschwimmen Mannschaft. Und einen Freund hast Du auch noch. Schläfst Du auch manchmal? Wie schaffst Du das alles? Und dazu auch noch so liebenswert und freundlich und sonnig?
Ich glaub das ist vererbt. Meine Mama ist schon echt ne Powerfrau. Und stillstehen konnte ich noch nie. Schon während des Sportstudiums in Halle bin ich jeden Tag hin und her gefahren, hab das Training im Verein gemacht und auch noch gearbeitet. Da bekomme ich derzeit fast schon richtig viel Schlaf. Gesund ist der zwar nicht, weil mir täglich tausend Sachen durch den Kopf gehen, die vor der Nacht keinen Halt machen, aber auch das geht hoffentlich irgendwann mal wieder vorbei. Und so lange man an einem Traum arbeitet, ist das auch alles super erträglich. Da sieht man täglich, was man alles geschafft hat. Und das Glückgefühl ist das Beste.
Wenn wir dann dieses Jahr mit dem Freigewässerteam der Rettungssportler noch aufs Treppchen kommen und das „meins“ läuft ist es ein perfektes Jahr. Gut angefangen hat es. Ich hoffe das Beste und tue alles dafür, mit einem Lächeln im Gesicht, klar. Immer positiv an die Sache ran gehen.

Ich finde es ja witzig – Euer Eröffnungsdatum, der 29.Februar – da müsst Ihr ja nur alle vier Jahre Geburtstag feiern. Gibt’s denn schon Specials für die ersten Monate?
Ja, das fanden wir auch witzig. Und was Besonderes. Umso doller wird die Feier dann immer. Naja, das erste Special ist ja wohl die Eröffnung. Ich freue mich schon riesig drauf, aber verraten wird noch nix. Ein paar Buchmessetermine sind noch aus KapWest-Zeiten. Die werden wir wahrnehmen. Ansonsten schauen wir erstmal, dass sich unser Team einspielt und die Gäste glücklich sind. Alles andere werden wir dann sehen. Wir sind da auf jeden Fall offen für Sachen wie Lesungen, kleine Konzerte oder ähnliches. Wenn da jemand was bei uns machen möchte, soll er sich willkommen fühlen. Deswegen ja auch „meins“ – ein bisschen jedem seins, viel deins, und vor allem unser.

„meins“ Eröffnung 29.02.2012; Weißenfelser Straße 25 (ehem. Kap West)

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