Ich werde lieber für mein Denken gelobt und bezahlt (Interview mit Lisa Byl)

ErstverÖ in der Leipziger Internetzeitung:

Rot! Auf dem Kopf! Lisa Byl zieht in jedem Raum, den sie beschreitet, unweigerlich alle Blicke auf sich. Groß, lachend und sonnig – so dass all die Melancholiker und Trauerklöße winselnd unter den Tischen versinken. Dazu schauspielert sie auch noch bewegend und beweglich beim SPINNWERK und machte die AmateurTheaterTage 2011 mit ihrem Spiele leuchtender. Hinter alldem Aufsehen ist aber auch Inhalt und der ist ebenso vielfältig und hell, wie beginnendes Schaffen und Leben sein soll. Tanner traf Lisa Byl zum Getränk – eigentlich um mit ihr über einen Auftritt zu sprechen – musste aber unweigerlich mitdokumentieren.

Volly Tanner: Ich durfte Dich bei den ATT11 in White Box erleben und Du glänztest ganz besonders auch wieder – wie schon letztes Jahr – mit Deiner Körperarbeit. Trainierst Du? Wie schaffst Du es, durchgängig so im Stück zu sein?

Lisa Byl: Als Erstes bedanke ich mich für dieses schöne Kompliment, ich habe eigentlich kein Geheimnis, weder trainiere ich, noch mache ich außergewöhnlich alternativen Sport. Ich denke, es zählt einzig und allein die Freude am Theaterspielen und das immer wieder Neuerfinden meiner Rolle. Da ich mir meine Figur selbst erstellen konnte, ist mir das Mädchen „Nummer 4“ wie auf den Leib geschnitten. Ansonsten fahre ich viel Fahrrad und esse für mein Leben gerne Schokolade, vielleicht kommt daher der ständige Energieschub.

Volly Tanner: Du hast zum Abschluss Deiner Sozialassistentinnenausbildung ein Theaterstück mit Behinderten initiiert – was waren Deine Erkenntnisse und Erfahrungen dabei?

Lisa Byl: Nun ja, keine Theatererfahrung, die ich bis zu diesem Zeitpunkt gesammelt hatte, konnte mir hierbei behilflich sein. Alle Ansprüche und Vorstellungen meines eigenen „perfekten“ Theaters musste ich ad acta legen und mich auf eine völlig neue Spielverkörperung einstellen. Es war die schwierigste und schönste Erfahrung, die ich bis jetzt im Zusammenhang mit dem Theater machen durfte.
Die Erkenntnis: „Das Leben ist schön.“

Volly Tanner: Für „Schicke Schnitte“ duften wir Dich auch schon modeln sehen. Gehts in diese Richtung irgendwann weiter? Lisa the next Model Superstar?

Lisa Byl: Das glaube ich eher weniger, ich werde lieber für mein Denken gelobt und hoffentlich bezahlt, als für meinen Körper. Es war eine großartige Erfahrung, ich hatte sehr viel Spaß beim Klamottenwechsel und Laufen. Auch hier findet sich das Theater wieder: anderes Outfit, anderer Blick und Gang, wie als würde man immer wieder in eine andere Rolle schlüpfen. Sollte sich die Gelegenheit bieten so werde ich jederzeit für „SCHICKE SCHNITTE“ zur Verfügung stehen. Vor großen Modelagenturen halte ich mich jedoch fern, ich denke die Mädchen sollten echt mal was essen.

Volly Tanner: Neben Schauspielerei und Modelerei bist Du auch auf Lesebühnen zu hören – zum Beispiel im Helheim oder im Westwerk im Tipi. Sinds eigene Texte? Und worum gehts?

Lisa Byl: Ja, es sind eigene Texte. Um was es geht: „Die dunkle Seite der Macht“. Es sind verschiedene Erfahrungen und Erlebnisse, die ich gesammelt und niedergeschrieben habe. Allerdings sind sie meist recht düster und brutal. Viele große Schriftsteller und Musiker sind der Meinung, dass nur der, der leidet, es zu etwas bringen, geschweige denn überhaupt schreiben kann. Diese Aussage kann ich nur befürworten, kein Blatt Papier und kein Stift reizt mich, wenn ich glücklich bin.

Volly Tanner: Es gibt aber auch noch die private Lisa – 150 Taschen zu Hause, Doors-Fan, bis hin zum jährlichen Schwitzen und Schwatzen zu elektronischer Musik bei der Fusion. Wieviel Lisa Byl ist denn – rein zeitlich – noch privat in deinen jungen Jahren? Wie tankst Du wieder auf?

Lisa Byl: Genau so, laute Musik vom berühmt berüchtigten „Club 27“, Freunde treffen, auf merkwürdige Partys gehen, abstruse und verstörende Texte schreiben, viel Schokolade und das sommerliches Genießen eines Gartenhäuschens im einsamen Land Brandenburg.

Volly Tanner: Wann kann der Interessierte Dich das nächste Mal live erleben?

Lisa Byl: Na bei Dir, Volly Tanners TERRASSE 22. September im Helheim!
Vielen Dank für das Ausquetschen lacht

PS. Das sollte eigentlich nicht als letzte Antwort kommen – aber ich – der Frager – kann ja schlecht jetzt noch ändern. Schließlich hat es die wundervolle Lisa Byl so gesagt und so bleibt es jetzt auch!

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4 Antworten zu Ich werde lieber für mein Denken gelobt und bezahlt (Interview mit Lisa Byl)

  1. Frido schreibt:

    Toller Beitrag! Ich werde da nochmal versuchen mehr zu erfahren!

  2. Just an diesem Abend rief Robert genau diese Adresse ab, hatte Lust sich zu treffen und schlug eine Lokation am Sonntag vor.

  3. Und alles ist gut, ich erkenne den Sinn in allem Handeln, ich erkenne mich selbst und ich kann dich wieder sehen.

  4. Der Markus schreibt:

    Aktualisieren wir mal das Datum mit dem nächsten mal sehen:
    14.2. Tanners Terrasse im Helheim
    21.2. Lesung Lisa & Tom ebenda. 🙂

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