Aus wirklichem Interesse heraus, mit klarem Blick für die Dinge. (Linda Gutmann im Interview)

für die Leipziger Internetzeitung geführt:

Die interessanten Konzepte und Menschen findet der Interessierte nicht auf den marktgeilen Boulevards – da haben die globalen Schreihälse ihre Zelte – sondern in den verwinkelten Gassen der, fast schon mediterran erlebbaren, Westkieze Leipzigs. Gleich neben der Polizei und neben einer Hemdenbügel- und Waschstation nisten Linda Gutmann und ihr Team im mittlerweile legendären „Schwesterchen & Schwesterchen“ und verkaufen Haltbares, Überraschendes und Hochwertiges. Da reinzuschauen war oberste Journalistenpflicht für Volly Tanner. Und so entspann sich ein Gespräch zwischen der charmanten Linda und dem Alt-Vater Volly:

 lindabyvolly

Schön hier bei „Schwesterchen & Schwesterchen“ zu sein. Lustige Schuhe. Wieso heißt Dein Laden eigentlich „Schwesterchen & Schwesterchen“?

 

Der Name steht für die Frauen, die den Laden betreiben. Sie sind tatsächlich Schwestern und haben deshalb gar nicht lang nach einem
passenden Namen gesucht, sondern das genommen, weils passt!

 

Du verkaufst hier mit Deinem Team wundervolle Sachen von Kleinlabels – zum Beispiel die tollen Teile der Jungdesignerin Paprika. Wie kommst Du an die Frauen heran? Und wo kommen diese talentierten Kräfte eigentlich alle her?

 

Eine Verkaufsplattform für Leipziger Handwerkskunst anzubieten, war mein großes Anliegen bei der Ladengestaltung! Anfänglich haben wir Leute auf Märkten wie Westpaket, Connewitzer Straßenfest etc. gefragt, ob sie ihre Sachen in unserem Laden verkaufen wollen, jetzt ist der Laden bis in die kleinste Ecke voll ausgefüllt mit verschiedensten kleinen Kostbarkeiten. Ich bekomme immer wieder Anfragen von kreativen Menschen, ihre Dinge mit im Laden zu verkaufen, aber die Kapazität ist ausgeschöpft! Die meisten Produkte sind von Leipziger Frauen & Männer hergestellt, aber auch aus Dresden und Frankfurt kommen ein paar Dinge.

 

Das Faszinierende an den Sachen ist ja auch die Qualität – und dies bei wirklich erschwinglichen Preisen. Dazu die Haltbarkeit & Farbechtheit. Wie erreicht frau diese Qualitäten? Bei den großen Playern zerfällt ja alles meist sehr schnell.

 

Fast alle Hersteller aus meinem Laden haben ihr Handwerk nicht erlernt, sondern sich aus wirklichem Interesse und meistens auch aus der Not heraus selbst angeeignet. Vor allem bei den genähten Kindersachen ist es wohl so, denn selbst herstellen heißt da auch zu schauen, dass es praktisch, schön und nicht sündhaft teuer ist. Der wunderbare Nebeneffekt eines Einzelstückes ist dabei natürlich nicht zu verachten!
Ich versuche in meinem Laden keine übermäßige Provision auf die Sachen zu schlagen, denn das würde die Preise für meinen Geschmack zu sehr in die Höhe treiben. Die Hersteller sind gerade wegen der Einzigartigkeit sehr bemüht, die Kunden zufrieden zu stellen und arbeiten sehr akurat! Es ist eben keine Fließbandarbeit, sondern ein Stück Lebensfreude.

 

Solch ein kleiner Laden, wie der Deine, bedient ja Nische. Nun dringen aber auch Andere gerade in diese hinein. Wie läufts denn finanziell? Kann das Geschäft Dich & die Deinen ernähren?

 

Ich kann mich nicht beklagen! Der Laden besteht jetzt seit fast 2 Jahren und die Idee eines Zweitladens besteht. Ja ich kann davon leben, aber zumindest in meinem Kopf arbeitet es wohl 12h am Tag.

 

War der Leipziger Westen von vornherein Dein Kiez? Hier ist ja gerade Kleinkindschwemme, anders als zum Beispiel in Halle an der Saale, wo mittags der Markt eher von Rentnern besucht wird. Standen andere Stadtteile Leipzigs überhaupt zur Diskussion? Und warum hast Du dann gerade hier eröffnet?

 

Ja, es war ganz klar, hier den Laden zu eröffnen! Es ist „mein“ Stadtteil, ich möchte nirgendwo anders sein. Hier lebe ich, hier arbeite ich, meine Tochter geht hier in den Kindergarten und ich gehe hier einkaufen. Ich mag die Menschen hier!

 

Auch Kunsthandwerk hast Du im Portfolio. Was muss sich der Uninformierte darunter vorstellen? Nussknacker und Schwippbögen werdens ja hoffentlich nicht sein.

 

Wenns fetzig gemacht ist, warum nicht? Kunsthandwerk ist im Prinzip alles handwerklich Hergestellte, selbst kreiert und entworfen. Das Produkt ist ein Unikat, welches es so in dieser Form nicht nochmal geben wird, sprich die Filztiere von A. Trilsch werden nie den gleichen Gesichtsausdruck haben, oder die Kinderhosen von mini inch haben immer einen anderen Stoff.

 

Unter dem Label Lilienschimmer gibts von Dir die oben schon erwähnten lustigen Schuhe. Die sind ja wirklich grandios. Mein Kind mag sie jedenfalls. Wie kams denn zu deren Produktion? Gabs eine Initialzündung?

 

Die Puschen sind erstmals entstanden, als meine Tochter ein halbes Jahr alt war und ich Nähkurse im Mütterzentrum gab. Mit Leder zu nähen war für mich eine ganz neue Erfahrung und ich habe mich in dieses Material verliebt! Mamas und Freunde haben mich dazu ermutigt, in Produktion zu gehen, nachdem ich meine Tochter damit eingedeckt hatte. So nähe ich jetzt seit ca. 4 Jahren Puschen für Kinder und sogar auch immer mal für Erwachsene und ermögliche ein „Laufen wie barfuß“.

 

Gibt es besondere Wünsche Deinerseits für 2011?

 

Ich wünsche mir weiter so sympathische und liebe Kunden, einen klaren Blick für die Dinge und immer das nötige Kleingeld!

 

Danke für das angenehme Gespräch.

http://schwesterchenundschwesterchen.de/

Weißenfelser Straße 5/ Leipzig

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