Jetzt darf ich aus dem Nähkästchen plaudern (Interview Nadine Kotré)

ErstverÖ in der Leipziger Internetzeitung:

Ein Gejammer allerorten! Kein Geld für Garnichts! Doch eine kleine Schar von Enthusiasten stemmt sich gegen die schlechte Laune und Miesepeterei. Crowdfunding ist das Rezept und die Visionbakery rührt den Teig – seit genau einem Jahr. Tanner traf Nadine Kotré beim Dreh fürs Geburtstagsvideo und kurz darauf zum Fragenbeantworten. Schließlich ist das Büro der Projektgeldeinsammler gleich auf der Karl Heine Straße gegenüber von Tanners Mittagsessenplatz:

Hallo Nadine. Du bist die Außenkommunikatorin der erfrischend veranlagten VisionBakery. Nun feiert Ihr auch noch diese Woche Geburtstag. Wie stehen die Aktien?

Oh, die stehen super, danke der Nachfrage. Die Geburtstagsparty im Horns Erben war grandios. Der Überraschungsfilm, in dem Du ja auch eine tragende Rolle übernommen hast, kam, glaube ich, ziemlich gut an. Das Team war überrascht, gerührt und einfach happy. So sollte das sein. Jetzt heißt es erst mal wieder in den Alltag zurückfinden und die liegengebliebene Arbeit nachholen. (lacht)

Wer waren die Smasher im letzten Jahr bei Euch? Gab’s Überflieger? Welche, die die Kohle schon drin hatten, bevor das Huhn das Ei verlor? Und gab’s auch welche, wo nichts funktionierte?

Es gab beides. Nach einer gewissen Zeit entwickelt man ein Gespür dafür, ob es ein Projekt schwer haben wird. Ich muss aber gestehen, dass wir auch teilweise überrascht sind, wie unterschiedlich Projekte laufen. Da gab es beispielsweise das Projekt einer jungen Filmemacherin, die Geld für einen Schnittplatz und die Fertigstellung ihres Filmes benötigte. Der Film war alles andere als Mainstream und dennoch – schon nach wenigen Tagen war das Projekt erfolgreich finanziert.
Ein anderes Projekt – mein bisheriges Herzblutprojekt – hatte es da deutlich schwerer. Der Gnadenbrothof Chaoti suchte Hilfe, um für die Pferde des Hofes sogenannte Paddockplatten kaufen zu können. Die Platten schützen die empfindlichen Hufe der Pferde vor Feuchtigkeit und das ist ja vor allem im Herbst- und Wintermatsch recht wichtig. Das Projekt lief gelinde gesagt schleppend – wie leider viele soziale Projekte. Wir haben dann noch einen kleinen Videobeitrag über den Hof gemacht und das gesamte Team hat kräftig in allen sozialen Netzwerken geworben. Und am Ende wurde das Projekt sogar mit 118 Prozent überfinanziert.
Das Projekt vom Horns Erben und zuletzt das von Mundraub, das mit 170 Unterstützern bis jetzt die meisten Befürworter fand und zudem über 5.500 Euro einnehmen konnte, waren definitiv herausragend.
Und dann gab es pünktlich zum ersten Geburtstag auch noch das erste 24-Stunden-Projekt. Was witzig war, weil wir schon oft im Team darüber spekuliert hatten, ob sich ein Projektinitiator trauen würde, sein Projekt nur einen Tag laufen zu lassen. Am 14.11. bekam Stephan kurz nach 18 Uhr einen Anruf und nicht mal sieben Stunden später ging das Projekt online.

Bei denen, bei denen nichts klappte: Woran lag es? Mittlerweile gibt’s es ja bei Euch eine äußerst verfeinerte Sensibilität für die Klippen, die es zu umschiffen gilt.

Die gibt es zwar schon, allerdings können manchmal nicht alle Klippen umschifft werden und einige Projekte laufen doch auf Grund. Die Ursachen dafür sind verschieden. Zum einen muss jeder wissen, der ein Crowdfunding -Projekt starten möchte, dass solch ein Projekt nie ein Selbstläufer ist. Das Projekt muss über die gesamte Laufzeit aktiv beworben werden – sei es auf Veranstaltungen, mit Hilfe von Flyern, Postkarten oder Aufklebern. Ganz wichtig sind soziale Netzwerke wie Facebook, Google+ oder Twitter. Wer aber glaubt, ein, zwei Posts bei Facebook würden reichen, reiht sich am Ende meist in die Liste der gescheiterten Projekte ein. Ich habe sehr oft das Gefühl, dass es den Deutschen unangenehm ist, immer und immer wieder auf ihr Projekt hinzuweisen, als müssten sie sich anbiedern. Dass dem nicht so ist, zeigen die Amerikaner recht erfolgreich. Da ist Crowdfunding längst etabliert und die Projektinitiatoren wissen, dass sie die Rampensau ins sich rauslassen müssen, um ihr Projekt zum Erfolg zu führen. Aber genau das muss man sein. Vielleicht könntest Du ja Workshops anbieten, um die Rampensau in den Leuten zu wecken. (lacht)

VisionBakery macht in Crowdfunding. Da springt des Germanisten Herz im Dreivierteltakt und Unwissen schlägt sich Bahn. Was ist das denn: dieses Crowdfunding, eigentlich?

Crowdfunding ist ein alternatives Finanzierungsmodell – ganz ohne Bürokratie. Viele Menschen finanzieren zusammen eine Idee. Für jeden Geldbetrag, mit dem man ein Projekt unterstützt, bekommt man auch eine Gegenleistung. Das kann ein fertiges Produkt, eine Dienstleistung oder eine Emotion sein. Es gilt das Alles-oder-Nichts-Prinzip. Das heißt, nur wenn die Projektsumme erreicht werden konnte, wird das Geld an den Projektinitiatoren überwiesen. Scheitert das Projekt, erhält jeder Unterstützer seinen Geldbetrag zu 100 Prozent zurück. Im besten Fall gewinnen alle,  eine gute Idee kann umgesetzt werden und die Unterstützer erhalten ihre Gegenleistung. Im schlechtesten Fall verliert niemand etwas und alle Unterstützer erhalten ihr Geld zurück. In Deutschland ist Crowdfunding noch relativ neu und für viele die große Unbekannte. In den Medien wird aber immer öfter darüber berichtet – wie jetzt zum Beispiel.

Nach der Feier ist vor der Feier. Was liegt an im Jahre 2 der Bakery? Stehen Großartigkeiten in den Starthölzern?

Jetzt darf ich aus dem Nähkästchen plaudern? Fein. Nun, dann kann ich verraten, dass sich das Design der VisionBakery sehr sehr bald ändern wird. Regelmäßige Blicke auf visionbakery.de lohnen sich. Aber nicht nur am Äußeren wird fleißig gewerkelt. Momentan arbeiten wir daran, neben PayPal auch andere Bezahlwege einzubauen, die es noch einfacher machen sollen, Projekte zu unterstützen. Tja und dann wird es im kommenden Jahr noch die ein oder andere Überraschung geben. Mehr darf ich aber noch nicht verraten, sonst bekomm ich Ärger. Wenn es soweit ist, können wir gern im Leipziger Westen einen Kaffee trinken gehen.

Und bei Dir? Du bist ja auch freie Journalistin. Wo treibt’s Dich hin? TV, Radio, Netz oder Print? Oder was ist Dein ganz persönliches journalistisches Pferdchen?

Ich bin freie Journalistin, Moderatorin und Fotografin – ein buntes Potpourri sozusagen. In der Vergangenheit hab ich schon im Radio- und Online-Bereich mitgemischt und auf der Bühne moderiert. Könnte ich mir etwas aussuchen, dann wäre es das Fernsehen – aber welcher Medienschaffende sagt das nicht. Mit Moderation hat bei mir alles angefangen und daher würde ich das als mein persönliches Pferdchen bezeichnen. Am liebsten im Unterhaltungsbereich. Nichts einfacher als das. (lacht) Bei der VisionBakery betreue ich den PR- und den Social-Media-Bereich. Und ich pflege die Facebook-Seite der VisionBakery sowie die Facebook-Seite von Crowdfunding Nachrichten. Aber ich bin immer offen für neue Ideen. Und für Konzepte für meine eigene TV-Show. (lacht)

Danke für das wundervolle Gespräch, beste Nadine – und natürlich weiterhin fantastische Projekte zum Realisieren.

<http://www.visionbakery.de/&gt;

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Eine Antwort zu Jetzt darf ich aus dem Nähkästchen plaudern (Interview Nadine Kotré)

  1. Malik schreibt:

    Hallo in IE7 sieht dein Blog irgendwie komisch aus.

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