Es gibt keine anstrebenswerte Normalität (noch ein ARANEA PEEL/ GRAUSAME TÖCHTER-INTERVIEW)

dieses Interview erschien zuerst in der Leipziger Internetzeitung:

Am 29.04.11 wird es richtig rummsen in der hiesigen Moritzbastei. Aranea Peel, Frontfrau der derzeit heiß diskutierten Industrialformation GRAUSAME TÖCHTER hat Sex und Schläge eingepackt, um über Leipzig zu kommen. Freundlicherweise gab sie Volly Tanner vorher noch ein Interview zu Sinn & Zweck des Ganzen, zu S/M an sich und zu ihrer Sicht auf die Popmusik. Tanner leckt sich nun die Wunden – egal. Dies Interview wird bleiben:

Salve Aranea. Wieder einmal ein Interview zwischen uns Beiden. Mich freut es ja. Und Grund ist Dein Über-Leipzig-Kommen mit Deinen Grausamen Töchtern am 29. April bei Schwarzes Leipzig tanzt!. Was verbindest Du mit Leipzig? Warst Du schon mal hier? Zum Beispiel beim WGT?
      
Ich war schon deswegen häufiger in Leipzig, weil ich ganz in der Nähe geboren wurde und zur Schule gegangen bin. Klar verbinde ich mit Leipzig WGT, aber auch sonst gefällt es mir hier sehr gut. Auf die Party freue ich mich schon sehr, und dir gebe ich natürlich immer gerne ein Interview.

Grund Deiner Show ist ja auch die Release des Albums „Mein Eigentliches Element“ – ein Verweis auf Goethes Faust. Wird’s hochkulturell? Sollten die Partymäuse der Stadt Angst bekommen?

Ich hab es ganz gerne, wenn Menschen ein bisschen Angst vor mir haben. Aber die Partymäuse brauchen weniger Angst vor mir zu haben als hochkulturelle Menschen mit Bildungsdünkel. Goethes Faust begeistert mich einfach – hochkulturell oder nicht.

Aranea steht im Lateinischen für Spinne. Klar, dass dies ein Künstlerinnenname ist. Gibt’s auch noch ein bürgerliches, richtig normnahes Leben?

Nein, ein bürgerliches Leben gibt es nicht. Das liegt einfach daran, dass mir das bürgerliche Leben viel viel zu langweilig ist. Ich will Rausch, Extase, Sex, Emotion, Leidenschaft und ich heiße jetzt Aranea.

In Deiner Vita steht was von Kindheit in der Staatlichen Stuttgarter Ballettakademie, Jugend am Magdeburger Landestheater – nun scheint Dein Lebensmittelpunkt Hamburg zu sein. Inklusive Filmemacherei und Dominaleben und -berufsleben. Daneben die Grausamen Töchter, der Spagat zwischen 20ger-Jahre-Chanson, Industrial, Punk & Experiment. Brauchts für solch ein Leben eigentlich stundenverlängernde Drogen?

Drogen nehme ich nicht, sonst könnte ich das alles gar nicht schaffen. Meine seriöse Ausbildung nützt mir durchaus jetzt etwas – man braucht eben auch ein bisschen Handwerk, wenn man künstlerisch tätig ist. Ich bereue das alles nicht, sondern benutze das jetzt, um mich total ausleben zu können.

Faszinierend ja auch Deine Körperarbeit: Beherrschung und Sprache. Wie trainierst Du? Gibt’s Tipps für „weiße Wale“ wie mich?

Ich hab keine Tipps. Da findest du wohl mehr in Illustrierten. Ich mache ab und zu ein bisschen Muskelaufbautraining und bemühe mich,  eiweißreich zu essen. Für Sprache, Aussprache und Dialekte interessiere ich mich sehr, daher weiß ich meistens, was ich mache.

Die Grausamen Töchter sind ja doch mehr als Aranea Peel. Wer straft mit?

Live am 29.4. in Leipzig: Gregor und Hanno an den Drums, Michael Gross spielt Trompete (er ist ein sagenhaft guter Musiker) und drei gute maskierte Freundinnen….

Du sagst herausfordernd: „Ich hasse Popmusik. Ich hasse alles, was nicht authentisch ist.“ Was aber ist denn Authentizität heutzutage im Kulturbetrieb. Greifen denn nicht auch bei einem Projekt, wie den Grausamen Töchtern, Mechanismen, die eine gewisse Fremdbestimmung hereinbringen?

Man ist immer geprägt von Musik, die man gehört hat; man ist immer geprägt von der Zeit, in der man lebt. Authentisch heißt für mich, ich mache das, was meinen privaten Gefühlen entspricht. In der Popmusik schaut man ja nur auf Verkaufszahlen, da geht es selten um die privaten Gefühle der Sänger oder Musiker, das wäre mir zu langweilig.

 

Hat Fetisch Sinn? Was möchtest Du mit Deiner Show vermitteln? Gibt es überhaupt eine Aussage oder geht’s nur um die nächste Party? Wo beziehst Du Deine Einflüsse her?

Fetisch ist geil und macht (mir) Lust. Wenn man sich in meine Musik hinein fühlt und reflektiert, wird man feststellen, dass hier und da auch bitterböse Ironie mitschwingen könnte. Aber es liegt an jedem selbst, wie weit man in Musik und Texte eindringen will; dazu möchte ich auch gar nicht viel sagen. Es ist für mich auch in Ordnung, wenn man dazu nur tanzen will.

Die so eindeutige Propagierung von Sex, dazu der S/M-Aspekt und Deine lesbische Ausrichtung – diese Melange gilt weithin als „böse“. Was empfindest jedoch Du als normal? Gibt es überhaupt eine anstrebenswerte Normalität? Gibt es die Sehnsucht nach einer Welt, in der jede Randerscheinung als positiver Teil des Ganzen wahrgenommen wird?

Es gibt keine anstrebenswerte Normalität. Ich steh auf wilden lesbischen SM-Sex, lebe das und verheimliche das nicht, wie man sehen kann. Wie die Welt das sieht, ob es Randerscheinung ist oder doch auch Teil irgendeiner Normalität, das ist mir völlig egal und tangiert mich nicht.

Deine Debut-CD „Mein Eigentliches Element“ ist seit April auf dem Markt – wie weit trägt Dein Konzept? Gibt es schon Pläne, die Grenzen weiter auszuloten?

Mir kommen plötzlich immer neue Ideen für ein zweites Album, das sicher noch ganz anders wird als „Mein eigentliches Element“. Für mein Debut-Album bekomme ich persönlich viel Lob, obwohl ich auch höre, dass es Menschen gibt, die mich dafür hassen. Aber auch die haben sich dann ja offensichtlich – wenn auch negativ – von meinem Album ansprechen lassen; also freut mich auch das! Die Grenzen werden Ende des Sommers weitergesteckt, denn dann wird ein echtes Hardcoreporn-Musikvideo erscheinen.

Ich freue mich jedenfalls auf Euren Auftritt in der MB. Und, um einen anderen Mann zu bemühen: Wenn Du nach Leipzig kommst, vergiss die Peitsche nicht! Ha! Bis Freitagabend, Aranea.

Ok, eine Peitsche habe ich am 29.4. tatsächlich dabei.

GRAUSAME TÖCHTER, 29.04.11 bei Schwarzes Leipzig Tanzt! in der Moritzbastei (Die Show ist P18)

www.myspace.com/grausametoechter

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