In Deutschland jagt man verbissen den Klischees hinterher! (Interview P. Baumgarten)

erschien schon in der Leipziger Internetzeitung

Der Typ nennt sich gern Bohm, obwohl er Philipp Baumgarten heißt. Er spielte bei TRAUMA und INTERSTATE 5 den Saitenstreichler, nennt BoomBooks seinen Verlag und den Köter Almanach seine Agentur für Unangepasstes. Daneben macht er Radio – DEAD CITY RADIO in Dresden, studiert, liebt und lebt. Und fotografiert. Und da Tanner und Bohm schon so manchen Trinkbecher zusammen entleert haben, muss gefragt werden, was da nach Leipzig kommt und ANTIREALISMUS heißt:

bohm selber by bohm

Hallo Bohm – schön mal mit Dir reden zu können. Am 27.01. gibt es Deine erste Leipzig-Vernissage „Antirealismus“ im HelHEIM. Fotos, die anders sind als die Realität? Um was geht’s denn?

 Es geht um eine Darstellungsweise die auf den ersten Blick befremdlich und unecht wirkt. Allerdings entsprechen alle Motive der Wirklichkeit. Und da sind wir auch schon bei der Betrachtungsweise, denn was ist schon real? Das was in deinem Kopf als solches abläuft. Die „wirkliche Welt“ ist wahrnehmungsabhängig und damit irgendwo anti-real, denn ohne einen Betrachter, würde sie nicht existieren. Das was mich nun daran reizt, ist die Ästhetik dieser Hyperrealität, ich abstrahiere meine Welt in Bildern. Im Helheim werden aber auch andere Fotos zu sehen sein.

Du bist Radiomacher, Musiker, Veranstalter, Verleger, Filme- und Hörbuchmacher, Promoter. Bleibt da noch Zeit für Privates, den Rückhalt, aus dem man Kreativität schöpfen kann?

 Ich denke doch. Schlafen tue ich jedenfalls. Die Kreativität passiert aktiv und ständiges Rotieren bringt dann genügend Impressionen für Neues. An Ideen mangelt es nicht, vielmehr an Zeit.

Mit Deinem Studium in Dresden ist ja bald Sense. Wie geht’s dann weiter? Wieder mit INTERSTATE 5 auf die Autobahn und zu den Musikenthusiasten?

 Nach dem Diplom wird es wohl weiterhin ruhig bleiben um Interstate 5. Ich will erstmal alle Projekte beenden, die noch laufen und die beginnen, für die ich bisher keine Zeit hatte. Danach kauf ich mir ein Ticket für die Transsibirische Eisenbahn und flüchte mit der Kamera gen Osten, so lange, bis ich wieder hier ankomme.

Was ist Kunst für Dich? Wer sich in die Öffentlichkeit begibt, wird ja auch gern und immer öfter angepieselt. Was sagst Du zu den Schlaumeiern?

 Kunst ist eine Frage der Rezeption, was soll man da schon definieren. Hätten wir doch über Musik gesprochen, da fällt mir immer der Spruch von Ian MacKaye ein: “if I could describe it in words then I wouldn’t have to play it”. Ich denke, dass man den Satz wunderbar auf die Kunst übertragen kann.

Australien ist ja Dein Traumland, Du warst sogar schon längere Zeit dort. Was hats Dir gebracht? Was unterscheidet die australische Lebensweise von der Hiesigen?

 Traumland nun nicht gleich, aber eine Reise ist es schon wert. Ich hatte Abstand vom altbekannten Dasein und Zeit gewonnen und konnte die Dinge mal aus einer anderen Perspektive betrachten. Das hat den Horizont erweitert und es sind Alternativen entstanden zur deutschen Engstirnigkeit. „No worries mate“ war das Motto, das fehlt in Deutschland leider völlig, hier jagt man stattdessen verbissen den Klischees hinterher. Am Ende ist es egal wo man sich herumtreibt, Hauptsache ist, der Heimat für eine Weile fern zu bleiben, um neue Perspektiven zu erleben.

Gibt es Wünsche von Dir für 2011?

Genügend Elan für die vielen Projekte.

by bohm

Am 27.01.11 wirst Du Deiner Vernissage ja auch beiwohnen, wer, hoffst Du, ist Dein Publikum?

 Das wird ja nur ein kleines Ding, es hängen nur knapp 10 Bilder, in einer Kneipe. Da will ich nichts erwarten, vielleicht kommen die besagten Schlaumeier mit schlagkräftigen Binsenweisheiten im Gepäck. Da wäre ich jedenfalls mehr eingeschüchtert als von 50 Metallern.

Danke, Bohm, für das Interview & die letzten Worte sollen Deine sein:

Es ist etwas zu tun, es wird jemand.

Vernissage ANTIREALISMUS; 27.01.11; 19 Uhr; HelHEIM

www.antirealismus.de

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