Leutzsch rockt! Tief im Westen! (Interview mit den Veranstaltern von LEUTZSCH ROCKT!)

erschien schon in der leipziger interneteitung:

Leutzsch – das ist nicht nur Fußballkuddelmuddel und „irgendwo hinter Lindenau“, nein, Leutzsch ist auch Engagement und überraschendes Wirken. Hier gibt es eine Fischbar mit fantastischem Kaffee und eben „Alles außer Fisch“, hier gibt es einen Bürgerverein mit Roman Raschke als Vorsitzenden, hier gibt es Marko Kronberg, der sich kirchlich betätigt und auch so viel veranstaltet und abmischt – und vieles, vieles mehr.

Volly Tanner traf Marko und Roman zum Plausch in ebender Fischbar, weils rocken soll, wie es munkelt – da „tief im Westen!“:

 

 

 

Volly Tanner: Hallo Marko, hallo Roman – Ihr Beiden organisiert ja heuer das 2. Leutzsch rockt!. Warum brauchts dies denn im Rockfestivalreigen der Republik? Gibt’s nicht genug? Was ist das ganz Besondere an Eurem Feste?

 

MK: Sicherlich hat der Reigen der Festivals nicht gerade auf „Leutzsch rockt!“ gewartet, doch bei dem von uns initiierten Musikfestival geht es auch gar nicht darum, mit in dieser Liga zu spielen, sondern darum, dass es auch in unserem Stadtteil „rockt“, selbstverständlich in doppeltem Sinne.

RR: Das ganze Thema hat eher einen gemeinwesenorientierten als einen kommerziellen Charakter, zumal es nur mit Hilfe von Sponsoren und Unterstützern möglich wird. Marko bringt alle ton- und bühnentechnischen Leistungen unentgeltlich ein und ich die überwiegende Organisationsleistung, z.B. Sponsorengewinnung, Öffentlichkeitsarbeit und so weiter.

MK: Mit diesem Festival möchten wir Kultur für Jedermann nach Leutzsch holen und Künstler auf die Bühne bringen, die unsere Idee mittragen.

 

 

Volly Tanner: Leutzsch ist ja nicht nur Zerfall, Leutzsch ist auch gutbürgerlich und zivilisiert. Wie lebt sichs im Spagat?

 

RR: Marko und ich sind beide „Ur-Leutzscher“ und das ist auch die Motivation, „Leutzsch rockt!“ zu organisieren, denn für uns  ist es mit keinem wirtschaftlichen Ertrag verbunden. Das unterscheidet das Festival sicherlich auch von anderen ähnlichen Veranstaltungen.

Leutzsch ist tatsächlich ein Stadtteil der Gegensätze, doch das ist m.E. gerade spannend und macht großes Entwicklungspotential deutlich – Stichwort Georg-Schwarz-Straße. Mein Wunsch wäre, wenn sich die augenscheinlichen Gegensätze nicht auf Dauer separieren, sondern als Vielfalt verstehen, wobei ich den Zerfall als Extrem da nicht mit einschließen würde.

MK: Wie Roman es schon ansprach, nehmen wir als „Ur-Leutzscher“ den Spagat gar nicht so extrem wahr, wie es möglicherweise im Blick von außen erscheint. Wir kennen  hier Leute aus allen Schichten und stellen immer wieder fest, dass diese ihre ganz individuelle Beziehung zum Stadtteil haben. Manche legen den Focus auf die zweifellos tolle Wohngegend im sogenannten Villenviertel, andere schwärmen geradezu vom inzwischen auch sichtbar werdenden Aufschwung der Georg-Schwarz-Straße.

 

 

Volly Tanner: Wie wird bürgerschaftliches Engagement, wie das Eure, im Kiez wahrgenommen? Gibt’s Rücklauf? Auch emotionaler Art?

MK: Die Resonanz auf die Premiere von „Leutzsch rockt!“ war so überwältigend, dass wir uns erst dadurch motiviert sahen, weiter zu machen. Denn es hätte auch einmalig bleiben können.

 

RR: Im Vorjahr waren noch nicht so viele Besucher da, wie wir uns es gewünscht hätten. Die da waren, fanden es toll und haben uns dies auch wissen lassen und auf Fortsetzung gedrängt. Interessanterweise ist auch Leuten, die nicht da waren, „Leutzsch rock!“ ein Begriff (geworden). Solche Rückmeldungen freuen uns natürlich und motivieren, wieder anzutreten.

 

 

Volly Tanner: Bei den Stadtoberen Gehör zu bekommen – dafür muss man ja ganz schön laut schreien, denke ich mal. Ist Leutzsch einfach hinten heruntergefallen, während Jung & Co durch Gondwana flanierten und den Citytunnel buddelten?

 

RR: Mal aktuell die Georg-Schwarz-Straße ausgeklammert, ist Leutzsch in der Vergangenheit nicht in sogenannten Fördergebieten gewesen. So entstand durchaus der Eindruck, dass Leutzsch ein „vergessener Stadtteil“ ist, wie es mal in einer Zeitungsüberschrift formuliert war. Doch am Thema der Georg-Schwarz-Straße zeigt sich, dass die Kraft lokaler Akteure auch eine Stadtverwaltung positiv bewegen kann und ich kann die dabei handelnden Personen für ihr Engagement nur loben.

 

 

Volly Tanner: Euer Fest hat den massenerreichenden Namen Leutzsch rockt!. Rockt Leutzsch?

 

MK: Am 24.06. auf alle Fälle. Und auch sonst im anderen Sinne – JA! Was sich hier entwickelt, ist sehr erfreulich und es macht Spaß, dabei mitzuwirken.

RR: Leutzsch rockt einfach, weil hier Akteure im Quartier gestalten und die Zukunft nicht dem Selbstlauf oder einer Gestaltung „von oben“ überlassen wird. Hier gibt es Möglichkeiten, die erkannt und in nächster Zukunft auch sichtbar werden.

 

 

Volly Tanner: Welche Kapellen wollen denn das Volk am 24.06.11 bespielen & vor allem womit?

 

MK: Es beginnt „NYLONSAITEN UND SAITENSTRÜMPFE“ – Nadine Maria Schmidt, gefolgt von „FAST WIE FLIEDER“. Nadine Maria Schmidt ist nach ihrem Auftritt zu den Classic Open im vergangenen Jahr und ihrer kleinen Deutschland-Tour Anfang des Jahres quasi in aller Munde. Sie gehört zur neuen Generation der Singer-Songwriterinnen. „FAST WIE FLIEDER“ sind Newcomer, aus einem Bandprojekt der evangelischen Jugend in Leipzig hervorgegangen, und covern auf ihre ganz eigene Weise bekannte Mitsingsongs.

RR: Vor Nadine Maria Schmidt wird es eine Überraschung gleich zu Beginn geben – wird natürlich nicht verraten. Ab 18:30 Uhr wird´s dann rockig. Zuerst gibt´s PopPunkRock mit „PUB´N´STEEL“, gefolgt von Elekropop von „MJUIX“ und zum Schluss Reggae von „MASSALA“. Eine weitere Überraschung auf der Bühne im rockigeren Teil des Festivals ist ebenfalls geplant.

 

 

Volly Tanner: Das Festival findet im Stadtteilpark am Wasserschloß statt. Wo istn da ein Wasserschloß?

 

RR: Hier hat es vor vielen, vielen Jahren mal eine Bebauung – allerdings kein Schloß – gegeben mit einem Wassergraben drumherum. So entstand der Begriff „Wasserschloß“, der heute für den gesamten Stadtteilpark steht. Und übrigens sagt der Leutzscher auch IM Wasserschloß. Also rockt´s am 24.06. auf der Bühne IM Wasserschloß.

 

 

Volly Tanner: Vielen Anwohnern ist die Alte Bibliothek am Park ja noch in guter Erinnerung. Irgendwann zog sich die Stadt da zurück und das Gebäude wurde dem Verfall preisgegeben. Derzeit ist fleißiges Bauen zu beobachten. Was entsteht denn da?

 

MK: Das Haus hat eine Familie gekauft und saniert es derzeit, um dann im Herbst einzuziehen und es selbst zu bewohnen. Es ist toll, dass damit ein Haus mehr auf der Georg-Schwarz-Straße aus dem „Dornröschenschlaf“ geweckt wurde. Eine weitere Freude ist, dass wir den neuen Eigentümer mit ins Boot holen konnten, indem er uns den Strom für das Musikfestival zur Verfügung stellt. Danke an dieser Stelle!

RR: Das Haus beherbergte noch einige Zeit nach der Wende die Stadtbezirksbibliothek, doch es war kein alleiniges Eigentum der Stadt Leipzig. Mehrere Verkaufsversuche der  Eigentümergemeinschaft schlugen fehl und auch die Idee eines soziokulturellen Zentrums war schlicht nicht finanziell nachhaltig tragfähig. Mich freut es, dass es einen neuen Eigentümer bekommen hat, der sich auch ganz bewusst für dieses Objekt, die Selbstnutzung und den Stadtteil Leutzsch entschieden hat.

 

 

Volly Tanner: In Leutzsch gibt es ja auch noch die wundervollen Kunstrasen-Veranstaltungen. Gibt es Synergien? Zusammenarbeiten? Gemeinsamkeiten?

 

MK: Die KunstRasen-Macher sind uns wohl gewogen und umgekehrt auch. Der Charakter der KunstRasen-Veranstaltungen ist sicherlich ein anderer, doch es verbindet uns die Absicht, Kultur in den Stadtteil zu bringen. Auch wenn wir mit unseren jeweiligen Veranstaltungen wohl unterschiedliche Zielgruppen ansprechen.

RR: Wir kennen uns alle gut und im Stadtteilladen Leutzsch des BürgerVereins Leutzsch e.V., dessen Vorstandsvorsitz ich inne habe, sind die Karten für die Veranstaltungen des Leutzscher KunstRasens zu erwerben. Das illustriert schon, dass es gegenseitige Unterstützung gibt. Im Vorjahr stellte uns freundlicherweise der Leutzscher KunstRasen das Zelt für den Backstagebereich zur Verfügung.

 

 

Volly Tanner: Was wünscht Ihr Euch für den 24.06.11?

 

MK: Ich habe drei Wünsche: gutes Wetter, keine technischen Pannen und eine große Publikumsschar.

RR: Ich füge einen vierten Wunsch an: dass es danach allerseits heißt: es muss auch 2012 „Leutzsch rocken!“

 

 

Volly Tanner: Danke, Ihr Beiden.

 

Leutzsch rockt!; 24.06.2011; Stadtteilpark am Wasserschloß; ab 16 Uhr; Eintritt frei!

 

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